Entscheidung nächste Woche
Neue Weichen auf dem Telekom-Markt

Die deutsche Telekommunikationsindustrie wartet mit großer Spannung auf eine Entscheidung, der grundlegende Bedeutung für die Marktentwicklung beigemessen wird. In der nächsten Woche wird die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post einen neuen Preis für die "letzte Meile" bekannt geben. Das ist die Miete, die Anbieter der Deutschen Telekom monatlich für die Überlassung eines Telefonanschlusses zahlen müssen.

HB DÜSSELDORF. Der überwiegende Teil der Hausanschlüsse ist im Besitz des ehemaligen Monopolisten. Konkurrenten, die keine eigenen teuren Leitungen in die Wohnungen verlegen wollen, aber trotzdem direkte Beziehungen zu den Kunden anstreben, sind auf die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) angewiesen. Das betrifft vor allem Anbieter mit einem gewissen Maß an Infrastruktur, etwa die regionalen Telefongesellschaften und andere Unternehmen, die auf Breitbandverbindungen ins Internet setzen. Vor allem in jüngster Zeit wurde die TAL stark nachgefragt und ist jetzt insgesamt rund zwei Millionen Mal vermietet. Auf ihr basieren etwa 95 Prozent aller Anschlüsse der Wettbewerber.

Jetzt muss das Entgelt für die Überlassung dieses zentralen Vorprodukts nach zwei Jahren neu festgesetzt werden. Derzeit beträgt die Miete 11,80 Euro. Die Telekom verlangt wie schon 2003 eine Anhebung auf 17,40 Euro monatlich. "Weniger als 10 Euro", lautet dagegen die Forderung des größten Branchenverbandes VATM und des speziell für die City- und Regio-Carrier sprechenden BREKO. Dessen Präsident Peer Knauer eröffnet eine attraktive Perspektive: "Wenn wir unser Preisziel erreichen, werden die Mitglieder zusätzlich fast 500 Millionen Euro investieren." Denn dann könnten sie 1 000 weitere Hauptverteiler erschließen, was etwa 700 Ortsnetzen entspräche.

"Damit würden wir für eine Verbreitung schneller Internetzugängen auch auf dem Lande sorgen", sagt Knauer. Derzeit konzentriere sich der Wettbewerb auf Städte und Ballungsräume, weil sich die relativ hohe TAL-Miete für die Unternehmen nur bei vielen Kunden über Skaleneffekte rechne. Das sieht auch VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner so: "Jetzt hat es der Regulierer in der Hand, ob er die Weichen für einen kräftigen Investitionsschub stellen oder den Fuß auf der Bremse lassen will." Ein unangemessener Preis für die letzte Meile werde auch überhöhte Entgelte für andere Schlüsselprodukte nach sich ziehen, etwa beim Bitstrom-Zugang, auf dessen Einführung die Branche drängt.

Die Entscheidung des Regulierers ist auch der erste große Praxisfall des neuen Telekommunikationsgesetzes. Hier ist jetzt nicht nur festgeschrieben, dass Preis-Kosten-Scheren zu vermeiden sind. Eine solche Diskrepanz hatte gerade bei der TAL bestanden, deren Miete lange über der Grundgebühr lag, welche die Telekom von ihren Kunden bekam. Vor allem aber sagt das neue Gesetz erstmals, der Regulierer habe darauf zu achten, dass alle Entgelte aufeinander abgestimmt sind.

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