Energieriesen
EdF steht vor Einstieg in den US-Atomenergiemarkt

Europas größter Stromerzeuger Électricité de France (EdF) steht offenbar kurz davor, im US-Atomenergiegeschäft Fuß zu fassen. Die Franzosen dürften den Zuschlag für ihr Angebot zum Einstieg bei Constellation Energy bekommen - und damit Warren Buffett aus dem Feld schlagen.

NEW YORK. Buffetts Versorgungsunternehmen Mid American hatte sich im September mit Constellation auf eine Übernahme für 26,50 Dollar je Aktie – insgesamt 4,7 Mrd. Dollar – geeinigt. So war es dem größten US-Stromhändler möglich, die Herabstufung der Bonität zu vermeiden, die Constellation zu dem Zeitpunkt möglicherweise in den Konkurs getrieben hätte. Das geht zumindest aus einer Mitteilung von Constellation an die Börsenaufsicht am 25. November hervor.

Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers brach der Aktienkurs von Constellation binnen drei Tagen um 58 Prozent ein. Am 3. Dezember reichte EdF ein Gegengebot in Höhe von 4,5 Mrd. Dollar (3,3 Mrd. Euro) für die Hälfte der Kernenergiesparte von Constellation ein und erklärte, Buffett zahle zu wenig. Die Franzosen sagen, ihr Angebot für die Nuklearsparte basiere auf einer Bewertung des Gesamtkonzerns von 52 Dollar je Aktie.

Constellation stimmte der Aufnahme von Gesprächen am 8. Dezember zu. „EdF ist derjenige der beiden Bieter, der langfristig und auf Expansion ausgerichtet ist. Sie wollen mit dem Management von Constellation künftig eine Rolle bei der Erzeugung von Atomstrom in den USA spielen“, sagte Daniele Seitz, Analystin für Versorger bei Seitz Research in New York.

EDF bietet eine Mrd. Dollar im Voraus und 3,5 Mrd. Dollar bei Vertragsunterzeichnung für den 50-Prozent-Anteil an einem Gemeinschaftsunternehmen, in das die Kernkraftwerke von Constellation eingebracht werden. EDF signalisierte darüber hinaus Bereitschaft, bis zu zwei Mrd. Dollar für andere, nicht der Nuklearsparte gehörende Kraftwerke zu zahlen, sollte Constellation das Geld benötigen. EdF und Constellation haben bereits ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Kernreaktoren, an dem beide Konzerne jeweils die Hälfte halten.

Nun könnte alles sehr rasch gehen. Sobald die Banken der Aufhebung von Kreditklauseln zustimmen, ist der Weg frei für eine Zustimmung des Aufsichtsrats von Constellation – möglicherweise noch in dieser Woche, hieß es aus Verhandlungskreisen. Weder EdF noch Constellation machten Angaben zum Stand der Verhandlungen.

Sollten EDF und Constellation handelseinig werden, wird Buffett die Niederlage verschmerzen. Er bekommt dann 593 Mio. Dollar in bar. Obendrein steht Buffett dann ein Anteil von 9,9 Prozent an Constellation zu, ebenso wie vorrangige Verbindlichkeiten im Umfang von einer Mrd. Dollar, die mit einem Zinskupon von 14 Prozent ausgestattet sind.

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