Entwicklung verlagert
Grundig wird immer türkischer

Seit 2003 hat die deutsche Traditionsmarke Grundig einen türkischen Eigner. Die Koç-Holding verlagert nach der Produktion nun auch die Forschung und Entwicklung weg aus Nürnberg. Gegenüber dem Handelsblatt spricht der neue Koç-Spartenchef erstmals über seine Pläne für Grundig.

ISTANBUL. Überall Fernsehgeräte von Grundig, die meisten mit Flachbildschirm. Auf vielen läuft der James-Bond-Film „Casino Royale“, einmal ist auch Werbung für die Bausparkasse Schwäbisch Hall auf RTL zu sehen. Das wirkt wie zu Hause. Doch die Produktion der deutschen Traditionsmarke ist ins Ausland abgewandert und befindet sich heute in der türkischen Wirtschaftsmetropole Istanbul. Jetzt folgt die Entwicklung.

Die Türkei ist als Hersteller von Fernsehgeräten Europas Nummer zwei. Grundig, die einstige Nürnberger Vorzeigefirma, gehört seit ihrer Insolvenz 2003 zum größten Privatunternehmen des Landes, der Koç-Holding. Deren Haushaltsgeräte- und Unterhaltungselektronik-Tochter Arçelik konzentriert nun die Forschung und Entwicklung in Istanbul. 19 Nürnberger Mitarbeiter seien davon betroffen, sagte ein Grundig-Sprecher dem Handelsblatt. Das Unternehmen suche mit dem Betriebsrat nach „möglichst sozialverträglichen Lösungen. Dennoch müssen wir mit Kündigungen rechnen.“

In Franken will sich Grundig mit dann noch rund 180 Mitarbeitern auf Produktmanagement, Markenentwicklung und Vertrieb konzentrieren. Im Werk in Istanbul arbeiten rund 1 600 Beschäftigte, 280 davon in der Forschung und Entwicklung.

Grundig kommt nicht zur Ruhe, hat seit gut einem Monat den fünften neuen Chef seit 2003. Erstmals hat ein Türke in Nürnberg das Sagen. Arçelik schickte den Ingenieur Semsettin Eksert nach Franken. „Damit ist die Übergangszeit nach der Übernahme beendet“, sagte Levent Çakiroglu, seit einem Vierteljahr Arçelik-Chef, dem Handelsblatt.

Um in „einem sehr dynamischen Sektor, in dem schnelle Entscheidungen und deren rasche Umsetzung nötig sind“, zügig handeln zu können, will er „das deutsch-türkische Geschäft integrieren, Prozesse und Kommunikation harmonisieren“. Was das konkret heißt, zeigt die Konzentration der Entwicklung in Istanbul.

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