Eon-Hauptversammlung: „Brasilien und die Türkei machen viel Freude“

Eon-Hauptversammlung
„Brasilien und die Türkei machen viel Freude“

Eon-Chef Teyssen sucht wegen der schwierigen Bedingungen auf dem Heimatmarkt sein Heil im Ausland. Doch zuletzt machte vor allem das Engagement in Brasilien Sorge. Bei der Hauptversammlung verteidigt er seine Strategie.
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EssenEon-Chef Johannes Teyssen ist heute mit einer guten Nachricht vor seine Aktionäre bei der Hauptversammlung des Konzerns in der Essener Gruga-Halle getreten. Der Düsseldorfer Energiekonzern habe vor einigen Tagen „zu sehr günstigen Preisen“ den Zuschlag für den Vertrieb in Istanbul und in der Region Adana in der Türkei bekommen. „Auf einen Schlag“ habe das Unternehmen so „sechs Millionen neue Kunden und insgesamt neun Millionen türkische Kunden“ gewonnen, sagte Teyssen. „Mehr als wir nach Jahrzehnten in Deutschland haben.“

Bereits Ende vergangenen Jahres war Eon ein Joint Venture mit der mächtigen türkischen Familien-Holding Sabanci eingegangen und hatte sich mit 50 Prozent an dem türkischen Energieunternehmen Enerjisa beteiligt. Bis 2020 soll Enerjisa durch den Bau neuer Kraftwerke einen Anteil am türkischen Erzeugungsmarkt von mindestens zehn Prozent erhalten, hatte Teyssen damals angekündigt.


Der Eon-Chef sucht sein Heil derzeit vor allem im außereuropäischen Ausland. In Deutschland hatte der Energiekonzern zuletzt wenig Glück. Durch die Energiewende und den Vorrang der erneuerbaren Energien ist der Betrieb einiger Gaskraftwerke des Konzerns unrentabel geworden.

Zwar steigerte der Konzern sein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen im Jahr 2012 um 16 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro. Das lag jedoch vor allem daran, dass das Ergebnis im Vorjahr stark belastet war durch den Ausstieg aus der Kernenergie. Zudem konnte Eon mit seinen Gaslieferanten bessere Konditionen vereinbaren.

RWE, Eon und EnBW im Wettbewerbsvergleich

Wo die Energie herkommt

Anteil an der Stromerzeugung, in Prozent

Bei der Hauptversammlung in Essen bekräftigte Eon-Chef Teyssen noch einmal die schlechten Aussichten für dieses Jahr: „Wir werden die 1,10 je Aktie für 2013 nicht halten können“, sagte er. Das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) werde bei 9,2 bis 9,8 Milliarden Euro liegen, der nachhaltige Konzernüberschuss bei 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro.

Als Konsequenz will Teyssen deshalb das schwierige Geschäft in Deutschland reduzieren. Der Vorstoß in der Türkei ist Teil der Internationalisierungs-Strategie des Konzerns. „Unseren Marktanteil in Deutschland werden wir nicht halten können“, hatte der Eon-Chef Ende April in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. „Wachsen wird dafür das Geschäft im Ausland“.

Einen Hieb gegen den schärfsten Konkurrenten von Eon, den Essener Energiekonzern RWE, konnte sich Teyssen laut Redemanuskript nicht verkneifen: „Wer sich trotz schrumpfender Basis in der Heimat ängstlich nicht bewegt, hat schon verloren“, hieß es. RWE-Chef Peter Terium hält offenbar nichts von einem Engagement in der Türkei und in Brasilien, wie es Eon vormacht. „Träumen kann man immer“, sagte Terium im Interview mit dem Magazin „Capital“. „Aber ich glaube nicht an Märchen. Investieren im Ausland ist eine knochenharte Arbeit, dort hat niemand Geld zu verschenken.“

Eon-Chef Teyssen verteidigte dagegen die Auslandsstrategie des Konzerns. Zuletzt hatte es Probleme mit dem Partner von Eon in Brasilien, Eike Batista, gegeben. „Brasilien und die Türkei werden Ihnen morgen noch viel Freude machen“, betonte Teyssen.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Das ist sehr Klug von EON sich auf das Auslandsgeschäft zu konzentrieren. Und mit Ausland meine ich das EU-Ausland. Die grün-sozial verseuchte EU Ökologiediktatur macht es Unternehmen immer schwieriger sich in der EU wirtschafltich und innovativ weiter zu entwickeln. Die freien und innovativen Wirtschaftsmärkte sind außerhalb der EU zu finden! Die BRIC Staaten sind das beste Beispiel dafür!
    EON sollte auch weiterhin in diesen Ländern das Geschäft der Energiegewinnung per Kernkraft im Auge behalten und bei passenter Gelegenheit wieder einsteigen bzw. die noch bestehenden Beteiligung erweitern!

  • Bernoatat hatte bereits in Spanien und Rußland 4 Mrd investiert/ versenkt, die dann in den 3 Folgejahren klammheimlich abgeschrieben wurden, Theyssen hat gar nicht mehr so viel Geld zum versenken zur verfügung, aber er bemüht sich redlich, den Konzern zum Sanierungsfall zu machen...

  • Die besten Firmen sind die, die eine Kernkompetenz in ein ueberzeugendes Geschaeftsmodell umwandeln koennen. Strahlendes Beispiel ist die Deutsche Post.

    Okay, Eon wurde von der Energiewende hart getroffen. Aber wo bleibt die Vision von der Kernkompetenz? Energieerzeugung? Energieuebertragung? Energiespeicherung? Energiehandel? Elektrizitaet? Gas? Oel? Regionale Kompetenz?

    Ich sehe bisher nur einen fuer mich chaotisch erscheinenden Ansatz eines Gemischtwarenladens, der alles mal anfasst, was Gewinn verspricht. Das ist eine Road Map nach nirgendwo! Wie soll man da als Investor ein gutes Gefuehl entwickeln koennen?

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