Enttäuschende Zahlen
Pfizer denkt über Abspaltung nach

Der US-Pharmakonzern Pfizer hat im ersten Quartal ziemlich schlecht verdient. Auch die Ertragsprognose hat der Viagra-Hersteller kassiert. Jetzt denkt der Konzern über die Abspaltung einer wichtigen Konzernsparte nach.
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New YorkEine schwache Nachfrage nach Impfstoffen und Nachahmer-Präparaten hat den amerikanische Pharmakonzern Pfizer zum Jahresstart deutlich gebremst. Der größte Arzneimittel-Hersteller der USA enttäuschte mit seiner Umsatz- und Ergebnisentwicklung im ersten Quartal und stutzte zudem seine Gewinnprognose für das laufende Jahr zurecht. Pfizer überraschte zudem mit Überlegungen für eine weitere Aufspaltung des Konzerns. Die Börse reagierte negativ auf den Quartalsbericht: Pfizer-Aktien büßten mehr als drei Prozent ein.

Zwar sprang der Gewinn im ersten Quartal binnen Jahresfrist um 53 Prozent auf 2,75 Milliarden Dollar in die Höhe. Im Vorjahr hatten allerdings hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten und den Umbau der Produktion die Bilanz belastet. Vor Sonderposten verdiente der Konzern 54 Cent je Aktie - Analysten hatten einen Cent mehr erwartet.

Der Konzernumsatz schrumpfte deutlich um neun Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar. Auch damit verfehlte Pfizer die Erwartungen. Die Verkaufserlöse mit dem Impfstoff Prevnar zum Schutz vor Lungenentzündungen und anderen Infektionen sanken um zehn Prozent auf 846 Millionen Dollar. Noch im Vorquartal waren die Prevnar-Erlöse um 19 Prozent nach oben geschnellt. Experten zufolge hielten sich Großhändler angesichts gut gefüllter Lager mit Bestellungen zurück. Prevnar ist immerhin das drittumsatzstärkste Produkt des Konzerns.

Auch in den Schwellenländern erwischte Pfizer einen flauen Jahresstart. Der Umsätze legten im ersten Quartal dort nur um fünf Prozent zu. Noch im vierten Quartal stand ein Plus von 17 Prozent in den Büchern. Die Verkäufe von Generika schrumpften zudem um 16 Prozent. Kräftig zurück gingen die Verkäufe auch mit dem einstigen Top-Präparat, dem Cholesterinsenker Lipitor, das inzwischen scharfe Konkurrenz durch billigere Nachahmer hat. Die Umsätze brachen um 55 Prozent auf 626 Millionen Dollar ein.

Für das Gesamtjahr 2013 rechnet Konzernchef Ian Read jetzt nur noch mit einem Gewinn je Aktie von 2,14 bis 2,24 Dollar. Bisher hatte er 2,20 bis 2,30 Dollar in Aussicht gestellt. Die schwache japanische Währung belaste die Geschäfte im zweitgrößten Pharmamarkt der Welt, begründete das Management. Bei Investoren konnte Pfizer mit seinem Zwischenbericht nicht punkten. „Relativ zum Potenzial des Unternehmens und seiner Ertragskraft war das einfach ein schlechtes Quartal“, sagte Michael Liss, Portfolio-Manager bei American Century Investments.

Das Pfizer Management brachte bei Vorlage des Quartalsberichts auch eine mögliche weitere Aufspaltung des Konzerns ins Spiel. Rund drei Jahre werde es brauchen dies zu prüfen, erklärte die Konzernführung. Ziel sei es, das Geschäft mit patentgeschützten Arzneien und das Geschäft mit Generika getrennt voneinander zu betreiben. Im ersten Quartal steuerte die Sparte Established Products, die die Generikageschäfte umfasst, rund ein Fünftel zum Konzernumsatz bei. Pfizer hatte bereits seine Tiermedizin-Geschäfte im Februar in eine neue Gesellschaft mit dem Namen „Zoetis“ abgespalten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • ein Großteil der Probleme bei diesem Konzern sind aufgrund unglaublicher Arroganz hausgemacht. Geradezu unverantwortlich war es in Deutschland, wie man mit dem know-how der Firmen Warner-Lambert und Pharmacia nach deren "Einkauf" umgegangen ist. Weil man sich für die absolut größten hielt, wurden hier durchaus vorhandene Kompetenz-Center einfach platt gemacht. Ich kann nicht verhehlen, dass mir die "Entwicklung" dieses Konzerns seit einigen Jahren durchaus eine gewisse Freude macht.....

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