Energieproduzenten
Ungarn wehrt sich gegen OMV

Aktienrückkäufe, eine Sperrklausel und ein Schutzgesetz: Der ungarische Energieproduzent Mol verteidigt sich heftig gegen den neuen Übernahmeplan des österreichischen Konkurrenten OMV. Gelingt die Übernahme dennoch, entstünde in Mitteleuropa ein Energiekonzern, der auch unter Energieriesen wie Gazprom und Shell an Bedeutung gewänne.

BUDAPEST. OMV ist bereit, für jede Mol-Aktie umgerechnet 128 Euro zu zahlen. Das Angebot liegt 18,7 Prozent über dem Schlusskurs der Mol-Aktie vom Montag und 44 Prozent über dem Kurs von Mitte Mai, als OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer erstmals Interesse angemeldet hatte. Am gestrigen Dienstag wurde der Handel mit Mol-Titel vorübergehend ausgesetzt. Kommt OMV zum Zug, muss es somit insgesamt rund zwölf Mrd. Euro für Mol bezahlen.

Allerdings steht der Übernahmeversuch nach wie vor auf wackligen Beinen. Eine Klausel in der Mol-Satzung beschränkt die Möglichkeit der Aktionäre, Stimmrechte zu erwerben, auf zehn Prozent. Sie kann nur durch eine Dreiviertelmehrheit in einer Hauptversammlung geändert werden. Ruttenstorfer setzt darauf, dass die EU-Kommission diese Klausel für ungültig erklärt. Ein entsprechendes Verfahren läuft bereits. Außerdem setzt er auf jene Aktionäre, die nicht mit Mol verbunden sind und rund 40 Prozent an dem größten ungarischen Unternehmen halten. „Es geht darum, was diese Aktionäre wollen. Sie sind unsere Ansprechpartner, nicht das Management“, sagte Ruttenstorfer dem Handelsblatt.

Vom Mol-Management erwartet Ruttenstorfer keine Unterstützung. Zu Recht, wie Mol-Sprecher Szabolc Ferencz deutlich machte: Er nannte das OMV-Vorgehen „feindlich“ und betonte den Willen des Mol-Managements, das Unternehmen selbstständig zu lassen. Auch im Sinne des Wettbewerbs sei die Eigenständigkeit der Ungarn wichtig. Mol sieht etwa bei Tankstellen in Mitteleuropa Kartellprobleme.

Die Ungarn warnen aber nicht nur, sondern verteidigen sich auch aktiv: Sie haben inzwischen einen Zwei-Milliarden-Kredit aufgenommen, um weitere eigene Aktien zurückzukaufen. Der Abwehrkampf ist für Mol kostspielig. Die Ungarn haben im zweiten Quartal Einmalaufwendungen in Höhe von 36,8 Mrd. Euro verbuchen müssen. Die Summe entspricht den möglichen Kosten für Aktienrückkäufe. Der Nettogewinn von Mol ist deswegen im zweiten Quartal eingebrochen.

Gegenspieler Ruttenstorfer rechnet nach einem Zusammenschluss mit Synergien vor Steuern von rund 400 Mill. Euro und meint, dass sich der Bau der Nabucco-Pipline beschleunigen würde. Sie soll Gas aus dem Nahen Osten nach Westeuropa führen. Ruttenstorfer wirbt damit, dass Mol seinen Namen behalten könne, Budapest als Standort eines Geschäftsbereichs der neuen Firma erhalten bleibe und im neu zu bildenden Aufsichtsrat ungarische Vertreter eine gebührende Stellung einnehmen sollten.

Dass die Chancen von OMV dennoch nicht gut stehen, liegt auch an der Politik in beiden Ländern. Sie unterstützt jeweils massiv das heimische Unternehmen: in Österreich dadurch, dass die Staatsholding ÖIAG als größter Aktionär Einfluss auf die Strategie von OMV nimmt. In Ungarn bereitet die Politik ein „Lex Mol“ vor, dass Käufe strategisch wichtiger ungarischer Firmen durch staatlich dominierte ausländische Firmen grundsätzlich verbietet. Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany hatte in diesem Zusammenhang in einem Interview am Wochenende das Vorgehen der Österreicher als Belastung für die Beziehungen dargestellt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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