Eon/GDF-Energiegipfel
„Kein Konzern ist wirklich dominant“

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Herr Mestrallet, Herr Bernotat, sie plädieren für mehr Marktöffnung und mehr Wettbewerb. In der Vergangenheit scheinen Ihre Unternehmen das aber nicht so ernst genommen zu haben, wie die Kartell-Strafe der EU-Kommission zeigt?

Bernotat : Sie sprechen richtigerweise von der Vergangenheit?

Mestrallet : ?ich würde eher von Prähistorie sprechen?

Bernotat : Bei der EU-Strafe geht es um Vorgänge aus den 70er-Jahren. Die Kommission hätte das meiner Ansicht nach ebenso zu den Akten legen können, wie sie es in einem vergleichbaren Fall auch getan hat. Wir hatten damals vollkommen andere Marktverhältnisse. Das fragliche Abkommen mit Gaz de France ist zudem in der Praxis nie angewendet worden. Das Wichtigste ist: Wir haben längst intensiven Wettbewerb auf dem deutschen Markt und sollten weiter nach vorne schauen, nicht zurück.

Mestrallet : Sie dürfen auch nicht vergessen, dass zur fraglichen Zeit im Jahr 1975 der französische Gasmarkt per Gesetz ein Monopol war.

Aber gegen Ruhrgas ermittelt die EU-Kommission immer noch. Dabei scheint es nicht um alte Zeiten zu gehen?

Bernotat : Es ist richtig, dass die Kommission 2006 bei einer Reihe von europäischen Gasversorgungsunternehmen, darunter auch Eon Ruhrgas, Untersuchungen im Bereich des Kapazitätsmanagements eingeleitet hat. Es handelt sich dabei nicht um ein förmliches Verfahren.

Stimmt es, dass Sie einen Kompromiss mit der Kommission suchen?

Bernotat : Ich bitte um Verständnis, wenn ich zum Stand der Dinge nichts sagen kann.

A propos Gas aus Russland. Wo Sie beide gerade da sind, wäre es nicht eine gute Gelegenheit, die Beteiligung von GDF Suez an der Ostseepipeline Nordstream anzukündigen?

Bernotat : GdF ist aus unserer Sicht bei Nordstream herzlich willkommen.

Mestrallet : Danke! Die Verhandlungen verlaufen in der Tat positiv, wir sind bereit, uns an Nordstream zu beteiligen. Ich bin optimistisch, dass wir einen Abschluss erreichen, vielleicht sogar noch bis Ende des Jahres. Aber wir führen Verhandlungen mit Eon, BASF, Gasunie und Gazprom, das ist eine subtile Sache.

Wie sprachen über Marktöffnung und Liberalisierung, die noch nicht abgeschlossen sind. Heißt das dann im Folgeschluss, dass auch die Konsolidierung weiter gehen wird?

Bernotat : Angesichts der schwierigen Lage an den Finanzmärkten erwarte ich auf absehbare Zeit keine großen Transaktionen.

Mestrallet : Das sehe ich genauso. Denn die großen Gruppen wie Eon, EDF, Enel, Iberdrola, RWE oder GDF Suez haben alle bereits die kritische Größe erreicht. Und die Wettbewerbsbehörden würden eine Großfusion kaum akzeptieren. Mit Blick auf die zweite Reihe kann ich mir aber schon vorstellen, dass in den nächsten zehn Jahren noch ein paar Fusionen anstehen.

Ende der 90er gab es immerhin auch Gespräche zwischen Eon und Suez...

Bernotat : Das war vor meiner Zeit?

Mestrallet : Ja, ich hatte damals intensive Gespräche mit Ulrich Hartmann (heutiger Eon-Aufsichtsrats-Chef, die Redaktion). Aber im Rückblick glaube ich, dass die Zeit damals noch nicht reif war für solch einen Zusammenschluss. Denn dadurch wäre ein Drei-Nationen-Konzern entstanden, mit einem deutschen, belgischen und einen französischen Teil. Das war einfach zu schwierig. Und heute sind Eon und GDF Suez einfach zu groß, um miteinander zu fusionieren.

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