Energiewirtschaft
Ungarn steigt bei Ölkonzern MOL ein

Der ungarische Staat wird wieder Aktionär beim Budapester Ölkonzern MOL. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban bestätigte in Budapest, dass sich die Regierung gut 20 Prozent an MOL sichert.
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WienDer Energiekonzern gehört zu den wichtigsten und größten Unternehmen des Landes. Die Regierung übernimmt den 21,2-Prozent-Anteil von Surgutneftegaz. Das russische Unternehmen hatte den Anteil vor zwei Jahren für eine gute Milliarde Euro vom österreichischen Ölkonzern OMV übernommen.

Die Russen hatten sich von dem Einstieg einen Durchbruch auf dem ungarischen Markt versprochen, um von dort aus auch weiter nach Westeuropa vorzustoßen. Der Einstieg der Russen bei MOL war in Ungarn jedoch auf großen Widerstand gestoßen. Zuvor hatte OMV vergeblich einen feindlichen Übernahmeversuch auf den ungarischen Konkurrenten gestartet und dabei nach und nach den 20-Prozent-Anteil erworben.

Insofern ist der Einstieg des Staates bei MOL alles andere als eine Überraschung. Die Regierung hatte schon während der vergangenen Monate mehrere Verhandlungsrunden mit der russischen Seite geführt. In der vergangenen Woche hat der nationale Entwicklungsminister Tamas Fellegi angekündigt, dass "die Zeit der Privatisierungen in Ungarn vorüber ist". Der Staat wolle künftig einen größeren Einfluss auf die Wirtschaft des Landes ausüben. MOL war vor dem Fall des Eisernen Vorganges vor 20 Jahren ein klassischer Staatskonzern in dem damals sozialistischen Land.

Die Regierung in Budapest hielt sich zunächst noch damit bedeckt, wie sie den Kauf der MOL-Aktien finanziert. Beobachter in Budapest schätzen den Kaufpreis auf mindestens 1,5 Milliarden Euro. Ungarn stand Ende 2008 vor dem Staatsbankrott und muss durch Milliardenhilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) gerettet werden. Die Regierung in Budapest wird MOL jetzt stärker dafür nutzen, um nationale energiepolitische Ziele durchzusetzen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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  • Endlich findet Ungarn wieder zurück in eine vernnftige und zukunftsweisende Wirtschafspolitik.

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