Energieversorger
RWE und Eon stoßen britische AKW-Firma ab

RWE und Eon wollen ihre britische AKW-Firma Horizon verkaufen. Die deutschen Energieriesen könnten mehrere hundert Millionen Euro kassieren. Ein Interessent ist bekannt.
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DüsseldorfEin halbes Jahr nach dem angekündigten Ausstieg aus dem Bau neuer Atomkraftwerke in Großbritannien wollen RWE und Eon ihre AKW-Firma Horizon abstoßen. "Die Gespräche sind weit fortgeschritten", sagte eine RWE-Sprecherin am Donnerstag. "Wir können dazu voraussichtlich in den kommenden Tagen mehr sagen." Eon wollte sich nicht dazu äußern. Der japanische Industriekonzern Hitachi bestätigte, weiter im Rennen um den Erwerb des AKW-Konsortiums zu sein. Es gebe aber noch keine Entscheidung.

In Kreisen des Konsortiums werden Hitachi gute Chancen eingeräumt. Die deutschen Energieriesen könnten Analysten zufolge zusammen bis zu 500 Millionen Euro für die Firma kassieren. Trotz dieser Einnahmen könnte RWE länger für seine milliardenschweren Beteiligungsverkäufe benötigen, wie Vorstandschef Peter Terium der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

RWE und Eon hatten ursprünglich große AKW-Pläne in Großbritannien. Zwei Jahre vor der Zeitenwende durch die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hatten sie 2009 angekündigt, bis 2025 mehrere neue Kernkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 6000 Megawatt hochzuziehen. Sage und schreibe 15 Milliarden Pfund (rund 18 Milliarden Euro) wollten sie dafür hinblättern.

Inzwischen lasten auf den Konzernen Schulden, die teilweise mehr als doppelt so hoch sind. Der Bau neuer Atomkraftwerke verschlinge Milliardensummen, dauere viele Jahre und lohne sich bei den gegenwärtigen Strompreisen nicht, sagen sie nun. Für die Baugrundstücke haben RWE und Eon jeweils rund 250 Millionen Euro bezahlt.

Hitachi hat sich bei seiner Offerte für Horizon Nuclear Power nach Angaben aus Branchenkreisen mit dem kanadischen Unternehmen SNC-Lavalin zusammengeschlossen. Ein weiteres Gebot hätten der Technologiekonzern Westinghouse Electric und dessen japanische Mutter Toshiba eingereicht. Anfang Oktober waren der französische Atomkonzern Areva und sein Partner China Guangdong Nuclear Power Holding aus dem Rennen ausgestiegen. Die britische Regierung will in den kommenden Jahren die Atomenergie deutlich ausbauen und damit alte Kraftwerke ersetzen.

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Letzter größerer Deal für RWE

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  • Der Neubau von Kernkraftwerken erfordert in Europa* enorme Investitionen. Die Betriebskosten sind dagegen, von Wasserkraftwerken abgesehen, unschlagbar günstig.

    Damit sind die wesentlichen Faktoren die diese Wirtschaftlichkeit beeinflussen die langfristigen Zinsen, die Abschreibungsdauer und die Auslastung, bzw. Anzahl der Vollaststunden.

    Die Deutschen Versorger haben mit der "Energiewende", bzw. der entschädigungslosen Abschaltung der Kernkraftwerke viel Geld verloren und müssen die Investitionen begrenzen.

    In GB besteht neben dem Wunsch die umweltfreundliche Kernenergie auszubauen auch der Wunsch die Zahl der Windmühlen zu erhöhen. Windstrom wird gem. der Launen des Wetters erzeugt. Bei Starkwind müssen dann die modernen Wärmekraftwerke einschliesslich der Kernkraftwerke im Teillastbereich, oder Lastfolgebetrieb gefahren werden. Eine optimale Auslastung kann nicht erzielt werden. Die Kombination Wind und Kernenergie ist wirtschaftlich suboptimal.

    Vandale

    *Kernkraftwerke kosten in Europa nahezu das Doppelte verglichen mit China. Ein wesentlicher Grund ist dass man sich Politiker und Behörden seit Jahrzehnten damit beschäftigen immer neue Auflagen zu kreieren. Ein interessantes Beispiel sind die Erdbebenaufzeichnungsgeräte in Norddeutschen Kernkraftwerken.

  • In der Seefahrt sagt man: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.

    Wirtschaftlich hat Strom aus Kernenergie weltweit keine Zukunft; politisch auch nicht. Also weg mit dem Kram.

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