Energieversorger
EnBW kämpft mit sinkenden Strompreisen

Sinkende Großhandelspreise für Strom belasten das Ergebnis des Stromkonzerns. In einigen Bereichen machte EnBW mehr als ein Viertel weniger Umsatz. Trotzdem rechnet der Versorger damit, die Jahresprognose zu erfüllen.
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KarlsruheDer Atomausstieg belastet nach wie vor die Bilanz beim Energiekonzern EnBW. In den ersten neun Monaten hat sich zwar das Ergebnis stabilisiert, doch der Stromumsatz brach ein. Wie das drittgrößte deutsche Stromunternehmen am Freitag in Karlsruhe mitteilte, führte vor allem die Abschaltung von zwei der vier Atomkraftwerke zu starken Einbußen. Der Umsatz im Geschäftsfeld Erzeugung und Handel brach um 27 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro ein. Unterm Strich weist EnBW einen Überschuss von 565,6 Millionen Euro aus, nach einem Fehlbetrag von 542 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Um die notwendigen Investitionen für die Energiewende zu stemmen, soll dennoch weiter gespart werden. Die EnBW rechnet noch mit zwei schwierigen Jahren.

Angesichts neuer Herausforderungen und schwieriger Marktbedingungen sei die Geschäftsentwicklung im Rahmen der Erwartungen verlaufen, sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer.

Die EnBW verkaufte in den ersten neun Monaten mit 101,7 Milliarden Kilowattstunden deutlich weniger Strom, der Umsatz im Geschäftsfeld Erzeugung und Handel brach um mehr als ein Viertel auf 2,95 Milliarden Euro ein. Der gesamte Konzernumsatz legte indes um 4,4 Prozent auf knapp 14,4 Milliarden Euro zu - auch weil mit 46,2 Milliarden Kilowattstunden 20 Prozent mehr Gas verkauft wurde. Auch höhere Netznutzungsentgelte sowie mehr Strom aus Wasserkraftwerken und Windrädern schlugen positiv zu Buche.

Die Schulden gingen aufgrund der Kapitalerhöhung im Juli und Verkäufen auf rund acht Milliarden Euro zurück. Bis 2014 plant EnBW weitere Verkäufe in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Trennen wollen sich die Karlsruher unter anderem von der österreichischen EVN. Zudem sollen im Rahmen des Sparprogramms „Fokus“ bis Ende 2014 insgesamt 750 Millionen Euro eingespart werden, davon 250 Millionen Euro beim Personal. Die EnBW will das Gasgeschäft weiter vorantreiben, etwa mit dem direkten Gasliefervertrag mit dem russischen Anbieter Novatek.

Mit der Neun-Monats-Bilanz ist die Ära des Ende September aus dem Amt geschiedenen EnBW-Chefs Hans-Peter Villis auch zahlenmäßig zu Ende. Seit Oktober ist der frühere Eon-Manager Frank Mastiaux am Ruder. Die EnBW ist mit ihren beiden Großaktionären, dem Land Baden-Württemberg und dem Zweckverband OEW, mehrheitlich in öffentlichem Besitz.

 
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  • KKWs als Stromlieferanten bei Windstille oder Dunkelheit fallen aus. Mir ist jedenfalls kein Kernkraftwerk auf der Welt bekannt, dass nur rumsteht und auf den Sonnenuntergang warten.

    Wenn Sie wissen wollen, wo der Strom bei Dunkelheit und Windstille z.B. herkommen könnte, fragen Sie doch mal die Norweger. Die heizen sogar mit Strom und ihre Stromversorgung ist fast 100 % regenerativ.

    Sie müssen sich also keine Sorge um die Probleme der Energiewende machen. Auch wennn Sie nicht alles verstehen, können Sie mir glauben: Es gibt Menschen, die lösen diese Probleme.

    Vor ca. 30 Jahren hat man den GROWIAN gebaut;um "zu zeigen, dass es nicht funktioniert". Die notorischen Pessimisten von damals lagen falsch. Und heute wird mit den gleichen Argumenten aus der Klamottenkiste der Energieerzeugung behauptet: Die Energiewende funktioniert nicht. Sie wird funktionieren; da können Sie völlig beruhigt sein.

  • Ja nun, die Leute die ich aus dem Bereich kenne haben vor der Ihrerseits genannten Fiktion keine Angst. Die meisten können aufgrund ihrer Ausbildung solche Geschichten bewerten.

    In den Deutschsprachigen Ländern hat man grosse Angst vor ökoreligiösen Amokläufen. Ich und Andere suchen ihre Kinder so auszubilden, dass diese ggf. auch ausserhalb Europas eine gut bezahlte Arbeit finden können.

    Ausserhalb Europas, ich hatte ein paar Jahre im Nahen Osten gelebt, sind diese Fiktionen nicht populär. Man erfreut sich des steigenden Strombedarfs und plant entsprechend.

    Vandale

  • Seit der AKW-Abschaltung hat sich in Deutschland viel geändert:
    Die Preise für Energie an den Strombörsen sind in den letzten Jahren deutlich gesunken.
    Je nach Stromliefervertrag sprechen Experten von den niedrigsten Tarifen der letzten drei bis sieben Jahre, schreibt Die Welt.

    Während sich etliche Leute immer noch bemühen Ängste zu schüren und auf eine Stromverknappung hinzuweisen, ist der Netto-Export in diesem Jahr bis August auf 12,4 Terawattstunden - ein neues Hoch gestiegen (Angaben BDEW)- gestiegen.

    Ein Staat der seit seiner Gründung nur in einem Jahr keine Schulden gemacht hat, braucht enorm viel Geld. Daher gibt es so horrende Abgaben und Steuern die auf den Strompreis draufgeschlagen werden, dass die Haushalte gar nicht mehr mitkriegen, wie billig Strom mittlerweile ist.

    Gott sei dank, schreitet die Entwicklung zur Energieerzeugung für private Leute weiter voran.
    Es entsteht eine neue zwei Klassengesellschaft:
    Die einen nehmen es hin und zahlen und die anderen erzeugen Energie, beteiligen sich an Energieprojekten etc. und drehen den Politikern eine lange Nase.
    Jeder kann frei entscheiden, wohin er gehört!

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