Energieversorger
Eon und Bernotat schwächeln

Eon-Chef Wulf Bernotat wirkt angeschlagen. Der einst makellose Ruf von Deutschlands größtem Energiekonzern geht dahin, und der Abstand zu dem Erzrivalen RWE schrumpft.

DÜSSELDORF. Der Mann am Rednerpult bringt sich in Position. Er stützt seine Arme auf, schaut entschlossen in die Menge, holt tief Luft. Gleich wird er einen Giftpfeil abschießen. "Meine Damen und Herren, ich weiß nicht, ob Sie es schon bemerkt haben, aber es ist endlich so weit: Wir haben unseren roten Bruder in Düsseldorf überholt", sagt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Wir, das sind die Aktionäre von RWE, dem Essener Energiekonzern, der seinen jahrelangen Abwärtstrend endlich umkehrte, der wieder Marktanteile und Kunden gewinnt. Das feiern die Anteilseigner an diesem April-Tag bei ihrer Hauptversammlung in der Essener Gruga-Halle, die in ihrer Farbe, in Blau strahlt.

Der rote Bruder in Düsseldorf, das ist der Erzrivale Eon, der stets größere, kapitalstärkere und dynamischere Konkurrent, die Nummer eins der Branche.

"Unsere Dividende ist besser", ruft Tüngler in die Menge, "und die Kursentwicklung auch." Die RWE-Aktionäre applaudieren ihrem Wortführer lange und kräftig.

Tünglers Worte treffen ins Schwarze. Eon, der Konzern, der für Hohn und Spott lange Zeit nicht taugte, bietet neuerdings Angriffsflächen - und nicht zu wenig. Das erfolgsverwöhnte Unternehmen hat Probleme. Und darauf reitet nicht nur die Konkurrenz herum. Das sorgt vor allem unter den eigenen Aktionären für Unmut.

Das werden sie Eon-Chef Wulf Bernotat bei der Hauptversammlung am Mittwoch auch spüren lassen. In der Gruga-Halle, in der vor zwei Wochen noch das RWE-Blau dominierte, könnte es für Bernotat unangenehm werden.

Dabei sieht seine Bilanz auf den ersten Blick gut aus. Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz um 26 Prozent auf 87 Milliarden Euro - damit ist Eon unter Europas Versorgern mit Abstand die Nummer eins. Der Gewinn stieg vor Zinsen und Steuern um sieben Prozent auf einen Rekordwert von fast zehn Milliarden Euro.

Aber der Riese zeigt Schwächen, und die sind nicht zu übersehen: Abschreibungen, Gewinnwarnung, steigende Schulden und drohende Kartellstrafen machen den Aktionären zu schaffen. In erster Linie ist es aber der Aktienkurs, der ihnen Sorgen bereitet. Der ist seit der letzten Hauptversammlung um 40 Prozent abgesackt. Zugegeben, auch die RWE-Aktie hat unter der Finanzkrise gelitten, aber lange nicht so dramatisch.

All das sind die Aktionäre von ihrer Eon AG nicht gewohnt, wurden sie doch bislang mit kräftigen Kursgewinnen und üppigen Dividenden verwöhnt.

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