Energieversorgung
Gazprom heizt Kampf ums Öl an

Weitere Runde im Kampf ums Öl: Gazprom-Chef Alexej Miller hat Libyen angeboten, sämtliches Öl und Gas des Landes aufzukaufen, das für den Export vorgesehen ist. Damit könnte die europäische Energieversorgung noch stärker unter Kontrolle des russischen Gaskonzerns geraten. Zugleich hat der französische Energiekonzern Total seine Investitionsplänen im Iran in Frage gestellt.

tia DÜSSELDORF. Gazprom-Chef Miller machte den Vorschlag der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge bei einem Besuch in Tripolis gegenüber Machthaber Muammar el Gaddafi. Libyen bewertete das Angebot positiv.

Im Jahr 2006 führte Afrikas drittgrößter Ölproduzent dem Bericht zufolge 1,53 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Liter) Öl pro Tag aus, eine Menge die fast ausreicht, um Italien komplett zu versorgen. Gazprom betrachtet das Land als wichtigsten Partner in Nordafrika und hat dort eine eigene Niederlassung eintragen lassen.

Bisher ist der italienische Versorger Eni mit 550 000 Barrel pro Tag der größte Importeur libyschen Öls. Sämtliche Verträge würden eingehalten, auch mit amerikanischen Partnern, versicherte Shokri Ghanem, Chairman der staatlichen libyschen Ölgesellschaft.

Der französische Ölkonzern Total will sich unterdessen nach den Worten seines Chefs Christophe de Margerie derzeit nicht im Iran engagieren. Investitionen seien nicht geplant, da das politische Risiko zu hoch sei, sagte Margerie der Zeitung "Financial Times" vom Donnerstag. "Die Leute würden sagen: "Total macht für Geld alles'", wurde der Manager zitiert. Das Unternehmen war der letzte größere westliche Energiekonzern, der ernsthaft erwogen hatte, in die großen Gasvorkommen des Iran zu investieren.

Eine Sprecherin betonte später jedoch, die Gespräche über ein Total-Engagement bei der Erschließung von Teilen des Gasfelds South Pars gingen weiter. Es sei nichts endgültig entschieden. Das Projekt werde noch überprüft. Derzeit sei eine Investition wegen des politischen Klimas aber nicht möglich,sagte die Sprecherin. „Es gibt Zeiten, in denen man nicht investieren kann, und derzeit wäre kein guter Moment für Investitionen.“ Der iranische Ölminister Gholamhossein Nosari betonte, sein Land werde die Erschließung von South Pars mit oder ohne Total fortsetzen.

Total hatte im Iran mit der staatlichen NIOC eine Absichtserklärung zur Weiterentwicklung des riesigen South-Pars-Gasfeldes unterzeichnet, betrachtet die Erschließung jetzt als "politisch zu riskant". Im Mai betonte der französische Konzern noch sein Interesse an dem Projekt und auch die Islamische Republik drängt auf verbindliche Zusagen. Die Regierung in Paris sprach sich jedoch gegen die Zusammenarbeit aus. Hintergrund ist der Atomstreit mit dem Iran, der noch immer nicht beigelegt ist. Die internationale Staatengemeinschaft verdächtigt Teheran, den Bau einer Atombombe anzustreben, und hat das Land mit Sanktionen belegt.

Analysten sagten der Zeitung, der Entschluss von Total sei ein schwerer Rückschlag für die iranische Energieindustrie.

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