Entscheidung im Aufsichtsrat
IWKA vor Kampfabstimmung

Drei Jahre lang forderte der amerikanische Investor Guy Wyser-Pratte, dass sich der Karlsruher Maschinen- und Anlagenbauer IKWA auf sein Robotergeschäft konzentriert. Dem Machtkampf fielen sieben Aufsichtsräte und sechs Vorstände zum Opfer, darunter zwei Vorstandsvorsitzende. Jetzt steht der Amerikaner vor dem Durchbruch – doch noch sträuben sich die Mitarbeiter.

HB DÜSSELDORF. Die IWKA steht unmittelbar vor dem Verkauf ihrer Verpackungssparte. Am Dienstag um zehn Uhr tagt in Augsburg der Aufsichtsrat des Unternehmens. Er soll nach dem Willen der Anteilseigner beschließen, den Geschäftsbereich mit 400 Mill. Euro Umsatz und 2.500 Mitarbeitern zu verkaufen. Die Restrukturierung mündet damit nach einem mehrjährigen schweren Streit zwischen der Kapitalseite und der Unternehmensführung in einem harten Schnitt.

Der aussichtsreichste Kandidat für die Übernahme ist bei IWKA gut bekannt. Der Berliner Finanzinvestor Odewald & Compagnie erwarb bereits Anfang 2006 die BOA-Gruppe, eine Tochtergesellschaft der IWKA mit Sitz in Karlsruhe. Direkt nebenan liegt IWKA Packaging, die nun zum Verkauf steht. Nach Informationen des Handelsblattes liegt das Angebot des Investors zwischen 220 und 250 Millionen Euro.

Weder Vorstand und Aufsichtsrat von IWKA, noch Odewald & Compagnie wollten sich am Montag zu der bevorstehenden Entscheidung äußern. Mehrere Personen innerhalb und außerhalb des Unternehmens bestätigen jedoch, dass die Abstimmung im Aufsichtsrat äußerst knapp ausgehen könnte. Die Mitarbeiterseite, die sechs von zwölf Stimmen im Kontrollgremium hat, ist geschlossen gegen einen Verkauf an den Finanzinvestor.

„Die Erfahrungen vom letzten Mal sind nicht erfreulich“, sagte Günter Schmidtke von der IG Metall Karlsruhe. Bevor Odewald & Compagnie 2006 die BAO-Gruppe von der IWKA erworben hatte, sei diese Gesellschaft aus dem Tarifverbund ausgetreten und habe deutlich Personal abgebaut. „Inzwischen brummt der Laden, aber die Aufträge werden zu 50 Prozent mit billigen Leiharbeitern abgewickelt“, sagte Schmidtke.

Ernst-Moritz Lipp, Partner bei Odewald & Compagnie, bestätigte diese Information. Die BOA-Gruppe zahle in Deutschland 7,09 Euro pro Stunde. Dies sei zwar deutlich weniger als die zwölf Euro, die ein vergleichbarer Mitarbeiter nach dem Metall-Tarifvertrag erhalte, entspreche aber genau der Vereinbarung für Zeitarbeiter. Außerdem zahle BOA eine zehnprozentige Prämie und Zusatzleistungen. „Wenn sich die gute Auftragssituation als dauerhaft herausstellt, kann man überlegen, die Stammbelegschaft wieder zu erhöhen“, sagte Lipp. Das Management von BOA bereite entsprechende Gespräche mit den Kunden vor.

Die Mitarbeiter von IWKA wollen sich trotzdem nicht auf den Finanzinvestor einlassen. Sie bevorzugen einen Verkauf an den strategischen Investor Coesia. Der italienische Konkurrent von IWKA ergänze sich hervorragend mit der Verpackungssparte. Eine Fusion würde zu einer deutlich besseren Marktposition führen.

Deshalb will die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat heute gegen einen Beschluss stimmen, der dem Vorstand den Verkauf an den meistbietenden Kandidaten ermöglicht. In diesem Falle stünde es im Aufsichtsrat sechs zu sechs, da nicht zu erwarten ist, dass ein Vertreter der Kapitalseite ausschert und mit den Arbeitnehmern stimmt.

Bis gestern Nachmittag war unklar, was bei einem Patt im Aufsichtsrat passiert. Üblich ist nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung, dass sofort eine zweite Abstimmung durchgeführt wird und der Aufsichtsratsvorsitzende dann mit seiner Zweitstimme entscheidet. Manche Unternehmen haben in ihrer Satzung eine Klausel, dass die zweite Abstimmung um bis zu vier Wochen verschoben wird. Dies würde den Arbeitnehmern Zeit geben, die Öffentlichkeit zu mobilisieren. IWKA wollte sich gestern auf Anfrage nicht zur Satzung äußern.

Ganz gleich ob die Entscheidung heute oder in vier Wochen fällt – für IWKA bedeutet sie das Ende eines zähen Kampfes. Seit der US-Investor Guy Wyser-Pratte im Oktober 2003 fünf Prozent der Aktien kaufte und eine Konzentration auf das Robotergeschäft forderte, kam der Konzern kaum zur Ruhe. Sieben Aufsichtsräte und sechs Vorstände, davon zwei Vorstandsvorsitzende, haben das Unternehmen in dieser Zeit verlassen. Erst seit Dezember 2006 ist in Gerhard Wiedemann ein Vorstandschef gefunden, der sowohl den Großinvestor als auch die Mitarbeiter hinter sich hat.

Unter der neuen Führung will die IWKA ihre Robotersparte stärken. Der Maschinenbauer hat aktuell Interesse an der Autozuliefertochter von Thyssen-Krupp, dem Karosseriespezialisten Drauz Nothelfer. Das bestätigte der Vorstand in den vergangenen Wochen gegenüber Analysten. Nun prüft Thyssen-Krupp nach Informationen aus Finanzkreisen einen Verkauf von Drauz Nothelfer. Der Düsseldorfer Konzern wird nach Einschätzung von Beteiligten beim Verkauf allerdings nichts verdienen, sondern müsste Mittel für eine Umstrukturierung zur Verfügung stellen. Beide Firmen wollten sich gestern nicht äußern. Drauz Nothelfer erzielte zuletzt mit 2.800 Mitarbeitern einen Umsatz von 500 Millionen Euro.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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