Energieversorger
Gashändlern fehlt ihr Handelsgut

Der unabhängige Gashändler Natgas rechnet nicht mit einer schnellen Öffnung des Gasmarktes. Das Vorgehen von Kartellamtspräsident Ulf Böge gegen langfristige Exklusivverträge sei zwar ein wichtiger Schritt, viele andere müssten aber noch folgen, sagte Vorstandschef Jörg Bauth dem Handelsblatt.

POTSDAM. „Was Böge macht, ist absolut richtig, es fehlt aber auch an freien Gasmengen für neue Anbieter und Kapazitäten beim Transport des Gases“, so Bauth. Zudem müsse die Verflechtung zwischen Stadtwerken und den etablierten Gaskonzernen aufgebrochen werden.

Kartellamtschef Böge geht gerade gegen die langfristigen und weitgehend exklusiven Lieferverträge vor, mit denen große Ferngasgesellschaften wie Eon Ruhrgas Kommunalversorger zum Teil mehr als 15 Jahre lang an sich gebunden haben. Er sieht darin eine Marktverschließung und hat den großen Gashändlern ein Ultimatum gestellt: Wenn sie bis zum 21. September nicht einen Kompromissvorschlag für neue Richtlinien akzeptieren, will er kartellrechtlich vorgehen.

Die Natgas AG ist einer der wenigen neuen Händler, die sich am deutschen Gasmarkt halten. Die großen Importeure wie Eon Ruhrgas, Wingas oder RWE beherrschen nach wie vor den Markt. Neue Wettbewerber, selbst die Töchter großer ausländischer Konzerne wie BP, erreichen kaum einen nennenswerten Marktanteil.

Auch Natgas ist nur ein Nischenanbieter, der kleine und mittelständische Gewerbe- und Industriebetriebe bedient. Das Unternehmen aus Potsdam, das vor fünf Jahren von mittelständischen Mineralöl- und Brennstoffhändlern gegründet wurde, wird dieses Jahr 60 Kunden beliefern, rund 80 Mill. Euro umsetzen und im kommenden Jahr die Gewinnschwelle überschreiten. Stadtwerke zählt das Unternehmen zwar auch zu seinen Kunden, allerdings nur eine Hand voll.

„Wir sind ein Nischenspieler, der aus dem Mittelstand kommt und Mittelständler beliefert“, sagt Bauth. In dieser Nische könne Natgas derzeit zwar erfolgreich arbeiten, bei größeren Handelsmengen gebe es aber Hemmnisse. Und die würden durch Böges Vorstoß nur zum Teil behoben. Nur wenn sich an mehreren Stellen etwas bewege, könne der Wettbewerb in Schwung kommen. Die Hoffnung auf sinkende Preise sei deshalb unbegründet.

Andere Gashändler teilen diese Auffassung. „Es sind weitere Schritte nötig, damit der Markt in Schwung kommt“, sagt etwa Sven Becker von der Aachener Trianel AG. Bisher sei der Markt praktisch abgeschottet. „Böge zieht die Notbremse“, sagt Paul van Son, Geschäftsführer der Deutschen Essent GmbH. Mit dem Aufbrechen der Langfristverträge könne die Nachfrage stimuliert werden. Danach müssten aber weitere Hürden beseitigt werden, um die Chancengleichheit der Anbieter zu erhöhen.

Es fehle in Deutschland vor allem an freien Gasmengen, mit denen die Händler überhaupt handeln könnten, erläutert Natgas-Chef Bauth: „Von den inländischen Importeuren können wir derzeit kein Gas kaufen. Das Gas mit dem wir handeln, müssen wir uns im Ausland besorgen – etwa bei Nordseeproduzenten.“ Solange es nur um kleine Mengen gehe, sei das möglich. Wenn Böges Initiative greifen soll, bräuchten die neuen Anbieter aber große Mengen.

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