Energiewende
Industrie im Kern gespalten

In einer aktuellen Kampagne wirbt Siemens-Chef Peter Löscher für die Chancen der Erneuerbaren Energien. Andere Schwergewichte der Wirtschaft lehnen die Energiewende jedoch ab. Bei grünem Strom regiert das Lagerdenken.
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München/DüsseldorfEigentlich mag Peter Löscher große öffentliche Auftritte nicht. Der Siemens-Chef wirkt als mächtiger Strippenzieher lieber im Hintergrund. Zu politischen Themen äußert sich der Österreicher grundsätzlich nicht öffentlich. Doch jetzt bricht der Manager mit seinen Prinzipien. 

Der Konzern schaltet ab morgen Anzeigen in Tageszeitungen und Magazinen. Löscher persönlich wirbt darin für das politische Projekt der Energiewende in Deutschland. Der Siemens-Boss leistet damit nicht nur Schützenhilfe für die Kanzlerin, er stellt sich wohl auch ganz bewusst gegen wichtige Industriegrößen – allen voran gegen Hans-Peter Keitel. Der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) ist ein vehementer Gegner der Energiewende.

Löscher sehe Keitel, aber auch dessen Mitstreiter, Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht, als Bedenkenträger und Verhinderer, die nicht in der Lage seien, die Chancen der Energiewende für die deutsche Wirtschaft zu erkennen, lautet die Einschätzung in Industriekreisen. Und genau das bringt der Siemens-Chef auf mehr oder weniger subtile Weise in der Anzeige zum Ausdruck.

„Die Energiewende wird ein Erfolg. Wenn wir die passenden Antworten geben. Heute“, lautet die eindeutige Überschrift der Kampagne, bei der der sonst so zurückhaltende Löscher persönlich groß im Bild gezeigt wird. Die Energiewende könne einen Innovationsschub auslösen und die Exportkraft von Klimaschutz- und Umwelttechnologien aus Deutschland stärken, hält Löscher den Skeptikern entgegen. Allerdings mahnt er bei der Politik auch straffe Planungs- und Genehmigungsverfahren an.

Gerade der Zeitpunkt der Anzeige aber kann für die Gegenspieler wie ein Affront wirken. Denn erst am vergangenen Montag kam es bei einer Sitzung des BDI-Präsidiums nach Informationen des Handelsblatts zu einem heftigen Schlagabtausch über die Energiewende.

Das heikle Thema stand dabei – eigentlich – gar nicht zur Debatte. Der Streit entzündete sich am eher harmlosen Tagesordnungspunkt „Aussprache über die wirtschaftliche Entwicklung“. Eon-Chef Johannes Teyssen stellte eine Studie seines Hauses vor. Tenor: Die Preise für Rohstoffe wie Öl, Kohle und Gas sind konjunkturell bedingt eher rückläufig, was auch den Strompreis an den europäischen Börsen drückt. Der Preis für die CO2-Verschmutzungsrechte aber sei „im Griff der Politik“, so Teyssen. Er plädierte angesichts einer „Überausstattung“ mit Emissionsrechten für eine maßvolle Verknappung.

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  • Der große Unterschied zu anderen Subventionen ist, daß die anderen keinen "Blankoscheck" darstellen, und keinen Kaufzwang des subventionierten Produktes haben. Nur so konnten die EEG-Subventionen die Ausmaße erreichen, die sie jetzt erreicht haben. Das EEG wäre mit seinen 100 Milliarden (die zugegeben werden, wirklich sind die Öko-Kosten eher 300-500 Milliarden) über 10 Jahre eine der größten Steuern, wenn der Staat es in seinen Büchern als Steuer aufführen müsste. Dagegen sind ein paar Milliarden hier, oder ein paar hundert Millionen dort, ein Klacks. Daß so grosse Subventionen für die "Erneuerbaren" überhaupt notwendig sind, zeigt, wieviel Wohlstand damit vernichtet wird.

    Ausserdem, daß alle Bereiche subventioniert werden, kann gar nicht sein, denn irgendjemand muss das Geld ja erst verdienen, damit die Subvention gezahlt werden kann. Damit es irgendjemandem besser geht (Subvention) muss es jemandem woanders in der Wirtschaft schlechter gehen (Steuer).

  • Nur die erneuerbaren brauchen Subventionen.
    Atomkraft, Bergbau, Landwirtschaft oder Banken kommen vollkommen ohne Steuergelder aus und finanzieren mit ihren Gewinnen unsere Schulen.... (Aus dem Märchenbuch der Marktwirtschaft)

  • Mit Erneuerbaren sind durchaus Gewinne zu machen. Das Problem dabei ist nur, daß diese aus Subventionen stammen, die letztendlich unter Zwang von den Stromkunden oder direkt von den Steuerzahlern aufgebracht werden müssen. Im Gegensatz zu normalen Geschäften in der Marktwirtschaft ist dies also unfreiwillig und daher in den meisten Fällen Wohlstands-Vernichtend. Hut ab vor all denjenigen Unternehmen, die diese Art von Gewinnen ablehnen.

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