Energiewende Klagen könnten AKW-Rückbau verzögern

Weil die Energiekonzerne auf Schadenersatz klagen, könnte der Rückbau von stillgelegten Kernkraftwerken in Deutschland ins Stocken geraten. Eon kündigt an, den Rückbau erst nach einer Gerichtsentscheidung durchzuführen.
22 Kommentare
Das Kernkraftwerk Isar nahe dem niederbayerischen Landshut: der Rückbau könnte sich verzögern. Quelle: dpa

Das Kernkraftwerk Isar nahe dem niederbayerischen Landshut: der Rückbau könnte sich verzögern.

(Foto: dpa)

BerlinDer Rückbau von stillgelegten Atomkraftwerken in Deutschland könnte wegen der Schadensersatzforderungen der Energiekonzerne zu einer Hängepartie werden. Der größte deutsche Energiekonzern Eon will den Rückbau seiner stillgelegten Anlagen Unterweser (Niedersachsen) und Isar 1 (Bayern) auch vom Ausgang der Verfassungsklage abhängig machen, die wegen der von der Regierung verfügten Zwangsabschaltung eingereicht wurde. „Um unsere Rechtsposition in diesem Verfahren zu wahren, können endgültige Rückbauarbeiten erst nach einer gerichtlichen Entscheidung erfolgen“, sagte ein Eon-Sprecher.

In Energiekreisen hieß es, die Haltung bedeute nicht, dass auf ein Wiederanfahren der Anlagen gehofft werde. Experten betonten, dass bei einem raschen, kompletten Rückbau der Meiler die eigene Rechtsposition bei den Klagen geschwächt werden könnte. Umstritten ist aber, ob bereits mit dem bloßen Antrag für den Rückbau eine Schwächung verbunden wäre, also die Meiler formal aufgegeben werden. Das Rechtsverfahren könnte sich über mehrere Jahre hinziehen.

Bisher gibt es für die acht nach der Katastrophe von Fukushima 2011 stillgelegten Meiler noch keine Anträge für den Rückbau - dieser dürfte so oder so mehr als zehn Jahre dauern. Der Eon-Sprecher betonte, man strebe den direkten Rückbau von Isar 1 und Unterweser an. In Kürze würden die Genehmigungsanträge gestellt. Man halte parallel aber an der Verfassungsbeschwerde fest. „Nach unserer Auffassung ist der Entzug der Berechtigung zum Leistungsbetrieb für die Kernkraftwerke Isar 1 und Unterweser ohne eine entsprechende Entschädigung rechtswidrig.“

Eine Vattenfall-Sprecherin sagte, über eine Klage des schwedischen Unternehmens gegen die Stilllegung von Krümmel und Brunsbüttel sei noch nicht entschieden. Zunächst solle eine gütliche Einigung mit der Regierung über Entschädigungszahlungen angestrebt werden. Klappt dies nicht, könnte das Schiedsgericht für Investitionsstreitigkeiten in Washington angerufen werden.

RWE hatte laut einer Sprecherin am 9. Februar Verfassungsklage eingereicht. „Fakt ist, wir haben noch nicht entschieden, wie wir den Rückbau machen wollen“, betonte sie. Nur das baden-württembergische Unternehmen EnBW droht bisher nicht mit dem Klageweg - das grün-rot regierte Land ist mit 45 Prozent beteiligt.

Riesen-Projekt Offshore-Trafos

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Energiewende - Atom-Klagen der Konzerne könnten AKW-Rückbau verzögern

22 Kommentare zu "Energiewende: Atom-Klagen der Konzerne könnten AKW-Rückbau verzögern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Vandale:

    Die von Ihnen genannte Investitionsruine Mülheim-Kärlich hat 1987umgerechnet 3.5 Mrd. EUR gekostet, was inflationsbereinigt etwa den vor mir genannten 5 Mrd. EUR/GW entspricht.
    Mülheim-Kärlich war jedoch aufgrund von Fehlplanungen und ungeklärten Rechtsverhältnissen gerade einmal EIN Jahr in der Lage Elektrizität zu erzeugen. Ein sehr gut von Ihnen gewähltes Beispiel, das zeigt, wie sinnvoll nukleare Stromerzeugung ist - nähmlich garnicht.

    Die von Ihnen angesprochenen 725 Mio. EUR beschreiben die seit dem Beginn des Abbruchs im Jahr 1998 ausgegebene Summe, die somit inflationsbereinigt etwa 1 Mrd. EUR in 2012 entspricht. Jedoch sind damit bisher nur einige Nebengebäude und Infrastruktur rückgebucht worden. Der eigentliche Reaktor und Kühlturm sind noch vorhanden. Gerade die Entsorgung dieses radioaktiv verseuchten Teils der Anlage und die Rekultivierung wird immense Kosten von weiteren 2-3 Mrd. EUR verursachen.
    Sie sollten nicht immer die gehübschten Quellen Ihres Arbeitgebers RWE nennen, sondern einmal realistische und allgemein nachvollziehbare Werte angeben.

    Ihr Kritik am UBA zeigt wieder einmal, wie ignorant Leute wie Sie agieren. Wahrscheinlich ist für Sie Herr Großmann der wahre Gott!

    Ihre Aussage, die dt. AKWs seien in einem guten Zustand und rechtfertigten daher eine Gesamtlaufzeit von 70-80 Jahren für Biblis A kann leider keinen klar und gefasst denkenden Deutschem vermittelt werden, da die durchschnittliche Inteliigenz ausreichend ist um zu erkennen, dass dies lediglich eine Ihrer SciFi-Visionen ist. Im Vergleich würde das bedeuten, dass Kraftwerke, die im Jahr 1932 gebaut wurden noch heute sicher laufen müssten. Der älteste dt. Kraftwerkspark ist das Kraftwerk Bochum, dass zwar 1905 als Kohlekraftwerk gebaut wurde, aber 1976 komplett durch ein Gaskraftwerk an gleicher Stelle ersetzt wurde. Das älteste durchgehend in Betrieb befindliche Kohlekraftwerk Ensdorf stammt aus dem Jahr 1961und wird dieses Jahr geschlossen.

  • SGK10..Sie hatten die Kosten der Kernenergie in Deutschland angesprochen und so schienen mir die mir bekannten Zahlen von Biblis A passend. Das diese nicht in den ökologischen Glauben passen...

    Biblis und die anderen Deutschen Kernkraftwerke sind in einem sehr gutem Zustand. Es gibt demzufolge keinen sachlichen Grund diese nicht wenigstens weitere 30 - 50 Jahre zu betreiben.

    Die Abbruchkosten für das umweltfreundliche Kernkraftwerk Mühlheim Kärlich wurden von RWE mit 725 Mio. € angegeben. Ich habe da der Abbruch von Biblis in der Zukunft liegt, diese Kosten auf 800 Mio. € aufgerundet. Natürlich kann man diese Kosten mit willkürlichen Schikanen beliebig in die Höhe treiben.

    Die Oekologen des Umweltbundesamtes sind sicherlich keine gute Quelle für die Reichweite der Uranvorkommen. Vermutlich lesen diese Gestalten Grün&Frieden Studien. In den vergangenen Jahren haben Neufunde regelmässig den Uranabbau übertroffen und so ist die IEA ohne die Phosphate bei 158 Jahren Reichweite angelangt. Wenn man bedenkt, dass Uran aktuell lediglich 0,1c/kWh zu den Stromkosten beiträgt und man demzufolge auch Uran mit einer wesentlich geringeren Konzentration abbauen könnte, so ergeben sich mit der Annahme das sich die Uranvorkommen mit einer um den Faktor 10 verminderten Konzentration um den Faktor 400 erhöhen eine Reichweite von einigen 1000 Jahren. Wenn man Reaktoren mit hohen Brutfaktoren verwendet sollten Uran und Thoriumvorkommen bis 3000m Tiefe einen steigenden Energiebedarf für einige Millionen Jahre decken können.

    Vandale

  • @ Vandale:

    Giftmüll bleibt vor allem bei Ihrer bevorzugten Form der radioaktiven Elektrizitätserzeugung übrig.
    90% der Solarzellen bestehen aus Silizium, also Sand. Verbieten Sie Ihren Kindern im Sand zu spielen?

    Ihr Aussage das 1969 errichtete 43 Jahre alte AKW Biblis A noch weitere 30-40 Jahre laufen zu lassen, ist an Fahrlässigkeit und neutypischer Börsenignoranz und Profitgier nicht zu überbieten.

    Die Baukosten für ein AKW mit 1 Mrd. EUR pro GW rührt scheinbar von Ihren Visionen. Beispielsweise kostet der Ausbau (!) des AKWs Flamanville in Frankreich 6 Mrd. EUR für 1.6 GW - also 3.75 Mrd. EUR/GW. Der Bau eines komplett neuen AKWs mit der nötigen Infrastruktur wurde von EON zuletzt mit 5 Mrd. EUR/GW angegeben.

    Eine ähnlich hohe Summe muss für den Abbau und die sichere Entsorgung des Atomkraftwerkes eingeplant werden.

    Mich interessiert, wie Sie von EON/RWE bezahlt die begrenzte Verfügbarkeit von Uran, dessen Verfügbarkeit vom Umweltbundesamt selbst mit Wiederaufarbeitung lediglich mit 100 Jahren angegeben wird, argumentieren sollen?

    Die Sonne scheint noch etwa 4-5 Mrd. Jahre. Bis dahin ist dann wahrscheinlich auch der unnutzbare radioaktive Atommüll zerfallen.

    Sie haben wirklich interessante nukleare SciFi-Visionen.

  • Um mal eines in dieser Diskussion klarzustellen: Das Projekt "friedliche Nutzung der Kernenergie" wurde in den 70ern durch die Politik angestossen und umgesetzt (Helmut Schmidt). Die damaligen Energieversorger wie z.B. das Bayernwerk waren staatlich. Und so gar nicht erfreut darüber, diese Technik betreiben zu müssen. Durch "autofreie Sonntage" usw. wurde dem Volk klargemacht wie wichtig es ist unabhängig zu sein. Ganz bewußt wurden Themen wie z.B. Endlagerung in staatlicher Hand gelassen. Mit der Privatisierung und Umwandlung in Aktiengesellschaften wurden die Werte der bis dahin staatlichen Energieversorger an Privatunternehmen verkauft. wesentliche Gebiete wie z.B. die Endlagerung blieben dabei bewußt in staatlicher Hand, wobei die Abfallverursacher, also die Energieunternehmen für die Einlagerung bezahlen müssen. Lediglich die Erkundung und Errichtung eines Endlagers trägt der Staat. Das ist zugegeben teuer, weil je nach Regierungszusammensetzung hier wild Schindluder getrieben wird.
    Man könnte schlussfolgern, dass das was jetzt passiert ein reines Ablenkungsmanöver der Politik ist. Ein Ablenkungsmanöver einer politischen Klientel, die sich nicht daran erinnern will wie das Ganze in den 70ern gestartet wurde und wer es eigentlich zu verantworten hat.

    Noch eine Anmerkung zu Photovoltaik: Für jedes MW installierter Leistung Photovoltaik braucht man ein MW Reserveleistung, weil die Sonne halt blöderweise nicht immer scheint, man Strom aber bedarfsgerecht erzeugen muss. Entweder ist zuviel da oder zu wenig, richtig passen tuts eigentlich nie, solange man keine geeigneten Speichermöglichkeiten hat. Wenn zuviel da ist, muss man den erzeugten Strom verschenken oder schlechtestenfalls sogar bezahlen, dass jemand den Strom abnimmt.

  • @sgk_10
    Solarstrom zu Unzeit wurde gegen Vergütung abgegeben. Das stand in Frankreich sogar in der Presse! Zur kontrollierten Versorgung ist der nicht geeignet, bin selbst Erzeuger. Im Februar hatte ich morgens um 200V, trotz Regeltrafo und das Licht flackerte. Bei Wind und Sonne geht es auch mal über 240V.
    Die Netzstabilität ist dahin. Da freut es uns, wenn die Franzosen uns den Überschuss abnehmen. Inzwischen werden Grosserzeuger auch abgeschaltet, dann stehen die Windräder und die PVs sind vom Netz, bekommen trotzdem Geld. Ein Wahnsinn mit System.

  • kschulz..ich hatte einen Londoner Finanzanalysten 08/09? privat am Strand getroffen. Er schwärmte von den Deutschen Versorgern, Cash flow, Bewertung, Kapitalstärke, Positionierung. Ich erzählte Ihm von der fundamentalistischen Oekoreligion in D und den Risiken die sich aus dem Oekoglauben, Angst vor frevelhaften Atomstrahlen, Angst vor einer CO2 Klimahölle, ergeben können. Er verstand dies nicht, heute vielleicht eher.

    Ich wäre mit einem Investment in Deutsche Versorger sehr vorsichtig. Die Umsetzung der (öko)religiösen Visionen einer Energieversorgung steht im Konflikt mit der Realität. Es besteht latent die Gefahr das man die Versorger aus einer religiösen Laune heraus schlachtet.

    Vandale

  • @ Otto:

    Wo haben sie denn dieses Hirngespinnst her?

    Im winterlichen Februar diesen Jahres gab es ein massives Angebot von Solarstrom in Dtld. Im Atomland Frankreich hingegen konnten die "sicheren" Atomkraftwerke nicht die benötigte Energie erzeugen.
    Frankreich kaufte daher massiv Leistung bis 9 GW in Dtld. für 1000 EUR/MWh, also 1 EUR/kWh ein, um den eigenen Bedarf zu decken. (Quelle: Vgl. Europ. Strombörse - EEX.de)

  • SGk10...Es ist einfach Phantasieberichte die das ökologische Herz erwärmen ohne diese zu überprüfen aufzunehmen und zu repetieren.

    Die kommerzielle Kernenergie hat eigentlich nie eine besondere Förderung erhalten, wurde allerdings durch zahlreiche schwere Schikanen behindert.

    Die staatliche Kernenergieforschung Deutschlands war breit angelegt und hatte viele Ziele. In Sachen Energieerzeugung richtete sie sich auf den Schnellen Brüter, den HTR und die Wiederaufbereitung. All diese Entwicklungen wurden fertig gestellt aber aus religiösen Gründen aufgegeben. Die Kosten sind eigentlich der Oekoreligion zuzuordnen. Die Sicherheitsforschung der 80er - 90er Jahre und die Kernfusionsforschung zielte nicht auf den kommerziellen Erfolg, sondern darauf vorhandene staatliche Strukturen (Forschungszentren) zu erhalten.

    Die Gesamtkosten eines Kernkraftwerks am Beispiel Biblis A, Betriebskosten von ca. 1,5c/kWh, 1 Mrd. DM Baukosten (heute €), 1,5 Mrd. € für Modernisierung und Nachrüstungen, sowie vorraussichtlich 800 Mio € für den Rückbau betragen vor Steuern ca. 3,5c/kWh. Wenn man das Kraftwerk, wie es technisch geboten wäre, noch 3-4 Jahrzehnte nutzen würde, würden sich diese Gesamtkosten auf unter 3c/kWh reduzieren.

    Die Solarenergie kostet als Zufallsstrom ein zig-faches ihres Wertes. Es ist nicht zu erwarten das sich diese irgendwann auf diesem Planeten rechnet. Mit den knapper werdenden staatlichen finanziellen Mitteln wird man die Subventionen kürzen müssen und dann wird diese Blase platzen und es bleibt ein grosser Haufen Giftmüll übrig.

    Vandale

  • @ Gurkenmurkser:

    Selbst Die Atomindustrie gibt zu, dass in Dtld. 17,2 Mrd. EUR an direkten Forschungsgeldern in die Atomkraft geflossen sind (vgl. kernenergie.de). Leider sind diese Angaben (bewusst) nicht inflationär korrigiert wurden, kann bei einer mittleren Inflation von 2.5%/y von 30-40 Mrd. EUR direkter Förderung gesprochen werden. Finden auch die indirekten Förderungen berücksichtigung kann im Expremfall von 200 Mrd. EUR ausgegangen werden (lt. Greenpeace). Realistisch ist daher der Mittelwert zwischen der Angabe der Atomlobby und Greenpeace - also 100 Mrd. EUR in Dtld.

  • @Gurkenmurkser
    Richtig, und wir zahlen noch für die Abnahme an die Franzosen wenn wir zuviel haben, wenn die Sonne scheint und viel Wind ist.
    Die Franzosen speichern unseren Überschuss in Wärme, haben vorzugsweise Speicherheizungen und Heißwassergeräte. Bei uns werden die letzten Geräte noch entsorgt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%