Eon
„Ein Bärendienst für die Branche“

Der Energiekonzern Eon schafft mit dem geplanten Verkauf seines Stromnetzes Fakten. Während die EU-Kommission die Pläne des Marktführers begrüßt, löst das Vorhaben bei den Wettbewerbern und der Bundesregierung Kopfschütteln aus.

DÜSSELDORF/BERLIN. Mit der Ankündigung, sich freiwillig vom Hochspannungsnetz zu trennen, hat Marktführer Eon die Konkurrenz kalt erwischt: "Damit hat Eon der Branche und der Regierung einen Bärendienst erwiesen", kommentiert ein Energiemanager. Keiner der anderen großen Netzbetreiber in Deutschland - RWE, Energie Baden-Württemberg und Vattenfall Europe - will Eons Beispiel folgen.

Nicht zuletzt wegen der Versorgungssicherheit gebe es gute Gründe, das Netz beim Energieversorger zu belassen, sagte eine RWE-Sprecherin. Ein EnBW-Sprecher bezeichnete das Netz als "wirtschaftlich wichtiges Asset". Bei Vattenfall Europe hieß es zwar, man "prüfe alle Optionen", und es seien "auch andere Eigentümerstrukturen denkbar". Konkrete Verkaufspläne hat der Konzern aber nicht.

Mit dem Meinungsumschwung hat Eon die in den vergangenen zwei Jahren aufgebaute Phalanx gegen die Entflechtungspläne der EU-Kommission überraschend verlassen. Gemeinsam mit den anderen drei Unternehmen, die die großen Überlandleitungen betreiben, hatten sich die Düsseldorfer bislang gegen die Brüsseler Pläne gewehrt, die Hochspannungsnetze vom übrigen Geschäft abzuspalten ("ownership unbundling").

Die EU-Kommission verspricht sich durch eine Übertragung des Eigentums an einen neutralen Betreiber bessere Wettbewerbschancen für Konkurrenten, die das Netz nutzen wollen. Die Netzbetreiber - auch Eon - warnten dagegen, bei einer Entflechtung sei nicht gewährleistet, dass die nötigen Milliardeninvestitionen in Erhalt und Ausbau der Netze getätigt würden. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem vom Präsidenten der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth.

Auch die zuletzt ins Gespräch gebrachten Kompromissvorschläge stießen bei den Netzbetreibern überwiegend auf Kritik: Danach sollen die Versorger zwar das Eigentum an den Netzen behalten dürfen, der Betrieb wird aber einer weitgehenden Kontrolle unterworfen. "Es ist abzusehen, dass sowohl das ,ownership unbundling? als auch die diskutierten Kompromisslösungen das Geschäft für die Versorger am Ende sehr schwer machen werden", sagt Stephan Werthschulte, Energieexperte bei der Unternehmensberatung Accenture. "Eon hat das erkannt und die Konsequenzen gezogen."

Eon-Chef Wulf Bernotat hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er letztlich nicht um jeden Preis um das Übertragungsnetz kämpfen wird, wenn dessen Betrieb nicht mehr zu akzeptablen Renditen möglich ist. Und die Zweifel daran mehrten sich zuletzt. Zum einen hat die Bundesnetzagentur die Renditen der Netzbetreiber deutlich beschnitten.

Die Behörde kürzte jüngst die von RWE, EnBW und Vattenfall Europe geltend gemachten Preise, die sie für die Nutzung des Netzes in Rechnung stellen wollten, um bis zu knapp 30 Prozent. Eon wartet zwar noch auf einen Bescheid, rechnet aber mit einer ähnlichen Kürzung. Die Rendite dürfte nach Schätzungen von Analysten damit auf einen einstelligen Prozentwert zusammenschmelzen. Mit seinen Kraftwerken erzielt Eon dagegen Renditen von 20 bis 30 Prozent.

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