Energieversorger
Bau von RWE-Kraftwerk verzögert sich wegen Alstom

Die Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks in Hamm wird sich weiter verzögern, da der Anlagenbauer Alstom mangelhafte Teile für das Kesselgerüst lieferte. Bereits im September waren Probleme bei Lieferungen von Alstom aufgetreten. Die Verzögerungen kosten pro Tag Hundertausende Euro.
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DÜSSELDORF. RWE hat zum wiederholten Male bei einem großen Kraftwerksprojekt Probleme mit dem Lieferanten Alstom. Die Inbetriebnahme des im westfälischen Hamm geplanten Steinkohlekraftwerks wird sich verzögern, weil Teile des Kesselgerüsts, die Alstom aus China importierte, mangelhaft sind. Die Termine Mitte 2011 für den ersten und Anfang 2012 für den zweiten Block werde RWE vermutlich nicht einhalten, sagte ein Sprecher der Stromerzeugungssparte RWE Power. Im vergangenen Jahr hatte Alstom bereits für das Gaskraftwerk im niedersächsischen Lingen minderwertigen Stahl aus Ägypten geliefert.

RWE baut in Hamm ein Steinkohlekraftwerk mit einer Leistung von 1 600 Megawatt. Für RWE ist ein pünktlicher Einsatz wichtig, weil der Konzern so die Produktionskosten senken kann und weniger CO2-Zertifikate benötigt. Die neue Anlage verfügt über einen Wirkungsgrad von 46 Prozent, das heißt 46 Prozent der eingesetzten Energie werden in Strom umgesetzt - das ist deutlich besser als bei den älteren Anlagen am selben Standort. RWE wird für die gleiche Menge Strom ungefähr 20 Prozent weniger Steinkohle benötigen. Das Investitionsvolumen liegt bei zwei Mrd. Euro.

Seit Ende September stehen allerdings schon die Bauarbeiten an einem zentralen Teil, dem Kessel, still. Bei beiden Blöcken fiel RWE-Technikern auf, dass am Kesselgerüst Schweißnähte falsch gelegt wurden, so dass sich Risse bildeten. Das Problem wurde offenbar bereits in China verursacht, wo Alstom die Teile vorgeschweißt eingekauft hatte. Das Kesselgerüst ist das Herzstück des neuen Kraftwerks. Für beide Blöcke wird es 108 Meter hoch werden und 20 auf 20 Meter breit.

Alstom sei für den Bereich in der Verantwortung, sagte der RWE-Sprecher. Sein Unternehmen habe den Lieferanten aufgefordert, ein Reparatur- und Sanierungskonzept zu erarbeiten. "Wir hoffen, dass wir das Problem schnell vom Tisch bekommen." Wie lange die Bauarbeiten am Kessel noch ruhen müssen, konnte er aber nicht sagen. Im Vordergrund stünden Qualität und Sicherheit. Das finanzielle Risiko liegt beim Lieferanten. "Wir haben ein mangelfreies Gewerk bestellt", sagte der Sprecher. Zur Höhe des Schadens wollte er sich nicht äußern. In Branchenkreisen hieß es aber, dass jeder Tag, den sich die Inbetriebnahme verzögert, Hunderttausende kosten dürfte.

Alstom bemüht sich nach den Worten eines Sprechers, das Problem "so schnell wie möglich" zu lösen. Wie lange die Bauarbeiten aber noch ruhen müssen, wollte auch er nicht sagen. Zu eventuellen Entschädigungen wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Im vergangenen Jahr hatte es bereits in Lingen beim Bau des Kesselgerüsts für RWEs neues Gas- und Dampfturbinenkraftwerk Probleme gegeben. Auch hier war Alstom als Lieferant verantwortlich. Der Phosphor-Anteil des in Ägypten eingekauften Stahls wich um das Drei- bis Vierfache von der Norm ab. Das Problem fiel auch hier der Qualitätssicherung des Energiekonzerns auf. 750 Tonnen, die bereits verbaut waren, mussten entfernt und ein neuer Lieferant musste gefunden werden. Auch hier verzögerte sich der Bau deutlich.

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  • Typisch deutsch. Der Kaufmann und der bWL-Vertreter kaufen billigen Ramsch, da sie von Technik keine Ahnung haben und nur der Preis zählt. Dafür werden sie fürstlich belohnt. Der ingenieur, der den Schrott geliefert bekommt und mit dem Mist zurechtkommen muß, wird vom Management beschimpft und zu unvernünftigen Kompromissen genötigt. Alle anfallenden Mehrkosten und der aus der Terminverzögerung entstehende imageschaden werden ihm angelastet. Die eigendlichen Verursacher aber steigen auf und dürfen, bei fürstlichem Gehalt, noch mehr Mist verzapfen. An dieser Mißwirtschaft krankt die deutsche industrie.

  • Alstom's Strategie des globalen Sourcings scheitert an seiner alleinigen Zielstellung, welche 'mach es billiger um jeden Preis' heisst. Geringere Einkaufskosten werden mit boni gefördert, entstehende Zusatzkosten durch mangelnde Qualität , ausufernde Reisekosten in exotische Länder des Sourcingpersonals, und fehlende Wertschätzung von technischen Erfahrungsträgern erinnern an die Zentralplanung in kommunistischen Systemen. Aber auch Alstom wird es noch lernen

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