Energieversorger
EnBW überdenkt Expansion ins Gas-Geschäft

Der Energieversorger EnBW hatte geplant, in das Gasgeschäft einzusteigen - doch nachdem Unternehmens-Chef Villis seinen Rückzug angekündigt hat, will der Aufsichtrat diese Strategie „ohne Zeitdruck neu zu bewerten“.
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StuttgartNachdem EnBW-Chef Hans-Peter Villis seinen Rückzug angekündigt hat, denkt der Aufsichtsrat nochmals über die geplante Expansion im Gas-Geschäft noch einmal nach: Das Kontrollgremium habe in seiner Sitzung am Donnerstag zwar das Gasgeschäft „als wichtigen Bestandteil der EnBW-Strategie“ bestätigt, es bestehe auch weiterhin ein „grundsätzliches Interesse“ an einer Zusammenarbeit mit dem Erdgas-Importeuer VNG, so der Energieversorger. Allerdings wurde eingeräumt: „Die wirtschaftlichen Voraussetzungen hierfür sind allerdings ohne Zeitdruck neu zu bewerten.“

EnBW ist bisher nur als Weiterverkäufer im Gas-Geschäft tätig und wollte in das als lukrativ erscheinende Importgeschäft einsteigen. Dazu erwarb der spätestens im kommenden Herbst ausscheidende Vorstandschef Villis vom norddeutschen Versorger EWE eine Option auf die Übernahme von Aktien am Gas-Importeur VNG mit Sitz in Leipzig. Die VNG-Gesellschafter blockieren aber bisher den Einstieg der Karlsruher, zudem haben sich die Rahmenbedingungen im Erdgas-Importgeschäft verschlechtert.

Mit EWE, an der EnBW mit 26 Prozent beteiligt ist, streiten sich die Karlsruher außerdem über mögliche Pflichten aus dem Optionsgeschäft: EWE will EnBW zwingen, die VNG-Anteile bis Ende dieses Jahres zu übernehmen. Dies könnte eine sofortige Abschreibung zur Folge haben und die ohnehin angespannte Finanzsituation bei EnBW verschärfen. Der scheidende EnBW-Chef Villis hat bei den staatlichen Großaktionären Baden-Württemberg und OEW einen Kapitalbedarf von rund 800 Millionen Euro angemeldet, die Investitionen gekürzt und ein Sparprogramm aufgelegt, mit dem die Kosten um jährlich 750 Millionen Euro sinken sollen.

Der Aufsichtsrat bestellte zwei Vorstände erneut, die damit als Nachfolger für Villis aus dem Rennen sind. Der Vertrag von Arbeitsdirektor Bernhard Beck wurde mit Wirkung zum 1. Oktober 2012 um fünf Jahre verlängert. Zudem wurde Hans-Josef Zimmer mit Wirkung zum 1. Januar 2012 für fünf Jahre erneut als Technik-Vorstand bestellt. Mit den Bestellungen von Beck und Zimmer sei „ein Zeichen der Kontinuität“ gesetzt worden, sagte Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann.

Einen neuen Vorstandsvorsitzenden wolle der Aufsichtsrat außerhalb des Unternehmens suchen. Zimmer war bereits in den Jahren 2007 bis 2010 auf diesem Posten tätig. Er hatte sein Mandat aber freiwillig niedergelegt, um eine Prüfung von Geschäften mit Partnern in Russland zu ermöglichen. Die Russen hatten unter anderem Atom-Brennstoffe liefern und Dienstleistungen beim Rückbau des Atomkraftwerks Obrigheim erbringen sollen. Da dies nicht geschah, hatte EnBW 2009 rund 130 Millionen Euro abgeschrieben. Die Prüfung und Bewertung dieser Sachverhalte sei nunmehr abgeschlossen, teilte der Aufsichtsrat am Freitag mit.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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