Eon/GDF-Energiegipfel
„Kein Konzern ist wirklich dominant“

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In wenigen Tagen beginnt die Klima-Konferenz in Kopenhagen. Was erwarten Sie davon?

Bernotat : Wir brauchen weltweit verbindliche Klimaziele und einen einheitlichen Markt für CO2 mit einem funktionierenden Preismechanismus, Für mich steht und fällt dabei ein Erfolg in Sachen Klimaschutz mit dem Engagement der USA. Denn die Amerikaner haben das Geld und die Technologie, um ihre Emissionen deutlich zu verringern. Bevor also die USA auf China zeigen, sollten sie zunächst einmal bei selbst mit gutem Beispiel voran gehen, wie es Europa macht.

Mestrallet : Es ist unmöglich, von Ländern wie China, Indien oder Brasilien Anstrengungen und Klima-Restriktionen zu verlangen, wenn die entwickelten Nationen nicht voran gehen. Denn Klimaschutz dürfte in Staaten wie China zunächst Wachstum kosten und damit Millionen von Chinesen der Chance berauben, sich aus der Armut zu befreien. Ich meine auch, dass den USA eine zentrale Rolle zufällt. Die persönliche Haltung von Obama gibt dabei Anlass zur Hoffnung. Europa hat bereits eine Vorreiterrolle eingenommen, wir dürfen dabei aber nicht alleine bleiben. Kopenhagen wird entscheidend sein.

Bernotat : Bei den Klima-Zielen ist auch das Start-Datum für die Reduktionen ein Streitpunkt. Im Kyoto-Protokoll wurde festgelegt, dass Deutschland bis 2012 seine Emissionen um 21 Prozent senken muss; als Referenzpunkt wurde das Jahr 1990 festgelegt. Gemessen daran hat Deutschland seine Verpflichtung bereits heute fast erfüllt. Die USA verlangen nun, als Referenzdatum das Jahr 2005 zu wählen. Und diskutieren zurzeit, bis 2020 ihre Emissionen um 17 Prozent zu senken. Rechnet man diesen Vorschlag aber auf das Referenzjahr 1990 zurück, so entspricht dies nur einer CO2-Reduzierung um drei Prozent. Denn zwischen 1990 und 2005 sind die Emissionen in den USA im Gegensatz zu Europa gestiegen.

Mestrallet : Wir brauchen einen differenzierten Ansatz: Die reichen Regionen wie Europa und die USA müssen sich zu den gleichen Klimazielen verpflichten. Die nächste Gruppe bilden dann die Wachstumsstaaten wie China, Indien und Brasilien. Entwicklungsländer bilden eine weitere Gruppe, die eigene, angemessene Klimaziele benötigen. Wir brauchen einen Erfolg in Kopenhagen. Denn die Industrie braucht langfristige Planbarkeit.

Wulf Bernotat, Eon:

Europas Nummer eins :Wulf Bernotat steht seit Mai 2003 an der Spitze von Eon. Zuvor hatte er 20 Jahre für den Ölmulti Shell gearbeitet. Eon ist mit einem Umsatz von 87 Mrd. Euro und knapp 90 000 Mitarbeitern vor den französischen Konkurrenten GDF Suez und EDF sowie Enel aus Italien Europas größter Strom- und Gasversorger.

In Spanien gescheitert: 2006 misslang dem promovierten Juristen zwar der größte Coup, die Übernahme des spanischen Branchenprimus Endesa. Zumindest konnte er sich aber Teile von Endesa in Spanien, Italien und Frankreich sichern und wenig später gelang ihm auch der Kauf des russischen Stromproduzenten OGK-4. Im Mai 2010 wird der 61-Jährige die Führung an Chief Operation Officer Johannes Teyssen übergeben.

In vielen Märkten aktiv: Eon ist inzwischen in allen wichtigen europäischen Märkten vertreten. In Deutschland schwindet dagegen die Marktmacht - auf Druck von EU und Bundeskartellamt hat Eon Aktivitäten abgegeben.


Gérald Mestrallet, GDF Suez

Groß durch Fusionen:Der 61-jährige Gérald Mestrallet leitet Suez seit 1995 und hat aus der einstigen Finanzholding einen Energieriesen geformt. "Dabei habe ich fünf große Übernahmen gemacht", sagt er nicht ohne Stolz.

Europas Nummer zwei: GDF ist nach Umsatz gerechnet zweitgrößter Energiekonzern Europas. Das Unternehmen ist 2008 nach fast zweijährigem Hickhack aus der Fusion zwischen dem Staatskonzern Gaz de France und dem privaten Strom- und Wasserdienstleister Suez hervorgegangen. Zu Beginn schluckte Suez den Wasserversorger Lyonnais des Eaux, expandierte mit der Übernahme von Electrabel nach Belgien und bekam Zugriff auf Atomkraftwerke.

Mit Eon gescheitert: Im Jahr 2000 wollte Mestrallet Suez mit Eon fusionieren, was aber scheiterte: "Die Zeit war noch nicht reif", sagt er. Im Unterschied zu vielen Rivalen sind die Franzosen weltweit aktiv und betreiben Talsperren in Brasilien, Entsalzungsanlagen in der Golfregion und fördern Gas in Deutschland.

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