Entscheidung über Investition in Fernost soll Anfang 2005 fallen – Druck zur Kostensenkung anhaltend hoch
Heidelberger Druck prüft Teilefertigung in China

Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller, Heidelberger Druckmaschinen AG, denkt über eine Auslagerung von Teilen der Produktion nach China nach. Das sagte Vorstandschef Bernhard Schreier auf einer Veranstaltung des Clubs der Kurpfälzischen Wirtschaftsjournalisten in Heidelberg.

jkn HEIDELBERG. „Wir haben eine Projektgruppe eingesetzt, erste Ergebnisse erwarten wir Ende des Jahres“, sagte er. Anfang 2005 solle dann über eine Investition entschieden werden.

Nach Worten Schreiers geht es in erster Linie um die Fertigung einzelner Komponenten in einem neuen Werk, das Heidelberg in Eigenregie errichten würde. Ein Joint-Venture entspricht dagegen nicht seinen Vorstellungen. Schreier machte zugleich deutlich, dass die Montage kompletter Druckmaschinen auch auf Dauer in Deutschland bleiben werde. „Was ich nicht transferieren kann, ist das Know-how meiner Mitarbeiter, die etwa im Werk Wiesloch eine Speedmaster zusammenbauen“, sagte Schreier.

Der Konzern müsse die Kosten auf der Herstellseite weiter runterfahren, sagte Schreier. Er begründete dies mit dem anhaltenden Druck auf die Gewinnspannen in der Druckindustrie. „Die Aufträge sind hart umkämpft, gleichzeitig werden die Maschinen immer produktiver, und es gibt nach wie vor Überkapazitäten am Markt“, sagte Schreier. Analysten schätzen, dass die Preise für Druckmaschine zur Zeit im Schnitt um 15 Prozent unter denen von vor vier Jahren liegen.

Die Druckmaschinen-Branche hat in den zurückliegenden zwei Jahren ihre wohl stärkste Krise erlebt. Die Interneteuphorie hatte die Zahl der gedruckten Waren sprunghaft in die Höhe schnellen lassen. Daraufhin hatten die Spezialmaschinen- Hersteller ihre Kapazitäten massiv ausgeweitet. Gleichzeitig hatten Experten einen raschen Durchbruch in der Digitaldruck-Technik vorausgesagt, der den klassischen Offset- Druck ablösen sollte. Doch mittlerweile ist die Internetblase geplatzt, der Digitaldruck fristet nach wie vor ein Nischendasein.

Die Druckmaschinen-Hersteller mussten ihre Kapazitäten und Kosten radikal nach unten schrauben. Allein bei den am Weltmarkt dominierenden drei deutschen Branchenriesen Heidelberger Druck, Koenig & Bauer und MAN Roland gingen in den zurückliegenden Monaten rund zehn Prozent aller Stellen verloren. Branchenprimus Heidelberg trennte sich zudem vom Digitaldruck, der an Eastman Kodak verkauft wurde, und vom Rollenoffset, den das Unternehmen an die US- Firma Goss abgab.

Trotz dieser radikalen Einschnitte sieht Schreier aber nach wie vor die Notwendigkeit, die Kosten weiter zu senken. Der Aufbau eines Werkes in China würde nach seiner Ansicht ein gute Chance bieten. „Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, ob es sich nicht lohnen würde, etwas auf der grünen Wiese auf den Weg zu bringen“, sagte Schreier mit Blick auf das in China mittlerweile erreichte Ausbildungsniveau.

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