Energieversorger
MVV erleidet nach Investitionen Gewinnrückgang

Die Ausweitung der Investments in erneuerbare Energien haben beim Mannheimer Energieversorger MVV zu einer Delle bei den Gewinnen geführt. Allerdings erwartet das Unternehmen einen Rekordumsatz.
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FrankfurtDer Energieversorger MVV hat für den Ausbau erneuerbarer Energiequellen einen Gewinnrückgang im vergangenen Geschäftsjahr hingenommen. Das bereinigte operative Ergebnis sei per Ende September um acht Prozent auf 223 Millionen Euro gesunken, teilte das Unternehmen am Dienstag in Frankfurt mit. Der Umsatz sei hingegen um acht Prozent auf ein neues Rekordhoch von 3,9 Milliarden Euro gestiegen. MVV setzt vor allem auf den Ausbau von Windparks im Landesinneren. Vergangene Woche hatte das Mannheimer Unternehmen bekannt gegeben, vom spanischen Energiekonzern Iberdrola sieben Anlagen in Deutschland übernommen zu haben. MVV verdoppelte damit seine Kapazitäten auf 136 Megawatt, was angesichts der vielen dezentralen kleineren Anlagen in dieser Sparte ein beachtliches Volumen ist.

"Wir wollen da in andere Größenordnungen kommen", sagte Vorstandschef Georg Müller, ging aber nicht auf konkrete Projekte ein. Kritisch bewertete Müller, dass sich die Politik zu sehr auf die Förderung von Windparks im offenen Meer konzentriere. Die Anlagen vor den norddeutschen Küsten seien bislang eher ein Forschungsprojekt als ein Geschäftsmodell. Das jetzige Konzept für den Netzausbau gehe davon aus, dass viel Windstrom aus Norddeutschland in den Süden fließen müsse. Doch sei noch völlig ungeklärt, in welchem Umfang dies notwendig sei. Offshore-Windparks seien vielleicht dabei, die zweite Photovoltaik zu werden, die in Deutschland inzwischen als zu hoch finanziell gefördert gilt. Die von MVV bevorzugte Windstromerzeugung an Land sei dagegen näher an den Verbrauchern und benötige geringere Übertragungsnetz-Kapazitäten.

MVV hatte vor drei Jahren beschlossen, bis 2020 drei Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energiequellen zu stecken. Davon seien schon jetzt 1,9 Milliarden Euro umgesetzt oder beschlossen. Müller erklärte dazu, die noch ausstehende Summe von gut einer Milliarde Euro sei noch nicht verplant. Der sechstgrößte deutsche Stromversorger will die Investitionen auch nicht aufstocken, obwohl das Geld zum Großteil schon ausgegeben ist. Entscheidend sei, was der Konzern selbst finanzieren können, sagte Müller. "Deshalb würde ich heute streng bei den drei Milliarden bleiben wollen."

Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhte das Unternehmen die Investitionen insgesamt um 16 Prozent auf 287 Millionen Euro. Neben höheren Investitionen dämpften Sonderfaktoren den Gewinn. So habe ein Turbinenschaden im Gemeinschaftskraftwerk Kiel das Ergebnis um zehn Millionen Euro verringert, erklärte der Stadtwerke-Verbund. Auch habe der milde Winter die Erlöse bei Fernwärme und Gas gedrückt.

Für das kommende Jahr erwarten die Mannheimer, den Umsatz zu steigern und eine neue Rekordmarke zu erreichen. Doch bei der Ergebnisprognose blieb der Vorstand vorsichtig und nahm sich ein bereinigtes Ebit von 220 Millionen Euro vor. Die Aktionäre können für das vergangene Geschäftsjahr mit einer Dividende von 90 Cent je Aktie rechnen. Die Ausschüttungsquote läge damit bei etwa 75 Prozent. Nach den Worten Müllers ist das eine angemessene Beteiligung der Anteilseigner am Ergebnis. Die Ausschüttung zehre nicht an der Substanz des Unternehmens.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Was hilft ein gesteigerter Umsatz, wenn es auf Kosten des Gewinn geht. Auf Dauer fähre eine Wirtschaftstrategie, die auf Umsatzsteigerung ohne Gewinn setzt, zwangsläufig in die Insolvenz.
    MVV wird in Zukunft seine Preise erhöhen müssen oder die Kosten senken. Entweder die Personlakosten oder die Investitionskosten in die Erneuerbaren Energien. Den Energieversorgern, die im ökologischen Energieplanwirtschaftspiel mitspielen stehen harte marktwirtschafltiche Jahre bevor. Sehr viele werden in Zukunft daran pleite gehen oder Sie bekommen noch rechtzeitig die Kurve.
    In der freien Wirtschaft hat Siemens,Bosch,WacherChemie u.a. schon die Ereneuerbare Energiereißleine gezogen. Solarsparten werden eingestampft und das Windmühlengeschäft zurückgefahren. Es wird sich wieder auf die marktfähigen Kernprodukte der Unternehmen konzentriert!
    Tschüss "neue-schöne" Öko-Albtraum-Welt!!!

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