Eon einigt sich mit Rivalen
Endesa wird zerschlagen

Eon hat den Übernahmekampf um Spaniens größten Energiekonzern Endesa verloren – wenn auch nicht so ganz. Der deutsche Energiekonzern hat sich mit seinen Rivalen, dem italienischen Versorger Enel und dem spanischen Mischkonzern Acciona, auf einen Kompromiss geeinigt. Und der wahre Verlierer dieser Übereinkunft ist die spanische Endesa.

DÜSSELDORF. Eon-Chef Wulf Bernotat gibt sich mit seiner Offerte, deren Annahmefrist im Laufe des Dienstags abläuft, geschlagen und überlässt den Konkurrenten den Vortritt bei Endesa. Im Gegenzug erhält er lukrative Aktivitäten in Spanien, Frankreich, Italien, Polen und der Türkei. Das gaben die Unternehmen am Montag bekannt.

Damit endet für Bernotat ein Übernahmekampf, den er über ein Jahr und einen Monat lang erbittert geführt und bei dem er bereits zahlreiche Hürden übersprungen hatte. Letztlich musste er aber einsehen, dass er sich die Mehrheit nicht hätte sichern können. Enel und Acciona hatten sich zunächst am Markt 46 Prozent der Endesa-Anteile gesichert, vor eineinhalb Wochen eine Allianz geschmiedet und angekündigt, Eons 42,3 Mrd. Euro hohe Offerte noch zu überbieten. Weitere 3 Prozent, die von der spanischen Staatsholding Sepi kontrolliert werden, konnte Bernotat ebenfalls abschreiben. Letztlich ist Bernotat auch am Widerstand der spanischen Politik gescheitert, die von Anfang an versucht hatte, den Einstieg des deutschen Konzerns zu verhindern, und Endesa unter spanischer Kontrolle halten wollte. Dies haben Enel und Acciona, die schon bald ihre Offerte unterbreiten wollen, versprochen. In Branchenkreisen wird sogar spekuliert, dass die Allianz von Enel und Acciona von Regierungsvertretern eingefädelt wurde.

Zu Zugeständnissen gezwungen

„Der Eintritt von Acciona und Enel bei Endesa hat unser ursprüngliches Ziel, eine Mehrheit an Endesa zu übernehmen, unerreichbar gemacht“, sagte Bernotat. Eon erwog zwischenzeitlich, sich zunächst mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden zu geben und die Konkurrenten in ein Patt zu zwingen. Bernotat setzte dabei vor allem auf den Rechtsweg. Er warf Enel und Acciona vor, gegen das Börsenrecht in Spanien und den USA, wo Endesa notiert ist, verstoßen und die Aktionäre über ihre Pläne getäuscht zu haben. Mit den Klagen, die der Konzern in Madrid und New York eingereicht hat, hätte er die Pläne der Konkurrenten zumindest über einen langen Zeitraum blockieren können – und zwang Enel und Acciona letztlich zu substanziellen Zugeständnissen. Alle Parteien werden nun ihre Klagen fallen lassen. „Unsere Vereinbarung mit Enel und Acciona schafft jetzt Klarheit für alle Beteiligten“, sagte Bernotat.

Wenn Enel und Acciona die Mehrheit an Endesa übernehmen, wird Eon ein umfangreiches Beteiligungspaket erhalten, dessen Volumen nach Angaben des Energiekonzerns bei rund 10 Mrd. Euro liegen wird – immerhin ein Viertel der veranschlagten Summe für die gesamte Endesa. Eon erhält wie gewünscht Zugang zum spanischen Markt, wenn auch in wesentlich kleinerem Umfang als ursprünglich geplant. Der Konzern übernimmt Enels bisherige Spanien-Tochter, den Versorger Viesgo, der selbst über Erzeugungskapazitäten von rund 2 400 Megawatt verfügt und mit Endesa-Kraftwerken gestärkt werden soll. Mittelfristig soll Eon damit in Spanien auf einen Marktanteil von zehn Prozent kommen und der viertgrößte Versorger des Landes sein.

Zudem übernimmt Eon zahlreiche Aktivitäten von Endesa in Europa. In Italien steigt Eon zum viertgrößten Stromproduzenten auf und kann seine bisherigen Aktivitäten im Strom- und Gasgroßhandel ergänzen. Mit der Übernahme von Endesas Anteilen an Snet erhält Eon zudem erstmals Zugang zum französischen Markt und wird dort zur Nummer drei in der Stromproduktion.

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