Energieversorger
EnBW kürzt Investitionen wegen Atomabgabe

Der Energieversorger EnBW kürzt wegen der AKW-Abgabe seine Investitionen, und hat außerdem ein Kostensenkungsprogramm aufgelegt.
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HB STUTTGART. Der Versorger EnBW tritt wegen der anstehenden Mehrausgaben für seine Atommeiler in Deutschland auf die Kostenbremse und kürzt die Investitionen. Die durch längere Laufzeiten anstehenden Abgaben an den Bund summierten sich in den nächsten sechs Jahren auf 742 Millionen Euro, rechnete der drittgrößte deutsche Energiekonzern mit Sitz in Karlsruhe am Freitag vor.

„Da wir jeden Euro nur einmal ausgeben können, müssen wir nun unser Investitionsprogramm anpassen“, sagte Vorstandschef Hans-Peter Villis. Um die negativen Auswirkungen auf die zuletzt sprudelnden Gewinne möglichst klein zu halten, habe EnBW zudem ein Kostensenkungsprogramm aufgelegt.

Der Versorger folgt damit den größeren Konkurrenten RWE und E.ON, die ihre Anleger bereits auf sinkende Erträge eingestimmt haben. Die Konzerne erwägen, gegen die im Gegenzug für längere Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke erhobenen Abgaben und Steuern zu klagen.

Die vier Atomkraftwerksbetreiber - dazu zählt in Deutschland auch noch Vattenfall - sollen nach dem Willen der Bundesregierung von 2011 bis 2016 die klamme Staatskasse mit jährlich 2,3 Milliarden Euro auffüllen. Dazu ist eine neue Brennelementesteuer und ein Fonds zum Ausbau der erneuerbaren Energien geplant, in den die Versorger einzahlen sollen, da ihre weitgehend abgeschriebenen Atommeiler durch die Verlängerung der Betriebszeiten Zusatzgewinne abwerfen.

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  • Schön wäre es, die EnbW würde nicht mehr investieren, das würde nämlich bedeuten, dass sich Monopolstrukturen auflösen. Die EnbW könnte der brennelementesteuer leicht entgehen: Das Unternehmen müsste sich nur an den Atomausstieg halten.

  • Der letzte Satz ihres berichtes ist komplett falsch! Schlamperei! Haben Sie aufgehört, Wirtschaftszeitung sein zu wollen?

    Nach EnbW-Finanzbericht beläuft sich das um Sondereffekte bereinigte EbiT der Monate Januar-September (nicht Juli-September) auf 1,614 Mrd. Euro (nicht 1,61 Mio. Euro).

    bei solch einem EbiT innerhalb von 9 Monaten (wobei 3 kalte, dunkle Monate bis zum Jahresabschluss noch ausstehen) sollte EnbW über 742 Mio. Euro zusätzliche Ausgaben im Laufe von 6 Jahren für die Verlängerung der Laufzeiten seiner AKW nur ein müdes Lächeln übrig haben. Statt dessen wird auf die Tränendrüse gedrückt und mit der Kürzung von investitionen gedroht für den Fall, dass es die Verlängerung der Laufzeiten nicht geschenkt gibt.

    Darauf läuft die mafiöse Absprache unserer Regierung mit den Energieversorgern also hinaus: die Energieversorger drücken sich mit faulen Ausreden um ihre Verantwortung, während gleichzeitig der weitere Ausbau regenerativer Energienutzung ins Stocken gerät. bisher ist die Regierung den Nachweis schuldig geblieben, wie sie ihre Lippenbekenntnisse für eine Zukunft, die den regenerativen Energien gehören soll, tatkräftig und willensstark in Realität umsetzen will.

    Als im Vorfeld der NRW-Wahlen die Linke unter anderen obskuren Forderungen auch eine Zerschlagung von E.ON und RWE bzw. deren Verstaatlichung forderte, schüttelte ich noch mit großem befremden den Kopf. So läßt sich doch keine mehrheitsfähige Politik machen. Doch heute, gerade ein gutes Jahr später, reibe ich mir erneut verwundert die Augen und muß erkennen: Energiekonzerne, die zum alleinigen Nutzen ihrer Aktionäre und um ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu entfliehen, solche Scheinargumente in das Feld führen, wie das EnbW jetzt wieder vorexerziert, sind mit einer anderen Medizin als der Zerschlagung oder Verstaatlichung wohl nicht zu kurieren.

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