Entscheidung
Reitzle wird neuer Conti-Chefaufseher

Das Rätselraten ist beendet: Wolfgang Reitzle soll neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates von Continental werden. Das teilte der Autozulieferer am Mittwoch in Hannover mit. Der aktuelle Linde-Chef tritt damit ein schwieriges Amt an. Schließlich muss er zwischen den Interessen von Conti, Schaeffler, den Gläubigern und nicht zuletzt auch Politikern abwägen.

ax/cha/gil/hgn/mcs DÜSSELDORF/HANNOVER. Der Ex-BMW-Manager, der damit die Nachfolge des Schaeffler-Beraters Rolf Koerfer antritt, soll den Conti-Kontrolleuren spätestens Mitte Oktober vorgestellt werden, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Gremiums. Reitzle gilt sowohl als Wunschkandidat von Contis Großaktionär Schaeffler als auch der Arbeitnehmervertreter.

Ursprünglich hatte der 60-Jährige allerdings abgesagt. Offizieller Grund war seine Arbeitsbelastung. Inoffiziell hieß es, Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler habe mehrere seiner Ratschläge zu Conti ignoriert. Streitfall war der im ersten Anlauf gescheiterte Putsch gegen Ex-Conti-Chef Karl-Thomas Neumann Ende Juli, den Reitzle für einen Fehler hielt.

Mit dem Personal-Coup verbessern sich die Chancen für Conti, Boden bei den Autoherstellern gut zu machen, die eine operative Lähmung durch den bereits mehr als ein Jahr dauernden Machtkampf mit Schaeffler beklagen. Der Ex-BMW - und Ford-Mann Reitzle gilt in der Autobranche als bestens verdrahtet. Auch die IG Metall schätzt ihn aufgrund seines integrativen Führungsstils. Das Nachsehen hat mit Ex-BMW - und VW-Chef Bernd Pischetsrieder ein alter Rivale aus Münchner Zeiten. Pischetsrieder galt nach Reitzles ursprünglicher Absage als Favorit für den Spitzenposten in Hannover.

Reitzle soll Aufsichtsratskreisen zufolge seine weiteren Ehrenämter weitgehend niederlegen, um sich neben seinem Vorstandsposten beim Dax-Konzern Linde voll auf Conti konzentrieren zu können. Reitzle agiert als Aufsichtsratsmitglied des Gabelstaplerherstellers Kion, eine frühere Linde-Tochter, und sitzt im Kontrollgremium der Deutschen Telekom.

Die Verhandlungen hat Contis scheidender Chefaufseher Rolf Koerfer geführt. Koerfer muss das Feld aufgrund eines Anfang August getroffenen Kompromisses mit den Arbeitnehmervertretern räumen. Ihm wird der rechtlich dilettantisch eingefädelte Putsch gegen Neumann angelastet. Inzwischen führt der Ex-Schaeffler-Manager Elmar Degenhart den Conti-Vorstand.

Bis zu seinem Abgang will Koerfer allerdings noch den offenen Posten des Conti-Finanzvorstandes besetzen. Idealerweise sollen Reitzle und der neue CFO Mitte Oktober im Paket vorgestellt werden, hieß es in Kreisen des Kontrollgremiums. Koerfer hat die Aufsichtsräte gebeten, dazu die eigentlich für den 29. September angesetzte Sitzung des Kontrollgremiums um zwei Wochen zu verschieben. Koerfer soll derzeit "zahlreiche Gespräche" mit geeigneten Kandidaten führen.

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