Entlassungen
Brasilianer geben VW contra

Volkswagen will nicht nur in Deutschland tausende Stellen abbauen. Auch in Brasilien hat der Autokonzern nach eigener Auffassung zu viele Mitarbeiter. Doch die stemmen sich mit aller Macht gegen Entlassungen. Nicht einmal die Drohung, ein Werk zu schließen, beeindruckt die Arbeiter. Die Brasilianer geben sich kampfbereit – genauso wie ihr deutscher Arbeitgeber.

HB RIO DE JANEIRO. Die gewerkschaftlich organisierten Angestellten des Autoherstellers wiesen am Dienstagabend (Ortszeit) bei einer Abstimmung in Sao Bernardo im Bundesland Sao Paulo die Pläne von VW zu massenhaften Entlassung zurück. „Diese Pläne zu akzeptieren würde bedeuten, dass wir das Tor zur Hölle für die gesamte Autoindustrie in Brasilien öffnen“, erklärte der Präsident der regionalen Metallarbeiter-Gewerkschaft, José Lopes Feijóo. Man sei bereit, mit Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen gegen die Firmenpläne zu kämpfen.

Erst am Montag hatte VW do Brasil seinen Angestellten ein Ultimatum gestellt: Sollten die Gewerkschaften nicht bis kommenden Freitag dem Abbau von 3 600 Stellen zustimmen, droht das Management, das größte brasilianische Werk Anchieta mit 12 000 Beschäftigten zu schließen. Das bestätigte eine Sprecherin der VW-Landesgesellschaft dem Handelsblatt.

Der Autokonzern schreibt seit Jahren in Brasilien Verluste, die sich nach Schätzungen auf einen Milliardenbetrag summiert haben. Im Frühjahr kündigte das Management an, in Brasilien bis zu 6 000 der rund 22 000 Stellen abzubauen. Die Sanierung ist eine Voraussetzung für das von Konzernchef Bernd Pischetsrieder anvisierte Ziel, das Konzernergebnis vor Steuern bis zum Jahr 2008 auf 5,1 Mrd. Euro zu verdreifachen. Pischetsrieder möchte offenbar das Thema Brasilien vom Tisch haben, bevor am 8. September die Verhandlungen mit der Gewerkschaft über die Zukunft der westdeutschen Werke weitergehen.

VW-Vorstand Peter Hartz hatte den brasilianischen Mitarbeitern Anfang des Jahrzehnts eine Beschäftigungsgarantie gegeben. Dies hatte bisher eine durchgreifende Sanierung verhindert. Die Zusagen von Hartz, der den Konzern im Zuge der VW-Affäre um Lustreisen und Spesenbetrug verlassen musste, laufen in Brasilien am 21. November dieses Jahres aus. „Am 22. November beginnen wir mit der Entlassung der 3 600 Personen. Bei einer Einigung mit den Gewerkschaften erhalten sie Abfindungen, ohne erhalten sie keine“, machte die VW-Sprecherin die harte Haltung deutlich.

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