Eon-Umbau
Ein verflixt flüchtiges Geschäft

Kosten senken, Kraftwerke verkaufen, Stromnetz abstoßen: nie steckte Deutschlands Energieriese Eon tiefer im Umbruch als heute. Doch als größtes Sorgenkind für Eon-Chef Wulf Bernotat entpuppt sich ausgerechnet Ruhrgas: Dem Gashändler laufen die Kunden weg. Zu lange blieb er in der Pose des Monopolisten erstarrt - das rächt sich nun.
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ESSEN. Konkurrenten können ja so fies sein, gerade in der Energiebranche. Etage für Etage wächst die neue Hauptverwaltung von Eon Ruhrgas in Essen-Rüttenscheid in die Höhe. Die Betongerippe der beiden je 60 Meter hohen ellipsenförmigen Bürotürme stehen, Nebengebäude sind schon verglast. Kürzlich war Richtfest. Mitte nächsten Jahres möchte Eon-Chef Wulf Bernotat seine Gastochter hier ansiedeln.

"Aber", stichelt der Manager eines Konkurrenten, "ob die da auch noch wirklich einziehen werden?"

Eon Ruhrgas, jahrzehntelang Quasi-Monopolist und noch immer Deutschlands größte Gasgesellschaft, muss zurzeit so manchen Spott ertragen. Denn das Schwergewicht wankt. Der Absatz schwächelt, Konkurrenten werden immer frecher und Kunden selbstbewusster. In den ersten neun Monaten setzte die Eon-Sparte Pan-European Gas, die von Ruhrgas geführt und beherrscht wird, 21 Prozent weniger ab. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach sogar um 33 Prozent ein.

Ruhrgas ist Bernotats größtes Ärgernis. Das ist doppelt bitter, denn ansonsten schlägt sich Eon in der Wirtschaftskrise ganz gut. Der Umsatz ging konzernweit nur um zwei und das Ebit um ein Prozent zurück. Mit einer etwas optimistischeren Prognose überraschte Bernotat den Markt so sehr, dass die Aktie gestern zwischenzeitlich deutlich zulegte. Aber das kaschiert die Probleme bei Ruhrgas nur. "Das ist zurzeit Eons größtes Sorgenkind", sagt Analyst Matthias Heck von Sal. Oppenheim.

"Das Geschäft ist eindeutig schwieriger geworden", räumt selbst Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg im Gespräch mit dem Handelsblatt ein. Er sieht zwar eine erste "Bodenbildung". Die Probleme schönreden will und kann er aber nicht.

Sein Chef Bernotat hat eigentlich genug zu tun. Der Wettbewerb durch neue Anbieter auf dem Heimatmarkt wird immer härter. Der Druck der Kartellbehörden wächst. Die Verlängerung der Laufzeiten für die Kernkraftwerke steckt politisch fest. Bernotat spart quer durch alle Gesellschaften, kauft im Ausland zu, veräußert Kraftwerke und vorgestern gar das überregionale Stromnetz - auf Druck der EU. Eon steckt im größten Umbruch seiner Geschichte.

Bernotats wichtigste Baustelle jedoch liegt in Essen. Das Gasgeschäft erwirtschaftete 2008 mit 27,4 Milliarden Euro fast ein Drittel des Konzernumsatzes und mit 2,6 Milliarden Euro mehr als ein Viertel des Ebits. Nun entweichen Eon diese Gewinne aus der Eon-Bilanz wie Gas aus einer lecken Pipeline.

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