20.04.2006

Energiestreit: Eon und Gazprom kurz vor dem Durchbruch

Trotz der politischen Skepsis in Europa vor einer zu großen Abhängigkeit von russischem Gas machen die Gespräche zwischen Gazprom und Eon über eine Beteiligung des deutschen Energiekonzerns an dem sibirischen Gasfeld Yuschno Russkoje Fortschritte und stehen nach Informationen des Handelsbatts kurz vor dem Durchbruch:

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Gazprom ist seit längerem darum bemüht, auch im Endkundengeschäft in Westeuropa einen Fuß in die Tür zu bekommen. Foto: dpaLupe

Gazprom ist seit längerem darum bemüht, auch im Endkundengeschäft in Westeuropa einen Fuß in die Tür zu bekommen. Foto: dpa

HB MOSKAU. Gazprom-Vize Alexander Medwedjew kündigte in Moskau an, dass im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin am kommenden Donnerstag in der sibirischen Stadt Tomsk ein Abkommen über die Beteiligung von Eon-Ruhrgas an dem Gasfeld unterzeichnet werde.

Bisher sind an dem gigantischen Vorkommen nur Gazprom und BASF-Tochter Wintershall beteiligt. Die Kasseler hatten durch die vereinbarte Aufstockung des Gazprom-Anteils am gemeinsamen Gasvertreiber Wingas auf 49 Prozent an Eon vorbei den Zuschlag für einen Einstieg in Yuschno-Russkoje bekommen. Politische Kreise in Moskau sagten, nun seien auch "ähnliche Prozesse bei Eon-Ruhrgas in Bewegung".

So wird Eon dem russischen Gasmonopolisten eine Beteiligung in Mittel- und Osteuropa anbieten: Die Gespräche drehen sich vor allem um Ungarn, Tschechien, Bulgarien und Rumänien. Ein Sprecher von Eon wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren. Zwischen Eon und Gazprom laufen vor dem deutsch-russischen Treffen in Tomsk aber die Drähte heiß: Das Eon-Management hat intern alle Möglichkeiten durchrechnen lassen, wie eine Beteiligung der Russen aussehen könnte. Ein Minderheitsanteil von Gazprom an Ruhrgas steht dabei aber offenbar nicht zur Debatte. Eon hält über Ruhrgas 6,5 Prozent an Gazprom.

Die Konzerne verhandeln bereits seit Sommer 2004 über das Gasfeld. Es verfügt über nachgewiesene Reserven von rund 700 Mrd. Kubikmeter Gas - das würde rein rechnerisch reichen, um den Bedarf Deutschlands etwa sieben Jahre lang zu decken. Für Eon ist der Einstieg zu einer Prestigefrage geworden. Eon-Chef Wulf Bernotat hatte bereits vor Wochen bekräftigt, dass mit Gazprom eine Asset-Tausch angestrebt werde und die dafür möglichen Tauschobjekte schon identifiziert seien.

Teile der Förderung in Yuzhno-Russkoye sollen durch die von Gazprom, Wintershall und Eon-Ruhrgas derzeit in Planung befindliche Ostsee-Pipeline auch nach Deutschland exportiert werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Millers Drohgebärde

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