Engpass bei Schafsdärmen
Iran-Konflikt verteuert Bratwürste

Nur 45 deutsche Metzger dürfen die berühmte Nürnberger Bratwurst herstellen. Für das Originalrezept brauchen sie Schafsdärme. Doch wegen des Iran-Konflikts werden die knapp und teurer.
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NürnbergBeim Iran-Konflikt geht es nun auch um die Wurst: Weil Schafsdärme und Pfeffer aus dem Mittleren Osten immer teurer werden, droht ein Preisanstieg zur Grillsaison. Neben den schlechteren Handelsbeziehungen mit dem Iran sei der sinkende Lebensstandard in dem Land schuld an dem Engpass bei Schafsdärmen, den sogenannten Saitlingen, sagt Vorstandsmitglied Hans Kittler vom Lebensmittelgroßhandel Evenord in Nürnberg. Er beliefert fränkische Fleischer mit den Därmen. „Es werden weniger Schafe geschlachtet, deshalb gibt es auch weniger Schafsdärme.“

Der Obermeister der Nürnberger Fleischer-Innung, Manfred Seitz, nennt noch einen Grund für die Knappheit der Därme: „Die Nachfrage nach Naturprodukten ist in den letzten Jahren stark gestiegen.“ Die Schafsdärme seien inzwischen fast dreimal so teuer wie vor 18 Monaten, berichtet der Nürnberger Metzgermeister Claus Steiner. 90 Meter Saitling, die für etwa 1000 Bratwürste reichen, kosteten im Sommer 2010 noch 6,30 Euro. Nun liege der Preis bei 17,20 Euro.

Schafsdärme kommen nach Angaben des Großhandels auch aus Australien, Neuseeland, der Türkei und Afghanistan. Die Saitlinge aus dem Iran und dem Irak seien aber für die Nürnberger Bratwürstchen am besten geeignet, weil sie widerstandsfähiger seien. „Die Schafe essen dort eben nicht nur das weiche Gras. Zu weiche Schafsdärme würden beim Braten aufplatzen“, sagte Kittler. „In der Vergangenheit haben die Saitlinge aus dem Irak und dem Iran etwa 60 Prozent unseres Verbrauches abgedeckt, jetzt ist es nur noch ein Drittel.“

Über kurz oder lang - spätestens mit Beginn der Grillsaison - müsse die Teuerung an die Kunden weitergegeben werden, sagte Metzger Steiner voraus. Zumal sich nicht nur Schafsdärme, sondern auch Gewürze wie Pfeffer spürbar verteuert hätten. Innungsobermeister Seitz kündigte die Preiserhöhung sogar schon für Anfang März an. Das Kilo Würstchen, das derzeit etwa elf Euro koste, werde dann um etwa 55 bis 60 Cent teurer, sagte Seitz. Für „Drei im Weckla“ (Drei Würste im Brötchen) müssten dann etwa 15 Cent mehr gezahlt werden.

Auch Wiener Würstchen oder Pfefferbeißer könnten teurer werden. „Bei diesen beiden Sorten kann man auch nicht einfach zu Schweine- oder Kunstdarm wechseln“, sagte Kittler. Ein Horrorszenario wollen die Innung und der Großhandel jedoch nicht entwerfen. „Bislang haben wir noch keine Engpässe. Es gibt noch genügend Nürnberger Würstchen“, sagte Seitz. Auch Kittler beruhigt: „Sie werden sicher ein bisschen teurer, aber es wird kein Luxusessen werden. Die Bratwurst aus Nürnberg wird erschwinglich bleiben.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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