Energiemarkt
Russischer Stromexporteur lockt mit Atomstrom

Russlands größter Stromexporteur Inter Rao will von der deutschen Energiewende profitieren: Konzernchef Kowaltschuk bietet Stromlieferungen aus Kaliningrad an - ausgerechnet aus einem Kernkraftwerk.

FrankfurtDas Angebot klingt verlockend. "Deutschland ist durch die Energiewende ein sehr interessanter Markt für uns. Wir können helfen, die Lücke, die Deutschland durch den Atomausstieg in der Stromproduktion bekommen wird, zu schließen", sagt Boris Kowaltschuk, Chef des größten russischen Stromexporteurs Inter Rao, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Sein Unternehmen hat in der russischen Exklave Kaliningrad genug Strom, von dem ein großer Teil über das angrenzende Polen nach Deutschland transportiert werden könnte.

Umweltschützer und Politiker dürfte die Offerte allerdings in helle Aufregung versetzen. Denn sie führt die im Sommer vollzogene Energiewende in Deutschland und den zügigen Atomausstieg ad absurdum. Der Strom würde nämlich zu einem großen Teil aus einem neuen Kernkraftwerk stammen, das der Partner und Großaktionär von Inter Rao, der Nuklearkonzern Rosatom, derzeit in Kaliningrad baut.

Kowaltschuk lässt sich davon aber nicht abhalten - er wirbt mit Nachdruck für seinen Vorschlag: "Schon im Jahr 2016 könnte der erste Strom vom neuen Kernkraftwerk nach Deutschland fließen", sagt er.
Die Rechnung des Managers ist simpel. In Deutschland drohen in der Stromproduktion Engpässe. Acht Reaktoren wurden im Frühjahr unmittelbar stillgelegt, in den kommenden elf Jahren werden neun weitere Meiler folgen. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie kann die entstehende Lücke nicht schließen, neue Gaskraftwerke lohnen sich wegen der hohen Gaspreise kaum, und neue Kohlekraftwerke gelten als umweltschädlich. Deutschland wird deshalb auf Stromimporte angewiesen sein. Sie steigen schon jetzt.

Nach Kowaltschuks Rechnung kann Inter Rao technisch und wirtschaftlich einen Teil dieses Bedarfs decken. Sein Unternehmen ist der zweitgrößte Stromproduzent Russlands und die Nummer eins im internationalen Handel. Neben vielen Standorten in Russland und den Nachbarstaaten ist es auch in der westlichen Exklave Kaliningrad, die zwischen Polen und Litauen liegt, aktiv.

Große Differenz bei den Strompreisen

Dort betreibt Inter Rao selbst ein modernes Gaskraftwerk mit einer Leistung von 900 Megawatt. Der erste Block des Kernkraftwerks, das Rosatom dort baut und das 2300 Megawatt stark sein wird, wird 2016 ans Netz gehen. Der zweite Block soll 2018 folgen. Inter Rao hat nach Kowaltschuks Worten mit Rosatom schon vereinbart, die Produktion aus den Reaktoren in den ersten 25 Jahren exklusiv im Ausland zu vermarkten. Und zudem hat Inter Rao noch Leitungen, um zusätzliche Strommengen von Russland nach Kaliningrad zu transportieren.

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