Entwicklungsvorstand Demant leitet künftig den Rüsselheimer Autohersteller
Chefwechsel bei Opel läutet Neuordnung von GM Europe ein

Der Autobauer Opel stellt mit einem überraschenden Führungswechsel die Weichen für eine neue Struktur des Europageschäfts von General Motors (GM). Über die grundlegende Neuordnung der Aktivitäten soll schon in der kommenden Woche entschieden werden.

hz/hof FRANKFURT/M. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wird Opel-Chef Carl-Peter Forster als Chief Operating Officers (COO) in die europäische GM-Zentrale nach Zürich wechseln und damit zum wichtigsten Manager neben dem neuen Europachef Fritz Henderson aufrücken. Neuer Chef der GM-Tochter Opel soll Entwicklungsvorstand Hans Demant werden, der weiter an Forster berichten wird.

Faktisch wird sich damit nach Ansicht von Experten für Opel wenig ändern, da Forster auch ein Büro in Rüsselsheim behält. Die neue Führungsstruktur bildet jedoch das neue Machtverhältnis im Europageschäft von GM ab: Künftig soll die GM-Zentrale in Zürich nicht mehr als reine Holding der unabhängigen GM-Marken Opel, Vauxhall und Saab fungieren. Sie soll die operative Führung übernehmen und die Firmen enger an die Leine nehmen.

Auf diese Weise will der seit dem 1. Juni amtierende neue Europachef Henderson das GM-Geschäft wieder profitabel machen. Die Grundlage dafür hat bereits Hendersons Interims-Vorgänger Bob Lutz gelegt. Ob das noch in diesem Jahr gelingt, ist allerdings unklar, musste jüngst GM-Chef Rick Wagoner einräumen. Der Konzern hatte nach einem Verlust im Vorjahr geplant, 2004 in Europa wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Insider erwarten, dass die neue GM-Struktur in Europa bereits in der nächsten Woche offiziell dem Opel-Aufsichtsrat vorgestellt wird. Die Neuorganisation soll Doppelfunktionen bei Saab, Opel und der Schwestermarke Vauxhall beseitigen. Die Marken sollten unter anderem bei Produktion, Technologie und Vertrieb stärker zusammenarbeiten, hieß es im Unternehmen. Am Ende soll ein Saab auch auf den Bändern bei Opel – und umgekehrt – gebaut werden können.

Forster hatte vor wenigen Tagen bereits angekündigt, dass der Rüsselsheimer Autohersteller der für rund 80 % des GM-Europageschäfts aufkommt, künftig eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Mittelklassemodellen für den gesamten US- Konzern übernehmen werde.

In der Rüsselsheimer Opel-Zentrale wird der Wechsel von Forster als eine Stärkung der Position des deutschen Herstellers angesehen. Der Spitzenmanager, der die letzten drei Jahre Opel geführt habe, sei nun der neue starke Mann neben Henderson – dies könne kein Nachteil für Rüsselsheim sein, hieß es. Experten bewerten die Spitzenpersonalie zugleich als wichtige Weichenstellung für die weitere Zukunft von GM in Europa. Wenn Forster keine Fehler mache, sei er damit als Nachfolger von Henderson auserkoren, hieß es im Konzern. Der US-Manager machte bisher eine steile Karriere beim größten Autobauer der Welt und hielt es auf seinen letzten Stationen als Chef des GM-Südamerika- und anschließend des GM- Asiengeschäfts nie länger als drei Jahre aus. Sollte Henderson nach einer Sanierung des Europageschäfts weiter aufsteigen, würde demnach in wenigen Jahren erstmals ein Opel-Manager das gesamte GM-Geschäft und damit die Verantwortung für die Schwestermarken Vauxhall und Saab übernehmen.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef und Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel, Klaus Franz, hatte die Konzernführung noch vor wenigen Tagen in einem Handelsblatt-Interview davor gewarnt, bei der Neuordnung einseitig Opel zu belasten.

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