Entscheidung angeblich noch im November
MTU-Verkauf geht in entscheidende Phase

Angeblich schon bis Ende des Monates will der Autobauer Daimler-Chrysler für seine zum Verkauf stehende Triebwerkstochter MTU einen Käufer auswählen, so Informationen aus verhandlungsnahen Kreisen. Derzeit ringen noch zwei Interessenten um die mit rund 1,5 Mrd. € bewertete MTU.

HB MÜNCHEN/LONDON. „Bis Ende November soll etwas passieren“, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus den Kreisen. Die Zeit bis zum Jahresende solle dann genutzt werden, um die Transaktion abzuschließen und mögliche rechtliche oder regulatorische Fragen abzuklären.

„Das verläuft alles nach Plan“, hieß es auch in Branchenkreisen. „Man kann davon ausgehen, dass zu 90 % noch was in diesem Jahr passiert.“ Entgegen anders lautenden Medienberichten führe Daimler-Chrysler zwar bevorzugt Gespräche mit dem US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR), diese seien aber bislang keineswegs exklusiv. Das britische Private-Equity-Haus Doughty Hanson sei somit noch nicht aus dem Rennen. „MTU spricht nach wie vor mit beiden.“ Ziel sei es, bis zur letzten Minute den Wettkampf zwischen beiden Interessenten aufrecht zu erhalten.

Ein Sprecher von Daimler-Chrysler wollte sich nicht äußern und verwies auf frühere Aussagen. In der Vergangenheit hatte es bei den Stuttgartern mehrfach geheißen, ein Abschluss im laufenden Jahr sei möglich und Daimler-Chrysler verhandele mit mehreren potenziellen Partnern. Auch ein MTU-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Daimler-Chrysler hatte im August Reuters gegenüber erstmals bestätigt, dass der Münchener Turbinenbauer MTU im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft mit Fahrzeugen zum Verkauf steht. Von den damals fünf Interessenten sind mittlerweile bereits drei - darunter Carlyle und Blackstone - ausgeschieden. Finanzkreisen zufolge können die Stuttgarter mit einem Erlös von rund 1,5 Mrd. € rechnen. Daimler-Chrysler würde ein entsprechender Mittelzufluss im laufenden Jahr gerade recht kommen, denn der Konzern hatte zuletzt milliardenschwere Abschreibungen bei Chrysler und seiner Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS verbucht.

Offen ist nach wie vor, welche Haltung letztlich die Bundesregierung bei einem MTU-Verkauf an einen britischen oder amerikanischen Finanzinvestor einnehmen wird. „Es ist natürlich in unserem Interesse, dass die Verantwortung für MTU möglichst bei einem deutschen Unternehmen bleibt“, hatte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) im Sommer gesagt. Die Bundesregierung will nun das Außenwirtschaftsgesetz ändern und sich auf diese Weise beim Verkauf von Rüstungsfirmen ein Vetorecht einräumen lassen.

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