Industrie

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Energieversorger: RWE überraschend tief in den roten Zahlen

exklusivNach Handelsblatt-Informationen wird RWE-Chef Peter Terium am kommenden Dienstag einen Nettoverlust von knapp drei Milliarden Euro verkünden – weitaus mehr als erwartet. Die Situation wird immer schlimmer.

RWE-Chef Peter Terium hat schlechte Nachrichten: Der Fehlbetrag im Jahr 2013 fällt noch höher aus als befürchtet. Quelle: AP
RWE-Chef Peter Terium hat schlechte Nachrichten: Der Fehlbetrag im Jahr 2013 fällt noch höher aus als befürchtet. Quelle: AP

Düsseldorf/EssenDer Essener Stromriese RWE ist nach Informationen des Handelsblatts im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht: Der Energiekonzern hat unter dem Strich einen Nettoverlust von knapp drei Milliarden Euro verbucht, berichtet die digitale Tageszeitung „Handelsblatt Live“ am Donnerstag unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Der Fehlbetrag fällt damit viel höher aus als zunächst erwartet. Zuletzt war über einen Verlust von einer Milliarde Euro spekuliert worden.

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RWE-Finanzvorstand Bernhard Günther hatte dem Aufsichtsrat am Mittwoch die Bilanz für das Geschäftsjahr 2013 präsentiert. Eine Sprecherin des Unternehmens wollte sich nicht zu den Informationen äußern. Erst am kommenden Dienstag wird Vorstandschef Peter Terium die Bilanz der Öffentlichkeit vorstellen.

Ursächlich für den nun zu Buche stehenden Verlust von fast drei Milliarden Euro sind Wertberichtigungen in Höhe von insgesamt 4,8 Milliarden Euro. RWE musste vor allem den Wert seiner konventionellen Kraftwerke stark nach unten korrigieren, die wegen des Booms der erneuerbaren Energien immer seltener am Netz sind.

Der Milliardenverlust von RWE übertrifft alle Befürchtungen, der Energieriese steckt in einer tiefen Krise. Konzernchef Peter Terium muss umsteuern, aber dazu fehlt das Geld – und die Lage wird sich noch verschlimmern.

Bereits die bisher vorgelegten Zahlen der abgelaufenen Quartale machten wenig Hoffnung auf positive Nachrichten bei der Bilanz. Unter dem Strich brach das Ergebnis von Januar bis Ende September um mehr als zwei Drittel auf 609 Millionen Euro ein, im dritten Quartal machte das Unternehmen sogar einen Verlust von 370 Millionen Euro.

Ebenso wie seine Konkurrenten hat RWE bereits zahlreiche konventionelle Kraftwerke abgeschaltet oder ist noch im Begriff, dies zu tun. Der Betrieb von Gas- oder Kohlekraftwerken lohnt sich immer weniger. Der Grund: Wegen zeitweise hoher Überkapazitäten im Strommarkt sind die Preise an der Börse stark gefallen. Hinzu kommt, dass die Betreiber konventioneller Kraftwerke diese immer seltener anschalten. Die Kraftwerke kommen also oft nicht auf die Betriebszeiten, die für einen rentablen Betrieb nötig wären.

RWE befindet sich bereits seit längerem auf Sparkurs. Erst Anfang der Woche teilte das Unternehmen mit, dass RWE-Chef Peter Terium und seine Vorstandskollegen für das Jahr 2014 auf 500.000 Euro ihrer Gehälter verzichten. Zuvor mussten bereits die unteren Ebenen, sowie die Aktienbesitzer die schlechte Lage des Unternehmens ausbaden.

RWE-Anteilseigner sollen für das abgelaufene Geschäftsjahr nur noch einen Euro je Aktie bekommen – halb so viel wie ein Jahr zuvor. Auch seinen leitenden Angestellten und den übertariflich Beschäftigten hat Terium bereits eine Nullrunde verordnet.

„Handelsblatt Live“ ist eine dreimal täglich aktualisierte Digitalzeitung, die über eine App für iPad und Android verbreitet wird. Alle Hintergründe zum Milliarden-Verlust von RWE lesen Sie in unserer digitalen Tageszeitung.

  • 28.02.2014, 16:09 UhrIdeologiefeind


    @ingbert und graintrader

    Sie haben mit Ihren Kommentaren schon recht-ich erlaube mir aber noch 2 Anmerkungen:
    "In jedem Großunternehmen gibt es Planungsabteilungen, die zukünftige Entwicklungen vorplanen und Strategien entwickeln. Nicht so bei den Energieversorgern"
    Auch in der Politik hätte man hochrechnen können wie hoch die EEG Umlage bei den gesteckten Zielen werden wird. Hätte man das gemacht, wäre sicher die Erkenntnis gereift, dass genauso wie bei allen anderen Energiequellen Steuermittel zusätzlich von Nöten sind.
    Und zum Wegfall der industriellen Arbeitsplätze: mehr Arbeitsplätze sind im Bereich der alternativen Energien geschaffen worden- nicht bei den Solarpaneelherstellern, sondern bei den Montagefirmen und Zulieferern. Aber eins ist zu bemängeln: Aufgrund des menschlichen Egoismus nehmen zu wenig Staaten die Tatsache ernst, dass irgendwann die fossilen und atomaren Energieträger zu Ende sind. Solang wird man in Peking mit Gasmaske rumrennen...Aber den homo sapiens soll es doch mindestens nochmal 5000 Jahre geben


  • 28.02.2014, 13:16 Uhringbert

    Und was machen wir wenn in 60 Jahren (oder weniger, bei dem rasanten Ausbau in China) die Uran-Reserven weg sind?
    Ach ja, vorher steigt noch der Preis. Weg ist der billige Atomstrom...Die Ignoranz der Atomstrombefürworter ist unbeschreiblich...

  • 28.02.2014, 13:11 Uhringbert

    Danke graintrader, schöner Kommentar.

    Mich regt es auf, mit welch Unverstand und welcher Ignoranz immer über die Energiewende geredet wird.
    Zugegebenermaßen wird sie schlecht gemanaget, aber das ist behebbar. Aber grundsätzlich ist die Energiewende das beste was Deutschland langfristig passieren kann.

    Ja, es fallen kurzfristig Arbeitsplätze weg. So ist das aber mit neuen Technologien und Vorsprung durch Innovation, die alte Industrien verändern. Wenn wir das nicht hätten, sondern immer nur auf die Arbeitsplätze schauen, würden wir heute noch Eiswürfel die per Hand im Winter aus zugefrorenen kanadischen Seen gehackt und dann mit Schiffen nach Europa transportiert werden (wobei 50% schmelzen) benutzen. Tun wir nicht. Warum? Weil es bessere Methoden gibt. Und da müssen die kanadischen Eishacker halt durch. Genau wie die Angestellten von RWE und Co. wenn das Management es nicht gebacken kriegt, angemessen auf die Veränderungen durch die Energiewirtschaft zu reagieren.

    Ja, die Preise steigen, aber ausschließlich durch Missmanagement der damaligen Regierung/en, die die massiven Subventionen beschlossen haben als sie die Einschätzung der Preis- und Leistungsentwicklung von PV-Zellen unterschätzt haben. Jetzt wird hoffentlich gegengesteuert.
    Und die Erzeugerpreise? Auf dem niedrigsten Stand aller Zeiten. Deshalb lohnen sich ja auch die alten Kraftwerke nicht mehr. Zusammenhang ist doch offensichtlich...
    Mittel- bis langfristig sinkt der Strompreis wieder. Im Moment muss man da halt durch.

    Da ja immer die billigen und CO2-neutralen AKWs genannt werden: das glaubt ihr doch selbst nicht, oder? CO2-neutral? Weil bei der Aufreinigung von Uran von wenigen Promill auf fast 100% in Ultrazentrifugen keine Energie verbraucht wird? Ganzheitliche Betrachtung ist das Stichwort. Und da liegen AKWs gleichauf mit Solaranlagen, aber hinter Windkraft. Und was immer alle vergessen: Uran ist kein unendlicher Rohstoff. Im Gegenteil: Wir haben so noch 60 Jahre Reserven vor uns... Und dann?

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