Energieversorger
EnBW legt Nordsee-Windpark auf Eis

EnBW will zum Vorzeigeunternehmen bei der Energiewende werden, doch ein Problem folgt auf das nächste: Weil es an der nötigen Netzanbindung fehlt, kann der Energieversorger seinen geplanten Windpark nicht betreiben.
  • 0

StuttgartDer staatlich kontrollierte Energieversorger EnBW hat die geplante Investition von 1,5 Milliarden Euro in einen Nordsee-Windpark aufgeschoben. Grund sei die noch ausstehende Reform des Energiewirtschaftsgesetzes und die damit verbundene Unsicherheit über Termine für die Netzanbindung der Windräder, teilte EnBW am Mittwoch mit. Das Unternehmen werde zunächst das Gesetzgebungsverfahren abwarten. "Bis dahin halten wir grundsätzlich an unserem Ziel fest, den Windpark EnBW Hohe See ... zu bauen", erklärte Technikvorstand Hans-Josef Zimmer.

Der seit Oktober amtierende neue Vorstandschef Frank Mastiaux setzt damit den Kurs seines bei der grün-roten Landesregierung von Baden-Württemberg in Ungnade gefallenen Vorgängers Hans-Peter Villis fort. Dieser hatte Ende August Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) unter Druck gesetzt, Klarheit über die Rahmenbedingungen für Windkraft zu schaffen.

Da der Netzbetreiber Tennet nach derzeitiger Lage die Netzanbindung hinausschieben könne, drohe eine Verzögerung des Projekts um zwei Jahre. Damit würde der Windpark mit 80 Windrädern erst 2017 statt 2015 ans Netz gehen. EnBW muss nach dem Stopp von zwei seiner vier Atomkraftwerksblöcke im Jahr 2011 vor allem die erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung ausbauen, da das Land Baden-Württemberg den Versorger zum Vorzeigeunternehmen der Energiewende aufbauen will. Es ist knapp zur Hälfte an EnBW beteiligt.

Der drittgrößte deutsche Energiekonzern will deshalb bis 2020 seine Leistung aus erneuerbarer Energie mehr als verdoppeln. Seit 2011 betreibt EnBW einen Windpark in der Ostsee und baut vor Rügen einen zweiten, der noch unter alte Regelungen fällt. Für die Pannen und Verzögerungen beim Netzanschluss von Windparks gilt seit kurzem eine neue Haftungsregelung. Für die Kosten werden nun die Verbraucher durch einen Preisaufschlag zur Kasse gebeten. Davor mussten die Netzfirmen wie Tennet die Windpark-Betreiber entschädigen. Netzbetreiber haben zudem mehr Spielraum beim Termin für den Anschluss von Windparks auf hoher See.

Ende Oktober hatte auch der dänische Energiekonzern Dong den milliardenschweren Bau eines Windparks vor der Nordseeinsel Borkum gestoppt. Die Dänen gaben ebenfalls dem Stromnetzbetreiber Tennet und mangelnden Haftungsregeln die Schuld. "Wir sind gezwungen, Entwicklung und Bau des Projekts Borkum Riffgrund II auszusetzen", sagte der Deutschland-Chef von Dong Energy, Christoph Mertens.
Eine Firmensprecherin sagte damals, Dong werde nun statt dessen ein Projekt in Großbritannien vorziehen. Riffgrund II wäre das zweite von insgesamt sechs Offshore-Vorhaben des dänischen Konzerns gewesen. In den Windpark mit einer veranschlagten Leistung von 340 Megawatt - etwa ein Drittel der Leistung eines Atomkraftwerks - wollte Dong 1,3 Milliarden Euro investieren.

Für das Schwesterprojekt Riffgrund I mit einer Investitionssumme von 1,2 Milliarden Euro und einer geplanten Leistung von 277 Megawatt haben die Vorbereitungen an Land bereits begonnen. Die Arbeiten auf See sollen nach Angaben der Sprecherin im Sommer 2013 starten. "Wir glauben weiterhin an den deutschen Offshore-Wind-Markt, deshalb bleibt Deutschland ein wesentlicher Teil unserer Strategie", erklärte Mertens.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Energieversorger: EnBW legt Nordsee-Windpark auf Eis"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%