Enron-Prozess
Zeugenbefragungen überraschend zu Ende

Im Prozess um die spektakuläre Pleite des einst siebtgrößten US-Konzerns Enron sind die Zeugenbefragungen am Montag überraschend zu Ende gegangen. Die Schlussplädoyers sollen nun am 15. Mai beginnen. Bis dahin schickte der Richter die Jury nach Hause.

HB HOUSTON. Das Ende der Zeugenbefragungen kam unerwartet früh. Die Verteidigung erklärte, sie hätte weitere leitende Enron-Manager im Zeugenstand sehen wollen und beschuldigte die Regierung, diese von einer Aussage abgehalten zu haben. Den Managern sei mit einer Anklage gedroht worden. „Wir wollten, dass diese Leute kommen und aussagen. Die Regierung hat sie einfach nicht gelassen“, sagte Dan Petrocelli, Anwalt des Angeklagten Ex-Enron Chefs Jeffrey Skilling. Dieser steht gemeinsam mit dem ebenfalls ehemaligen Konzern-Chef Ken Lay wegen des Vorwurfs der Verschwörung, des Betrugs und des Insider-Handels vor Gericht.

Die beiden Führungskräfte sollen Analysten, Anleger und Angestellte über die finanzielle Misere der Firma bewusst im Dunkeln gelassen haben, um sich selbst zu bereichern. Lay und Skilling beteuerten im Verfahren wiederholt ihre Unschuld und machten vor allem den geständigen Ex-Finanzchef Andrew Fastow für die Bilanzierungstricks und Kursmanipulationen verantwortlich.

Lays Anwalt Michael Ramsey zeigte sich am Montag siegessicher. „Ich denke, der Kampf ist gewonnen“, erklärte er. Lay habe sich im Zeugenstand gut verteidigt. Viele Prozessbeobachter vermuten jedoch, dass das mürrische Auftreten des Angeklagten seiner Verteidigung geschadet hat. Beiden drohen im Fall einer Verurteilung Jahrzehnte lange Haftstrafen.

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