Eon/GDF-Energiegipfel
„Kein Konzern ist wirklich dominant“

Eon und GDF sind Europas größte Energiekonzerne. Im gemeinsamen Interview mit dem Handelsblatt sprechen Eon-Chef Wulf Bernotat und GDF-Chef Gérad Mestrallet über den Wettbewerb in der Branche, den staatlichen Einfluss und die Wünsche der Branche für die Kopenhagener Klimakonferenz.
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Herr Mestrallet, Herr Bernotat. Bald tritt eine neue EU-Kommission ihre Arbeit an. Was erhoffen sich die Chefs der beiden größten europäischen Versorger von ihr - schließlich haben Sie von der alten viel Prügel bezogen?

Mestrallet : Auch wir sind für mehr Wettbewerb - und da hat die neue Kommission noch viel Arbeit vor sich. Aber es gibt noch andere Ziele, die damit in Einklang gebracht werden müssen. Den gleichen Stellenwert wie Wettbewerb müssen die Sicherung unserer Versorgung und der Umweltschutz haben. Wir brauchen endlich eine einheitliche Energiepolitik in Europa. Dass sie notwendig ist, haben in den vergangenen Jahren die Ausschläge bei den Energiepreisen oder den russisch-ukrainischen Gaskrisen gezeigt.

Und was sind Ihre Wünsche an die neue Kommission, Herr Bernotat?

Bernotat : Ich kann mich den Ausführungen meines Kollegen nur anschließen. Noch stockt aber in vielen Ländern die Liberalisierung der Märkte und die Privatisierung der Unternehmen. Mit Deutschland hat sich die EU-Kommission in der Vergangenheit sehr intensiv beschäftigt. Ich könnte mir vorstellen, dass sich der nächste Wettbewerbskommissar jetzt eher Frankreich zuwendet, da haben wir noch zu wenig Wettbewerb.

Mestrallet : Aber nicht bei Gas. Wir werden mit der EU-Kommission ein Abkommen für eine stärkere Liberalisierung abschließen. Damit bekommen unsere Wettbewerber Zugang zu 50 Prozent unserer grenzüberschreitenden Transportkapazitäten.

Bernotat

: In Deutschland haben wir sowohl bei Strom als auch bei Gas deutlich mehr Wettbewerb. Die beiden französischen Konzerne EDF und GDF Suez beispielsweise sind schon seit Jahren hier aktiv. Der deutsche Markt ist heute viel offener als der französische.

Lassen Sie die Kritik auf sich sitzen, Herr Mestrallet?

Mestrallet : Es stimmt, dass in keinem westlichen Land ein Wettbewerber mehr als 65 Prozent des Marktes kontrolliert. Das gibt es nur in Frankreich. Aber die französische Regierung hat mit einem neuen Gesetzentwurf den richtigen Weg eingeschlagen, um der Konkurrenz zu helfen. Sie will zum einen die Tarife schrittweise an das Marktniveau heranführen und zum zweiten Wettbewerbern Zugang zu den Kernkraftkapazitäten verschaffen.

Und stimmen Sie zu, dass der deutsche Markt offener ist?

Mestrallet : Es hat in der Tat deutliche Fortschritte gegeben. Am Anfang der Liberalisierung war der deutsche Markt einer der schwierigsten für Unternehmen wie uns. Es gab ja beispielsweise keinen Regulierer. Das hat sich geändert. Und die EU-Kommission hat Eon zum Verkauf von Kraftwerken gedrängt - so sind auch wir zu neuen Kapazitäten gekommen.

Aber was stört Sie noch?

Mestrallet : Es ist schwierig, mit den Stadtwerken zu kooperieren.

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