Energiewende: RWE-Chef Terium plant radikalen Strategieschwenk

Energiewende
RWE-Chef Terium plant radikalen Strategieschwenk

Bislang ist der Essener Energiekonzern RWE der größte CO2-Emmitent Europas. Unternehmenschef Peter Terium möchte das nun grundlegend ändern: Künftiges Wachstum soll nur noch über erneuerbare Energien erfolgen.
  • 29

DüsseldorfRWE-Chef Peter Terium verordnet dem Energiekonzern einen radikalen Strategieschwenk. Der Atom- und Kohlekonzern, der mit seinen Braun- und Steinkohlekraftwerken so viel klimaschädliches CO2 ausstößt wie kein zweites europäisches Unternehmen, soll komplett auf die Energiewende ausgerichtet werden.

„Wir wollen der glaubwürdige und leistungsstarke Partner für den Wandel des europäischen Energieversorgungssystems werden“, lautet die Mission. Das geht aus einem vertraulichen Papier mit dem Titel „RWE Corporate Story“ hervor, das dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) vorliegt. „2018 wird sich RWE entscheidend an der Neuausrichtung der Energiewirtschaft in Europa beteiligt haben“, gibt Terium darin den Mitarbeitern als neues Ziel vor.

So soll RWE nur noch in erneuerbare Energien investieren – und nicht mehr in neue fossile Kraftwerke. Zugleich will der Konzernchef im Vertrieb und im Verteilnetz neue Geschäftsmodelle für dezentrale Energien entwickeln. 2020 soll die konventionelle Stromerzeugung laut dem Strategiepapier nur noch maximal ein Fünftel des Betriebsergebnisses ausmachen, 2012 war es mehr als die Hälfte.

Kommentare zu "RWE-Chef Terium plant radikalen Strategieschwenk"

Alle Kommentare
  • Eine Industrienation kann nicht mit Wind und Sonne versorgt werden???? Welcher Fachmann hat sich denn da zu Wort gemeldet? Ingenieur im Atomkraftwerk?
    Schon mal was von Biogasanlagen, Geothermie oder Power to Gas gehört? Wohl eher nicht.... Kann auch nicht sein, denn dann wüsste dieser Mensch ja, dass Atommüll für 1 MILLION Jahre (!!!!) gelagert werden muss. Und wo bitte? Auf dem Mond oder was?
    [...] Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Hier spricht ja ein "absoluter Fachmann" ;-)
    Subventionen bei Atom unter den Tisch gekehrt, von der steuerlichen Seite und der EEG Umlage keine Ahnung, Kosten bei der "Endlagerung" vergessen und Tschernobyl,Fukushima und die schwedischen AKW Beinahekatasrophe vergessen. So einem gehören die Brennstäbe zur Wiederaufbereitung in den Keller gelegt!

  • Zu blöd. Jetzt auch noch RWE. Ja sind die denn jetzt alle „ökoreligiös“ und den Grünen verfallen? Dabei sind die Argumente sowas von sonnenklar! Eine Industrienation kann nicht mit Wind und Sonne versorgt werden. Das geht physikalisch gar nicht und wirtschaftlich macht das auch keinen Sinn. Nichts ist so billig wie Atomstrom. Die Briten machen es vor. Und die Grundlast, was machen wir denn mit der Grundlast? Weiß den RWE nicht, dass Nachts keine Sonne scheint, oder Wind nicht immer weht?
    Oder ist das vielleicht ein terroristischer Langzeitakt, der die Zerstörung des Industriestandortes Deutschland zum Ziel hat?

    Es kann auf keinen Fall etwas damit zu tun haben, das den Erneuerbaren die Zukunft gehört, ein enormes technisches Entwicklungspotential haben, stetig günstiger werden und nahezu sämtliche Nationen dieser Welt sich mit Ausbauplänen im Bereich der EE beschäftigen. Jedes Kind weiß, dass das ideologischer Käse ist.

  • Die Ratten verlassen das sinkende Schiff!

  • Und ich dachte, die Geschichte, dass CO2 klimaschädlich sei, ist jetzt endlich zu Ende. Offensichtlich gibt es immer noch ein paar Jünger, die daran glauben. Aber was treibt einen Konzernchef dazu, auf die Erneuerbaren Energietechnologien zu setzen? Vielleicht die Angst etwas zu verpassen? Denn nur auf Sonne und Wind zu setzen, reicht nicht für eine "sichere" Versorgung der Kunden.

  • Wieso Grundlast???

    Die Agora-Energiewende sagt, es gibt in Zukunft keine Grundlast mehr... und das kommt von vermeintlichen Energie-"Experten"... und zeigt letztendlich nur noch, dass die ehemaligen Grünen-Vordenker genauso käuflich sind, wie andere... IKK !

  • Wieso Grundlast? Die Agora-Energiewende sagt, es gibt in Zukunft keine Grundlast mehr... und das kommt von vermeintlichen Energie-"Experten"... und zeigt, dass die Grünen genauso käuflich sind, wie andere... IKK !

  • "Zugleich will der Konzernchef im Vertrieb und im Verteilnetz neue Geschäftsmodelle für dezentrale Energien entwickeln."
    Das geht in die richtige Richtung!
    Die Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte. Investment in konventionelle Energien des 20. Jahrhunderts sind nur insofern sinnvoll, wie sie als Wegbereiter der Energiewende dienlich sein können, nämlich als stabilisierende Grundlast. Gleichzeitig besteht die Gefahr, daß Neuinvestitionen in Atom und Kohle die Erneuerbaren Energien ausbremsen. Es ist nicht ein "entweder oder" sondern ein "sowohl als auch" erforderlich, mit dem Hauptfokus auf den EE. Also, konventionelle Energien ausschleichen und EE katalysieren. Um ein Zeichen gegen die ewig anstänkernden Lobbyisten zu setzen, noch mehr aber um einer Zukunftsperspektive des Unternehmens den Weg zu bereiten, finde ich dies eine intelligente strategische Entscheidung.

  • 77 TWh Strom haben Wind und Sonne 2012 erzeugt, Kohle und Kernkraft über 400 TWh. Die ganze Politik und die Ökolobby schreien nun, dass es Zeit ist, aus der Kohle auszusteigen - wie denn?
    Wind und Sonne schaffen es ja nicht mal, bis 2022 die Kernkraft adäquat zu ersetzen ohne die Konventionellen als Backbone oder erwähnungswerte Speicherkapazitäten.

    Aber Fakten haben die Ideologen ja noch nie interessiert...

  • RWE wurde bereits 2004 in einer Analyse von Dresdner Kleinwort Wasserstein gewarnt, dass ihr kohle-lastiges Erzeugungsportfolio grosse Risiken birgt. http://www.energie-und-management.de/free-archive/Freearchive/feView3/2363.html . Der damalige CEO Maichel hat vorgezogen, diese Warnungen zu ignorieren, und sich der Debatte zu entziehen: http://www.taz.de/1/archiv/archiv-start/?ressort=zm&dig=2004%2F05%2F28%2Fa0174&cHash=24ffc040979099c4e0682d081099b3c5 . Gut dass Terium endlich die Zeichen der Zeit erkennt. Wird Zeit, dass auch SPD-Frau Kraft das nachvollzieht. Arbeitsplätze kann man dauerhaft nur erhalten, wenn sie mit ambitioniertem Klimaschutz vereinbar sind. Alles andere hiesse den Kopf den den Sand stecken - und eine Vogel-Strauss-Strategie war noch selten zukunftsfähig.
    Das sehen übrigens zunehmend auch die Finanzmarktinvestoren. Siehe http://www.carbontracker.org/investors-challenge-fossil-fuel-companies

Serviceangebote