Eon plant Gespräche mit Acciona
Endesa wird zur teuren Nervenprobe

Die Übernahme von Endesa wird für Deutschlands größter Energieversorger Eon zu einer teuren Nervenprobe. Das Unternehmen versucht mit einem um zehn Mrd. Euro aufgestockten Angebot für den spanischen Stromkonzern, das Tauziehen um die Iberer rasch für sich zu entscheiden. Nach der Vorlage des neuen Angebots runzeln Experten allerdings nicht nur bei der Summe die Stirn.

HB DÜSSELDORF. Nachdem mit dem spanischen Baukonzern Acciona plötzlich ein unerwarteter Rivale aufgetaucht ist, erhöhte der Düsseldorfer Konzern am Dienstagabend sein Kaufangebot drastisch - von 27 auf 37 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 38 Prozent. So viel wurde noch nie für einen Energieversorger bezahlt. Nur so hofft der Konzern offenbar noch beim spanischen Strom-Marktführer zum Zuge kommen zu können.

Eon-Chef Wulf Bernotat versuchte, Zweifel am Sinn der Aufstockung zu zerstreuen. „Das Angebot erfüllt unsere strengen Investitionskriterien und schafft ein kombiniertes Unternehmen mit herausragenden Zukunftsaussichten für seine Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre“, sagte er. Das Angebot sei Zeichen für das langfristige Vertrauen in das Geschäftsmodell und die Wachstumsperspektiven von Endesa.

Der Düsseldorfer Konzern will mit diesem Befreiungsschlag vermeiden, nach dem überraschenden Einstieg des spanischen Mischkonzerns Acciona im Kampf um Endesa ins Hintertreffen zu geraten. Acciona hatte eigenen Angaben zufolge zehn Prozent der Endesa-Anteile erworben und dafür mit je 32 Euro deutlich mehr bezahlt als Eon bis dahin bot. Acciona plant nach eigenen Angaben keine Übernahme, schließt jedoch weitere Anteilskäufe nicht aus. Möglicherweise setzen sich die Manager von Eon und Acciona nun schon bald an einen Tisch. Acciona habe einen solchen Wunsch angedeutet, sagte Bernotat in einer Telefonkonferenz. Eon prüfe, ob es mit den Spaniern Gespräche führe.

Acciona hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass sich das Unternehmen bereits 10 Prozent der Endesa-Aktien gesichert habe und plane, insgesamt bis zu 25 Prozent zu erwerben. Branchenbeobachter rätseln noch über die Motive der Spanier. Es könnte sich um ein strategisches Investment des Baukonzerns handeln, der auch stark im Bereich der Windenergie engagiert ist.

Doch wird auch spekuliert, dass der Einstieg des Baukonzerns ein Versuch der spanischen Regierung seien könnte, den Eon-Coup doch noch durch die Hintertür zu verhindern. Die Baubranche gilt in Spanien traditionell als regierungsnah, da sie stark von staatlichen Aufträgen abhängig ist. Genauso gut könnte die Beteiligung aber auch der Versuch sein, schnell Kasse zu machen. Immerhin würde ein Weiterverkauf des Aktienpakets schon jetzt einen dreistelligen Millionengewinn in die Kassen der Spanier spülen.

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