Eon-Chef Wulf Bernotat
Mit dem Wind

Genau ein Jahr nach der gescheiterten Übernahme von Endesa ist Eon-Chef Wulf Bernotat zurück in Spanien – und eigentlich gar nicht mehr so traurig, dass er einst bei seinem 44-Milliarden-Euro-Gebot für den spanischen Versorger den Kürzeren zog. Denn heute weiß er: Es geht auch anders.

MADRID/OVIEDO. Wieder einmal bläst Wulf Bernotat der Wind kalt ins Gesicht, als er auf dem Boden des Landes steht, in dem er seine größte Niederlage erlitt. Aber hier in Spanien, im Windpark Pico Gallo in der Nähe von Oviedo, der Hauptstadt der gebirgigen Provinz Asturien, ist Gegenwind Grund zur Freude für den Chef von Eon. Die Rotoren der 37 Turbinen, die sich auf einem Bergkamm an der Atlantikküste auf rund 1 000 Meter Höhe aneinanderreihen, drehen sich und produzieren eifrig Strom - also Gewinn - für den Eigentümer des Windparks.

Der ist seit kurzem Eon, Deutschlands größter Energiekonzern. Bernotat steht mit Windjacke, Helm und Zigarillo zwischen den Fingern auf seiner neuen spanischen Scholle und blickt stolz auf die Anlagen, die zum jüngst abgeschlossenen Zukauf des Betreibers Energi E2 Renovables Ibericàs gehören.

Und dann löst sich auch noch der dichte Nebel auf, und die Windräder von Pico Gallo drehen sich bei strahlendem Sonnenschein.



Wie sich die Zeiten doch ändern. Auf den Tag genau vor einem Jahr weilte Bernotat auch in Spanien. Damals jedoch durfte er nur gute Miene zum bösen Spiel machen und musste seine größte Niederlage als Manager kassieren. Bernotat hat den verbissen geführten Übernahmekampf um Spaniens größten Versorger Endesa gegen den italienischen Rivalen Enel und den spanischen Mischkonzern Acciona verloren. Per Handschlag verabschiedet sich Bernotat von seinen beiden Kontrahenten, Enel -Chef Fulvio Conti und Acciona -Chef Jose Manuel Entrecanales. Artig lächelt er in die Kameras, und dann zieht er sich aus Spanien zurück. Der Traum von der Megafusion ist geplatzt.

Auf einer letzten Pressekonferenz in Madrid redet sich der Eon -Chef den geordneten Rückzug zwar schön: eine "Erfahrung, keine Niederlage" sei er. Das sieht aber eigentlich jeder anders als Wulf Bernotat. Im Unternehmen wird damals sogar gemunkelt, der Vertrag des Chefs, der zur Verlängerung ansteht, werde womöglich nicht verlängert. Als Nachfolger wird bereits Chief Operating Officer Johannes Teyssen gehandelt. Und Eon gilt plötzlich selbst als Übernahmekandidat, weil der Konzern auf so hohen Reserven sitzt.Zwölf Monate später scheint über Bernotats Welt wieder die Sonne. Der Eon -Chef habe das Beste aus der spektakulären Schlappe gemacht, loben Analysten. Statt sich zu grämen, hat Bernotat Eon eine neue Strategie verpasst und vorangebracht - mit kleinen, dafür aber raschen Schritten (siehe unten: Schritt für Schritt).

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