Energieversorger RWE
Vom Saulus zum Paulus

Im Vergleich zu seinen Konkurrenten steht RWE besser da und hebt die Jahresprognose leicht an. Doch Konzernchef Peter Terium weiß: Kaum eine Branche steht vor so großen Herausforderungen wie die Versorger. 
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DüsseldorfSchlechte Nachrichten wie zuvor Eon und EnBW musste RWE am Mittwoch nicht verkünden. Bereits im Vorfeld waren Analysten überzeugt, dass der Essener Energiekonzern seine Prognose zumindest halten und zudem ein Gewinnwachstum verkünden könne.

Und tatsächlich: Der Energiekonzern macht dank seiner Kohlekraftwerke in Europa ordentlich Kasse. Während die Auslastung der ökologisch zweifelhaften Meiler zugenommen hat, kostet der Betrieb wegen des Preisverfalls von Verschmutzungsrechten deutlich weniger. So gelang es dem Essener Versorger, seinen Nettogewinn in den ersten neun Monaten dieses Jahres um ein Drittel auf 1,9 Milliarden Euro zu steigern.

"Trotz schwieriger Rahmenbedingungen war 2012 bisher ein gutes Geschäftsjahr", freute sich Vorstandschef Peter Terium. Den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und das Betriebsergebnis will RWE 2012 nun mindestens auf dem Vorjahresniveau halten. Bisher hatte der Konzern die Formulierung "in etwa so hoch wie im Vorjahr" verwendet.

Am Aktienmarkt sorgte RWE mit seinem Ausblick für Erleichterung. Die Aktien legten zeitweise mehr als ein Prozent zu, während E.ON-Papiere ihre Talfahrt mit einem Minus von zwei Prozent fortsetzten. RWE habe bei seinen Erwartungen im Gegensatz zu Eon keinen Revisionsbedarf, schrieben die Experten der LBBW.

Mitbewerber Eon hatte erst am Dienstag seine Gewinnziele für 2013 nach unten korrigieren. Zuvor hatte die EnBW einen Umsatzrückgang im Bereich Erzeugung und Handel um mehr als ein Viertel mitgeteilt. Der schwedische Wettbewerber Vattenfall hatte vergangene Woche sogar einen Verlust melden müssen. Grund dafür sei jedoch nicht etwa das deutsche Geschäft gewesen, sondern Berichtigungen auf Werte in den Niederlanden.

Im Vergleich zu seinen Konkurrenten steht der zweitgrößte deutsche Energieversorger RWE somit besser da. So rät Analyst Benjamin Leyer von der Investmentbank BNP Paribas auch eher zum Kauf von RWE- als Eon-Aktien.

Das große Plus von RWE sind derzeit ausgerechnet die Kraftwerke, die von Umweltschützern wegen ihres Ausstoßes des klimaschädlichen Kohlendioxids besonders kritisiert werden - die Kohlemeiler. "Stark verbessert hat sich die Auslastung unserer Steinkohlekraftwerke", heißt es im Quartalsbericht. RWE habe zudem von der Inbetriebnahme des Braunkohlekraftwerks in Neurath bei Köln profitiert.

Doch der Essener Konzern vollzieht derzeit eine Kehrtwende wie kein zweiter Energieversorger, seit der Niederländer Peter Terium auf dem Chefsessel sitzt. „Wir werden nicht mehr in neue Kernkraftwerke investieren“, hatte er bereits vor seinem Amtsantritt im Juli gesagt. Sein Vorgänger Jürgen Großmann war da noch ganz anderer Meinung gewesen. Er machte aus seiner Skepsis gegenüber dem Atomausstieg keinen Hehl und fing sich dafür den Beinamen „Dinosaurier“ ein.

RWE sei mit Verspätung in das Geschäft mit grüner Energie gestartet, sagte Terium. „Aber jetzt holen wir auf. Unser Geschäft wird sich grundlegend ändern.“ Terium hat Wort gehalten. Bei dem Konzern tut sich einiges.

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  • @Inquisitor

    Da muss ich Sie leider enttäuschen.
    Der Begriff stammt aus dem Steinkohlebergbau
    in NRW und im Saarland weiß man das
    bedeutet einfach,dass noch zig-Jahre sogenannte Bergschäden eintreten werden.
    Die müssen beseitigt werden
    Deshalb wurde die "RWE-Stiftung" gegründet
    die bezahlen das.
    Und von denen stammt der Name
    man könnte sagen ein marktwirtschaftlicher Begriff

  • "zu zahlenden Ewigkeitskosten?"
    Der ideologiebehaftete Umgang mit den Themen "Atom" und "Klima" erinnert an mittelalterliche Drohungen mit dem Fegefeuer.

  • @freizeitblau

    Jederzeit,nur auf welcher Strompreisbasis.

    Den volkswirtschaftlich tatsächlichen unter der
    Einbeziehung von steuergezahlten Anlauf- und noch zu
    zahlenden Ewigkeitskosten?
    Mir sind die Gutachten beider Seiten bekannt und geläufig.
    Also keine aus dem Bauchbewertung.
    Ideologe bin ich schon gar nicht
    Schlichte Grundrechenarten,nicht mal höhere Mathematik.
    Man nehme einfach beide Statistiken

    Dann gerne.

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