Eni ersteigert Gasaktivitäten
Italiener wollen einen Teil der Yukos-Beute an Gazprom abtreten

Der italienische Energiekonzern Eni hat den Zuschlag für Reste des Yukos-Imperiums bekommen. Den Großteil der gerade erst für einen Milliardenbetrag gekauften Gasaktivitäten will Eni direkt an den russischen Monopolisten Gazprom weiterreichen. Gegen eine nicht ganz kleine Summe.

HB/tom/kk MOSKAU. Das Eni-Tochterunternehmen Enineftegaz ersteigerte zwei Gasförder-Betriebe und einen 20-prozentigen Anteil an der Gazprom-Öltochter Gazprom Neft für umgerechnet 5,83 Mrd. Dollar – nur wenig mehr als der Startpreis der Auktion von etwa 5,6 Mrd. Dollar. Neben Eni waren nur noch die russischen Konzerne Rosneft und Unitex zu der Auktion zugelassen, weshalb die Auktion offenbar auch schnell zu Ende war.

Eni will die ersteigerte Beteiligung an der russischen Gazprom Neft nun direkt an deren Mutterkonzern verkaufen und nur die Gasförder-Betriebe behalten. Der Gasmonopolist könne den 20-prozentigen Anteil für 3,7 Mrd. Dollar zuzüglich Kosten übernehmen, teilte Eni am Mittwoch nach der Versteiergung mit. Gazprom hatte sich im Vorfeld der Versteigerung bei Eni eine Kaufoption für die Gazprom-Neft-Anteile gesichert. Diese könne zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb der kommenden zwei Jahre ausgeübt werden, hieß es in der Mitteilung von Eni.

Eni und Gazprom verhandeln über die Bildung eines Joint Ventures, das Gazprom den Zugang zu italienischen Endkunden ermöglicht. Im Gegenzug will sich der italienische Ölkonzern den Zugriff auf russische Öl- und Gasprojekte sichern.

An der Auktion hatten sich am Ende nur drei der ursprünglich sieben registrierten Unternehmen beteiligt. Unitex hatte dem russischen Blatt „Kommersant“ zufolge im Namen von Kunden der Gazprombank geboten, die wiederum dem staatlichen Gasmonopolisten Gazprom gehört. Auch bei der Zwangsauktion der größten Yukos-Fördertochter Yuganskneftegaz (YNG) vor gut zwei Jahren war der Zuschlag an die unbekannte Baikal Finance Group gegangen, die kurz darauf YNG an den russischen Energiekonzern Rosneft verkaufte.

Kritiker werfen der Regierung um Präsident Wladimir Putin vor, Yukos mit hohen Steuernachforderungen absichtlich in den Ruin getrieben zu haben, um politische Ambitionen von Konzernchef Michail Chodorkowsi zu unterbinden. Yukos wurde im August für bankrott erklärt.

In der vergangenen Woche hatte Rosneft ein Paket eigener Aktien aus der Yukos-Konkursmasse für 7,6 Mrd. Dollar erstanden. Einziger Mitbewerber war das russisch-britische Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP, das allerdings nach wenigen Minuten aus der Auktion ausstieg. Britischen Medienberichten zufolge verlangen BP-Aktionäre jetzt eine Erklärung für diesen schnellen Rückzug. Moskauer Beobachter sind der Ansicht, dass die Teilnahme von TNK-BP lediglich dazu diente, den Anschein einer ordentlichen Versteigerung zu wecken.

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