Energieversorger
EnBW verliert Einfluss bei EVN

Zwischen dem baden-württembergischen Energieversorger EnBW und der österreichischen Energie Versorgung Niederösterreich (EVN) deutet sich ein erneuter Konflikt an. Wie ein Sprecher dem Handelsblatt bestätigte, wird der ehemalige Generalbevollmächtigte der EnBW, Amir Ghoreishi, bis auf weiteres im Aufsichtsrat der EVN bleiben, obwohl er bereits seit dem 15. November von der EnBW freigestellt ist.

DÜSSELDORF. Hintergrund ist ein stets schwieriges Verhältnis zwischen der EnBW und der EVN. Die Deutschen hatten ihre Beteiligung 2005 von zehn auf 25 Prozent aufgestockt und sich eine größere Mitsprache ausgebeten. Der EVN -Vorstand allerdings wies dies zurück und die EnBW konnte lange Zeit nicht einmal einen eigenen Vertreter im Aufsichtsrat der EVN durchsetzen. Erst nachdem die Deutschen ihre Anteile auf 36 Prozent aufstockten, konnte sich die EVN wegen entsprechender Bestimmungen im österreichischen Aktienrecht nicht länger sperren und musste zulassen, dass die EnBW seit 2006 mit Amir Ghoreishi einen Vertreter im Kontrollgremium hat.

Ghoreishi hinterließ in seiner Amtszeit einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits reagiert die österreichische Politik seit jeher allergisch auf fremde Einflüsse auf ihre Energieversorgung. Zudem gilt Ghoreishi menschlich als schwierig. Andererseits zeigte er sich den Österreichern gegenüber als harmlos. Ende 2004 war er dafür verantwortlich, dass die EnBW ihre gut sechsprozentige Beteiligung an der Österreichischen Elektrizitätswirtschafts-AG ("Verbund“) verkaufte. "Jeder, der sich auch nur flüchtig mit dem Strommarkt beschäftigt, wusste, dass dies der schlechteste Zeitpunkt für einen Verkauf war“, sagt ein EnBW -Insider. 2005 startete der Kohlendioxid-Zertifikatehandel, der wegen der Ausrichtung des Verbunds auf Wasserkraft einen stark positiven Einfluss auf dessen Aktien hatten. Tatsächlich stieg ihr Wert dramatisch – der Ghoreishi-Verkauf kostete die EnBW rund 500 Mill. Euro.

Ghoreishi, der seit zehn Tagen von seinen Aufgaben entbunden ist und die EnBW Ende 2007 verlässt, galt als rechte Hand des Vorstandschefs Utz Claassen, der bereits im September ging. Doch obwohl Ghoreishi damit ab 2008 praktisch von der EnBW abgeschnitten ist, kann diese ihn nicht zur Aufgabe seines Aufsichtsratsmandates zwingen. Ghoreishi ist bis 2010 gewählt – die EnBW hat kein Abwahlrecht.

Als freischwebender einzelner Aufsichtsrat ist Ghoreishi der österreichischen Seite sehr viel lieber als in seiner früheren Funktion, vermuten nun EVN -Beobachter. Eine EVN -Sprecherin bezeichnete die Personalie gestern als "heikles Thema“, wollte aber keine Details nennen. Ghoreishi selbst war nicht zu erreichen. Laut EnBW -Insidern soll er selbst durchaus interessiert sein, das Amt fortzuführen – er ist in Österreich geboren und hat dort seinen Wohnsitz. Die EnBW hätte bei dieser Lösung allerdings erheblich und langfristig Einfluss an einem Unternehmen verloren, bei dem sie 36 Prozent der Anteile hält.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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