Energiepolitik
Gazprom kreuzt die Klinge mit Brüssel

Zwischen der EU-Kommission und dem russischen Gasgiganten Gazprom verschärft sich der Ton. Vizevorstandschef Alexander Medwedjew warf Brüssel am gestrigen Dienstag vor, mit der angestrebten Liberalisierung der europäischen Gasmärkte, bei der insbesondere die langfristigen Lieferverträge in Frage gestellt werden, das Risiko bei neuen Erdgasprojekten zu Lasten der Produzenten wie Gazprom zu verschieben.

mbr/ink/tom LONDON. „Wer die langfristigen Lieferverträge Gazproms mit europäischen Gasgesellschaften unterminiert, mischt sich in Firmenangelegenheiten ein und schadet der Versorgungssicherheit Europas”, sagte Medwedjew auf dem Russian Economic Forum in London. Die EU-Kommission dagegen sieht in den Abkommen eine Behinderung des Wettbewerbs und will sie unterbinden.

Zugleich verteidigte Medwedjew in London die Expansionsstrategie der Russen in Europa, die ihren Anteil am europäischen Gasverbrauch von 26 auf gut 33 Prozent 2010 steigern wollten. Als „hysterisch“ bezeichnete er Vorbehalte gegen Gazproms Pläne, durch Zukäufe direkt an EU-Endabnehmer heranzukommen.

Medwedjew signalisierte am Dienstag erstmals offiziell Interesse am britischen Gasversorgers Centrica: „Er steht auf unserer Watchlist.” Zuvor hatten britische Zeitungen gemeldet, die Labour-Regierung wolle durch Gesetzesänderungen einen Gazprom-Einstieg bei Centrica verhindern. Der Gazprom-Vize nannte zudem Scottish Power als Übernahmeobjekt.

Während der russische Präsidentenberater Igor Schuwalow in Berlin ausdrücklich Berichten widersprach, Russland oder Gazprom wollte Europa bei Energiefragen unter Druck setzen, gab er dem Gazprom-Management jedoch auch Schützenhilfe: Regierungen sollten keine Beschränkungen für Investitionen aufbauen. Wenn Gazprom bei Centrica wegen politischer Hürden nicht zum Zuge käme, müsse sich die Regierung in London darauf einstellen, „dass bald auch rein private russische Firmen“ eine Beteiligung oder Übernahme anstreben werden, sagte er dem Handelsblatt.

Gazprom-Chef Alexej Miller will den Einstieg in die gesamte Wertschöpfungskette der Energiewirtschaft: So soll der weltgrößte Gasförderer neben der Erdgasproduktion auch in die Ölindustrie, in Gasvertriebsgesellschaften in Europa sowie die Stromerzeugung – inklusive Atomenergie – expandieren.

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