Industrie

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Energiewende: Nachtspeicher sollen ein Comeback erleben

Stromkonzerne planen eine Rückkehr der Nachtspeicher, um die Energiewende voranzutreiben. Die Heizungen sollen modernisiert werden, um Schwankungen auszugleichen. Ein Praxistest war demnach bereits erfolgreich.

Elektroheizungen als Energiespeicher für schwankende Strommengen? Quelle: dpa
Elektroheizungen als Energiespeicher für schwankende Strommengen? Quelle: dpa

HamburgDie als veraltete Stromfresser geltenden Speicherheizungen sollen nach den Vorstellungen großer Stromkonzerne künftig die Energiewende vorantreiben. Wie die „Financial Times Deutschland“ (Dienstagausgabe) berichtete, will der Energieversorger RWE die elektrischen Heizungen wiederbeleben. Sie sollen mit moderner Regeltechnik ausgestattet und als Energiespeicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken genutzt werden. Auch der Versorger EnBW spiele ein solches Modell durch.

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Der Technik-Chef der RWE-Effizienztochter, Norbert Verweyen, sagte der Zeitung, ein Praxistest mit 50 Wohnungen sei erfolgreich verlaufen, technisch funktioniere das System schon heute. „Wenn wir nachweisen können, dass es sich wirtschaftlich rechnet, wollen wir 2014 damit auf den Markt kommen.“ Dazu solle das ab 2019 geplante Verbot für den Verkauf von Speicherheizungen fallen.

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Zwar sind die meisten Elektroheizungen längst aus den Wohnungen verschwunden, doch die 1,4 Millionen noch eingebauten Heizungen genügen laut RWE, um Pumpspeicher mit zehn Gigawatt Leistung zu ersetzen und damit den Versorgern Milliarden an Investitionen zu ersparen.

 

  • 03.12.2012, 22:02 UhrDagmarK

    "doch die 1,4 Millionen noch eingebauten Heizungen genügen laut RWE, um Pumpspeicher mit zehn Gigawatt Leistung zu ersetzen und damit den Versorgern Milliarden an Investitionen zu ersparen."

    Jupp, 12 bis 19% Preissteigerung für 2013 inklusive.... ein klasse Geschäft für die Versorger.

  • 04.12.2012, 23:46 UhrHeizstromer

    Bild Manipulation
    In den meisten Medien, außer bei Handelsblatt.com, wurde die Meldung heute mit dem Bild eines doch sehr in die Jahre gekommenen, dezentralen Speicherofens versehen.
    Bitte, bitte, glauben Sie diesen Bildern nicht. Mein Haus wird mit einer Elektroheizung, einem Feststoffzentralspeicher, geheizt.
    Diese Anlage ist schon immer mit einem Rundsteuergerät des Energieversorgers gekoppelt, mit dem der Netzbetreiber steuert, zu welchen Zeiten die Heizung in den Auflade-Modus gehen kann. Dieses Verfahren hat schon seit Jahren nichts mehr mit dem Schlagwort „Nachtspeicher“ zu tun. Es funktioniert eher nach dem System „Heizen bei Wind“. Immer dann, wenn das Netzwerkmanagement einen Ausgleich für Stromspitzen sucht und meine Heizung Nachladebedarf hat, hilft meine Anlage:
    1. bei der Sicherung der Netzstabilität,
    2. bei der Reduktion des Co2 Ausstoßes und
    3. bei der Abnahme von heimischer Energie (ohne lange Lieferwege wie bei Gas und Öl).
    Dies alles ohne Einführung irgendeiner neuen unerprobten, ggf. Rohstoff verbrauchenden Speichertechnologie.
    Daher ist es mir völlig unklar, warum solche Anlagen in der öffentlichen Debatte immer noch, auch nach dem vorgezogenen Atomausstieg, ein Mauerblümchendasein fristen und obwohl, hochgradig effizient, ungeprüft als „veraltete Stromfresser“ bezeichnet werden können.
    Dass die Arbeitspreise für den Wärmestrom, für mich als Privatabnehmer, in den vergangenen Jahren überproportional zu den Haushaltstarifen gestiegen sind, liegt wohl eher an der schlechten Marktposition, die ich als Betreiber einer relativ kleinen Anlage habe. Die Betreiber wesentlich größerer Anlagen, die häufig in öffentlichen Gebäuden eingesetzt werden, haben hier sicher eine viel bessere Ausgansposition, die sie hoffentlich auch gegenüber dem Gesetzgeber zu nutzen wissen.

  • 15.12.2012, 17:26 Uhrmercurius

    Die "neue" Idee, für Speicheröfen eine Subvention zu bekommen dürfte aus einer ganz bestimmten Ecke kommen.
    So gibt es beispielsweise im Großraum Essen, wo viele beim RWE Beschäftigte wohnen außergewöhnlich viele 3-Familien-Häuser mit Stromheizung. Warum wohl ? Als RWE-Mann bekommt man eine bestimmte Menge Strom als "Deputat" (ein Regelung, die aus dem Bergbau kommt) umsonst oder zu Sonderpreisen. Um die Menge maximal zu nutzen brauchte man eben ein größeres Haus, weil dieses Deputat zu reichlch bemessen war. In der Zwischenzeit dürften die Strompreise für die Heizung so gestiegen sein, dass es keinen Sinn mehr macht, damit vermietete Wohnungen zu heizen.
    Also muss man auf staatliche Förderung pochen, damit daraus kein Verlustgeschäft wird.

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