Energieversorger: Ökostrom soll einen Herkunftsnachweis bekommen

Energieversorger
Ökostrom soll einen Herkunftsnachweis bekommen

Ein Bündnis aus Energieversorgern will verhindern, dass Ökostrom weiterhin über die Strombörsen mit herkömmlichem Strom vermischt wird. Sie fordern einen Herkunftsnachweis für saubere Energie.
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BerlinEin gutes Viertel des in Deutschland verbrauchten Stroms stammt aus erneuerbaren Quellen. Doch der Strom, der beim Endverbraucher aus der Steckdose kommt, ist stets ein Mischprodukt aus Strom mit ganz verschiedenen Quellen. Das soll sich ändern: Ein Bündnis mehrerer Energieversorger und Verbände fordert die Bundesregierung auf, die direkte Vermarktung von Ökostrom bis zum Endkunden zu ermöglichen.

Minister Gabriel müsse nun endlich ein Modell entwickeln, „das es Verbrauchern ermöglicht, direkt Ökostrom aus konkreten Anlagen zu beziehen“, erklärten die Unternehmen Clean Energy Sourcing, EWS Schönau, Greenpeace Energy, MVV Energie und Naturstrom auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin.

Verbraucher, die heute Ökostrom-Verträge mit einem Energieversorger abgeschlossen haben, bezahlen damit in der Regel grünen Strom aus dem Ausland, also etwa Strom aus skandinavischen Wasserkraftwerken. Ökostrom aus Deutschland dagegen wird über die Strombörse vermarktet, mit Strom aus anderen Quellen vermischt und verwertet. Aus „Grünstrom“ wird so „Graustrom“. Für Privatverbraucher ist es im Moment nicht möglich, etwa gezielt Strom aus einem bestimmten Windpark zu beziehen.

„Der wertvolle Strom aus Windkraft- und Solaranlagen darf nicht an der Börse verramscht werden, sondern muss ohne Umwege an Kunden geliefert werden können“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy Die Unternehmen halten mit einem alternativen Vermarktungsmodell dagegen und fordern die Einführung des von ihnen entwickelten „Grünstrom-Markt-Modells“ (GMM). Dieses sieht direkte Lieferbeziehungen zwischen Ökostrom-Anlagen, Versorgern und Kunden vor, ohne EEG-System und Strombörse zu nutzen. Der Vorteil: Der Verbraucher kann klar erkennen, dass er mit echtem Grünstrom aus konkreten Anlagen beliefert wird.

Inzwischen unterstützen rund 30 Unternehmen und Verbände das Modell, das zudem quer durch alle Bundestagsfraktionen zahlreiche Befürworter findet. Die Unternehmen erhoffen sich ein gutes Geschäft, wenn sie Strom mit exaktem „Herkunftsnachweis“ verkaufen können. Zudem soll so die Akzeptanz für Windparks und Photovoltaikanlagen erhöht werden.

Die Hoffnung ist nicht aus der Luft gegriffen. Das Energiewende-Barometer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen Interesse an deutschem Grünstrom haben. Ein Drittel der Unternehmen, die vom DIHK für das Energiewende-Barometer befragt wurden, ist bereit, für zertifizierten Strom aus erneuerbaren Quellen in Deutschland mehr zu bezahlen als für Graustrom.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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