Eon/GDF-Energiegipfel
„Kein Konzern ist wirklich dominant“

  • 0

Sie spielen darauf an, dass Sie in Leipzig per Bürgerentscheid gehindert wurden, sich am kommunalen Versorger zu beteiligen?

Mestrallet : Ja. Aber solche Probleme sind uns auch bei anderen Städten begegnet. Dabei läuft unsere Zusammenarbeit gut mit jenen Stadtwerken, bei denen wir eine Partnerschaft schließen konnten.

Bernotat : GdF Suez hat aber immerhin eine Beteiligung am Berliner Gasversorger Gasag.

Mestrallet : Ja, aber eine Minderheitsbeteiligung.

Bernotat : In Frankreich hat man dieses Problem natürlich nicht, da gibt es nämlich gar keine Stadtwerke. Da gibt es im Strombereich den dominierenden Anbieter EDF, der von der Erzeugung bis zum Zugang zum Endverbraucher alles komplett integriert hat. Im Gasbereich deckt GDF vom Import bis zum Vertrieb alles ab.

Neuer Energiekommissar soll mit Günther Oettinger ein Deutscher werden, freut Sie das?

Bernotat: Es freut mich, dass mit Günther Oettinger ein erfahrener und erfolgreicher Politiker gewählt wurde, der sich auf europäischer Ebene schnell durchsetzen wird. Als EU-Energiekommissar ist er aber nicht Lobbyist deutscher Interessen, sondern ausschließlich der europäischen Perspektive verpflichtet. Wünschenswert wäre, wenn er Wettbewerb und Binnenmarkt auch in den europäischen Märkten durchsetzen würde, wo der Zugang aufgrund pro-tektionistischer nationaler Maßnahmen nur schwer möglich ist oder wo staatlich regulierte Energietarife den fairen Wettbe-werb behindern. Wir brauchen einen einheitlichen europäischen Energiemarkt mit fairen Regeln für einen grenzüberschreitenden Wettbewerb - ohne nationale Verzerrungen und Ungleichgewichte. Das muss ganz oben auf der Agenda stehen.

Die EU versucht doch schon seit zehn Jahren vergeblich einen gemeinsamen Markt für Energie aufzubauen. Können Sie den Ärger der Verbraucher verstehen?

Mestrallet : Der Markt muss sich tatsächlich selbst nach dieser langen Zeit noch entwickeln. Seit dem 1. Juli 2007 hat zwar jeder der 450 Millionen Kunden das Recht, seinen Strom- oder Gasanbieter frei zu wählen. Für viele Bürger ist bleibt das aber Theorie. Das muss besser werden.

Wann werden denn Verbraucher in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien die gleichen Preise zahlen?

Bernotat : Nie, solange die Strompreise durch staatliche Abgaben und Steuern verzerrt werden, die von Land zu Land sehr unterschiedlich sind. Dafür können die Versorger aber nichts. Wenn ich mir dagegen die Großhandelspreise an der Börse anschaue, sehe ich aber durchaus einen positiven Trend zur Angleichung - zumindest in Zentraleuropa. In Frankreich, den Benelux-Staaten, Österreich oder der Schweiz entwickelt sich bereits ein gemeinsamer Markt mit fast gleichen Preisen.

Kommentare zu " Eon/GDF-Energiegipfel: „Kein Konzern ist wirklich dominant“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%