Entscheidung über Nachfolge beim Luft- und Raumfahrtkonzern fällt noch vor Weihnachten
Forgeard hat gute Chancen bei EADS

Im Machtkampf um die künftige Führung des größten europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS kann sich der Chef der EADS-Tochter Airbus, Noël Forgeard, nach wie vor gute Chancen ausrechnen. Noch vor Weihnachten will der Aufsichtsrat Klarheit schaffen.

mwb/tom MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Das erfuhr das Handelsblatt aus gut unterrichteten Kreisen – „Stand der Dinge“ sei, dass er im nächsten Jahr die Nachfolge von Philippe Camus antreten werde, dessen Vertrag ausläuft. Bei der Sitzung des Aufsichtsrats ist gestern allerdings noch keine Entscheidung gefallen. Hinter den Kulissen geht der Machtkampf weiter.

Doch noch vor Weihnachten will der Aufsichtsrat Klarheit schaffen. Sicher scheint dagegen schon jetzt: Die deutsch-französische Doppelspitze bei EADS bleibt bestehen. „Die Doppelspitze hat sich bewährt“ sagte ein Sprecher von Daimler-Chrysler, mit 30 Prozent größter deutscher Anteilseigner bei EADS. Daimler verwies zudem auf das Vorschlagsrecht der französischen Partner für die Besetzung der französischen Top-Personalie bei EADS, wenn die Verträge der beiden Vorstandschefs Philippe Camus und Rainer Hertrich im kommenden Juli enden. Darauf könne und werde man keinen Einfluss nehmen, heißt es weiter. Über die deutsche Führung kann Daimler dagegen seinen Einfluss geltend machen. Neben Daimler zählen der französische Staat und die Unternehmensgruppe Lagadère mit jeweils 15 Prozent zu den wichtigsten Aktionären der EADS.

Für Forgeard bedeutet diese Wendung einen Rückschlag: Der Airbus-Chef gilt wegen seiner Ambitionen schon seit langem als massiver Befürworter für eine Abschaffung der gemeinsamen Führung. Sollte er auf Camus Stuhl nachrücken, steht hinter der Weiterbeschäftigung des deutschen CEO Hertrich ein großes Fragezeichen. Branchenkreisen zufolge ist dessen Verhältnis zu Forgeard „gespannt“. Immer wieder war Forgeard in der Vergangenheit mit Informationen an die Öffentlichkeit gegangen und machte damit Hertrich das Leben schwer. Der selbstbewusste Franzose hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er sich als heimlicher EADS-Chef fühlt. Er verantwortet mit Airbus den größten Bereich der EADS und liefert den Löwenanteil des Ergebnisses.

Die Doppelspitze kann aber nur Erfolg haben, wenn die beiden CEOs auch persönlich gut miteinander arbeiten könnten. Darauf verwies die EADS in der Vergangenheit mehrfach. Camus und Hertrich hatten eine Wellenlänge gefunden und damit die ohnehin nicht einfache Integration der französischen und deutschen Seite ermöglicht – oder zumindest nicht mit persönlichen Machtkämpfen in der Führungsetage belastet.

Daimler-Chrysler, wie auch EADS wollten gestern keinen Kommentar zur Top-Personalie geben. Daimler erteilte aber Medienberichten über einen Konflikt zwischen EADS-Co-Chairman Manfred Bischoff und Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp in der Personalfrage eine Absage: „Beide ziehen am gleichen Strang“, sagte ein Sprecher. Das Thema wird nun den EADS-Aufsichtsrat weiter beschäftigen. Allerdings soll noch vor Weihnachten eine Entscheidung fallen, um die für den Konzern schädliche Spekulationen zu beenden.

Zudem zeichnet sich der Start des Langstreckenjets A 350, der gegen die neue Boeing 7E7 antreten soll immer deutlicher ab. „Der EADS-Aufsichtsrat unterstützt die Pläne für den Bau des A350 völlig“, sagte ein Konzernsprecher. Ein endgültiger Startschuss für das Programm wurde aber noch nicht gegeben. Die Entscheidung darüber falle aber ebenfalls noch im Dezember.

Die A350 wird als Langstreckenjet eine Weiterentwicklung des A330 sein. Der Jet bekommt neue Flügel und Triebwerke und hat eine Reichweite von knapp 14 000 Kilometern sowie 250 Sitze. Mit dem Flugzeug will Airbus dem Hoffnungsträger des Boeing-Konzerns 7E7 das Wasser abgraben. Es geht in diesem Flugzeug-Segment um einen Markt von zehn Mrd. Euro. Airbus hatte im vergangenen Jahr erstmals mehr Flugzeuge ausgeliefert als Boeing.

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