Entscheidung im Aufsichtsrat
IWKA vor Kampfabstimmung

Die Mitarbeiter von IWKA wollen sich trotzdem nicht auf den Finanzinvestor einlassen. Sie bevorzugen einen Verkauf an den strategischen Investor Coesia. Der italienische Konkurrent von IWKA ergänze sich hervorragend mit der Verpackungssparte. Eine Fusion würde zu einer deutlich besseren Marktposition führen.

Deshalb will die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat heute gegen einen Beschluss stimmen, der dem Vorstand den Verkauf an den meistbietenden Kandidaten ermöglicht. In diesem Falle stünde es im Aufsichtsrat sechs zu sechs, da nicht zu erwarten ist, dass ein Vertreter der Kapitalseite ausschert und mit den Arbeitnehmern stimmt.

Bis gestern Nachmittag war unklar, was bei einem Patt im Aufsichtsrat passiert. Üblich ist nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung, dass sofort eine zweite Abstimmung durchgeführt wird und der Aufsichtsratsvorsitzende dann mit seiner Zweitstimme entscheidet. Manche Unternehmen haben in ihrer Satzung eine Klausel, dass die zweite Abstimmung um bis zu vier Wochen verschoben wird. Dies würde den Arbeitnehmern Zeit geben, die Öffentlichkeit zu mobilisieren. IWKA wollte sich gestern auf Anfrage nicht zur Satzung äußern.

Ganz gleich ob die Entscheidung heute oder in vier Wochen fällt – für IWKA bedeutet sie das Ende eines zähen Kampfes. Seit der US-Investor Guy Wyser-Pratte im Oktober 2003 fünf Prozent der Aktien kaufte und eine Konzentration auf das Robotergeschäft forderte, kam der Konzern kaum zur Ruhe. Sieben Aufsichtsräte und sechs Vorstände, davon zwei Vorstandsvorsitzende, haben das Unternehmen in dieser Zeit verlassen. Erst seit Dezember 2006 ist in Gerhard Wiedemann ein Vorstandschef gefunden, der sowohl den Großinvestor als auch die Mitarbeiter hinter sich hat.

Unter der neuen Führung will die IWKA ihre Robotersparte stärken. Der Maschinenbauer hat aktuell Interesse an der Autozuliefertochter von Thyssen-Krupp, dem Karosseriespezialisten Drauz Nothelfer. Das bestätigte der Vorstand in den vergangenen Wochen gegenüber Analysten. Nun prüft Thyssen-Krupp nach Informationen aus Finanzkreisen einen Verkauf von Drauz Nothelfer. Der Düsseldorfer Konzern wird nach Einschätzung von Beteiligten beim Verkauf allerdings nichts verdienen, sondern müsste Mittel für eine Umstrukturierung zur Verfügung stellen. Beide Firmen wollten sich gestern nicht äußern. Drauz Nothelfer erzielte zuletzt mit 2.800 Mitarbeitern einen Umsatz von 500 Millionen Euro.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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