Energieversorgung
Angriff der Kleinen

Früher war die Welt der Energieversorger übersichtlich: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW hatten Deutschland unter sich aufgeteilt. Doch mit der Energiewende kommt die Wende auf dem Markt: Kleine Stadtwerke machen mobil.
  • 14

KasselWenn die Sonne mittags hoch am Himmel steht, muss man auf dem Weg ins Tal nach Altenhasungen die Augen zukneifen. Zu viele Solarmodule auf den Dächern des kleinen Dorfes in der Mitte von Deutschland spiegeln das grelle Sonnenlicht wieder - da hilft auch eine schützende Brille wenig.

Auf dem Land war die Energiewende schon Thema, als Kanzlerin Angela Merkel noch nicht den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hatte. Dank üppiger Einspeisevergütungen hat sich in Dörfern wie Philippinenburg, Istha und Oelshausen bei Kassel in Nordhessen jeder, der es sich leisten konnte, längst ein paar Module auf sein Dach geschraubt. 

Die Energiewende kommt vor allem von unten, aus Dörfern wie Altenhasungen. Viele Mini-Kraftwerke auf Dächern und Feldern statt weniger großer Atommeiler – das ist die neue Richtung. Die kleinen Stadtwerke nutzen nun diesen Trend zur Dezentralisierung und greifen die großen Energieriesen an: Allein im vergangenen Jahr steigerten sie ihren Marktanteil von unter 10 auf fast 13 Prozent.

Rund 4400 Megawatt neue Stromerzeugungskapazität sind derzeit im Bau oder in Genehmigungsverfahren. Bis 2020 wollen die Stadtwerke einen Marktanteil von 20 Prozent haben. Möglich machen ihre Aufholjagd viele kleinteilige Lösungen und eine vielversprechende Technologie, die die zahlreichen Mini-Kraftwerke verbindet.

Die Stadtwerke sind derzeit im Vorteil gegenüber den vier großen Energieversorgern. „Die großen Versorger wurden von der Energiewende kalt erwischt“ sagt Josef Auer, Energieexperte bei Deutsche Bank Research zu Handelsblatt Online. RWE, Eon, Vattenfall und EnBW, die rund 80 Prozent des Strommarktes kontrollieren, müssen nun erst einmal ihre Wunden lecken. Der deutsche Marktführer RWE hat seinen Schaden durch die Energiewende in einer noch laufenden Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland auf acht Milliarden Euro beziffert. Insgesamt fordern die großen Versorger RWE, Eon und Vattenfall 15 Milliarden Schadensersatz dafür, dass sie ihre Atommeiler abschalten mussten.

Kommentare zu " Energieversorgung: Angriff der Kleinen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das dezentrale Modell ist erst nachhaltig wenn die Erneuerbaren beim wirtschaftlich notwendigen Stromverkaufspreis unter den bisherigen Strommix fallen, und zwar über Privat- und Industriekunden hinweg. Bis dahin bleibt das ganze subventionsabhängig, die "Rendite" des Bürgerwindrads für die Anteilseigner wird ja aus der EEG-Umlage bezahlt.

  • Das ist ja schoen, dass subventionierte, schwankende Energiequellen jetzt die stabilen Energiequellen auf dem Markt schlagen koennen.
    Wir sollten das auf die nahrungsmittelversorgung ausdehen: Jeder, der verfaultes Essen anbieten kann, bekommt dafuer Subventionen, damit die Hersteller essbarer Nahrungsmittel endlich besiegt werden.

  • Solche Projekte wie dieses in der Schweiz gibt es auch in Deutschland.
    http://www.energiegenossenschaft.ch/
    Nur als Anreiz für Leute, die nicht nur große Reden schwingen ;-)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%