Enormer Steuerverlust
In Russland wird der Wodka knapp

So schlecht hat für die Russen noch kein Jahr begonnen – mit Ausnahme von vielleicht 1918, als sich nach der Oktoberrevolution am 7. November 1917 die Macht der Räte zwar chaotisch, doch so weit etabliert hatte, dass das Land mit dem Neujahrswechsel eisig in den Kommunismus schlitterte.

MOSKAU. Das noch junge 2006 hat Russland schon in zwei Krisen gestürzt – die Gaskrise mit dem Nachbarn Ukraine, die wie zu dick aufgetragenes Make-up kaum noch gesichtswahrend zu lösen war, und – noch viel schlimmer – die Wodka-Krise: Bürokratisches Chaos erzwingt seit Jahrensanfang den Stillstand der Wodka-Werke.

„Uns geht der Wodka aus“, brüllt die seriöse Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ in das Land der großen Trinkfreude. „Russland ohne Wodka – das ist nicht Russland!“, ätzt das Boulevardblatt „Moskowskij Komsomolez“. Die Schlagzeilen zeigen: Die Wodka-Krise ist eine viel größere politische Gefahr für Kremlchef Wladimir Putin als der Gaskrieg mit Kiew.

Als Fanal dient sein Vorvorgänger Michail Gorbatschow – der wird wegen seiner Anti-Alkohol-Kampagne bis heute im Land der Trinker und Dichter als „Mineralwassersekretär“ verachtet. Die große Trinkfreude seiner Einwohner hat Russland laut der Weltbankstudie „Früh stirbt sich“ zur kürzesten Lebenserwartung in Europa verholfen.

Gefahr im Verzug also: Denn die Schuld an der Wodka-Krise trägt die Regierung. Seit Jahreswechsel müssen alle Wodkaflaschen mit neuen Steuermarken versiegelt werden. Die neuen Siegel aber gibt es noch nicht, weil sich Zollamt und Finanzministerium nicht verständigen können.

Die Finanzbehörde ist zuständig für Ausführungsbestimmungen zum Gesetz „Über die Staatsregulierung der Produktion und des Verkaufs von Ethylalkohol, Alkohol und alkoholhaltigen Getränken“ und somit für den Verkauf der Steuermarken. Das Zollamt wiederum muss die Marken drucken. Doch die Finanzbehörde hat bisher nicht einmal einen Verantwortlichen ernannt.

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